Oktober 2014
| von Philip Bittermann, Redaktion

Nicht nur für frische Eltern
  • Sogenannte Superabsorber sind Bestandteil vieler Alltagsprodukte, beispielsweise Windeln. Bis dato entstehen sie allerdings auf Basis von Erdöl.
  • Dies widerspricht dem aktuellen Nachfragetrend der Konsumenten. Diese legen verstärkten Wert auf nachhaltige Produktionsprozesse, basierend auf nachwachsenden Rohstoffen.
  • Daher entwickelte die BASF gemeinsam mit zwei weiteren Unternehmen ein Verfahren, mit dem sich Superabsorber auf Basis von aus Mais gewonnener Glukose herstellen lassen.

Der Glukose-Clou
Laut und häufig genug gestellt, drang diese wohl bis nach Ludwigshafen durch. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass die BASF kürzlich bekanntgab, einen weiteren Meilenstein zur Produktion von Acrylsäure aus nachwachsenden Rohstoffen erreicht zu haben. Das ist deshalb interessant, weil diese Säure die Basis für Superabsorber (SAP) ist; also der Substanz, die moderne Windeln in kleine (Auf-)Saugwunder verwandelt. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Chemiekonzerns mit Cargill, einem internationalen Produzenten und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen in Bereichen wie der Nahrungsmittel- und technischen Industrie, sowie Novozymes, einem Unternehmen das sich Bioinnovationen auf die Fahne geschrieben hat, gelang es Mitarbeitern 3 Hydroxypropionsäure (3-HP) erfolgreich in Acrylsäure und superabsorbierende Polymere umzuwandeln. Der Clou an der Sache ist das Ausgangsprodukt: Glukose, ein Einfachzucker also, der aus stärkebasierten Argrarrohstoffen entsteht – beispielsweise Mais.

Mais statt Rohöl
Die Herstellung von 3-HP gelang den Forschern erstmals bereits im Juli 2013 im Pilotmaßstab. Damals war allerdings noch nicht klar, ob dieses sich auch wirklich als Acrylsäure-Vorprodukt eignen würde. Der verlautbarte Durchbruch konnte nun letzte Unsicherheiten beseitigen, weshalb die Projektpartner jetzt auch einen Prozess für das weitere Scale-up auswählten. „Nach genau 18 Monaten haben wir den endgültigen Prozess zur Umwandlung von 3-HP in Acrylsäure festgelegt. Wir arbeiten nun mit Nachdruck am Aufbau einer kleinen integrierten Pilotanlage für diesen Schritt bis Ende dieses Jahres“, kommentiert Teressa Szelest, Senior Vice President Global Hygiene Business der BASF, den aktuellen Stand der Entwicklung. Derzeit erfolgt die Produktion von Acrylsäure noch durch die Oxidation von Propylen, das hauptsächlich aus raffiniertem Rohöl entsteht. Zusammen mit der 3-HP-Pilotanlage, die Cargill mit der Unterstützung von Novozymes betreibt, soll der jetzt bekanntgegebene Erfolg die Pläne der BASF für einen schnellen Markteinstieg mit Superabsorbern aus biobasierter Acrylsäure weiter vorantreiben.

Windeln und mehr
„Wir freuen uns sehr, dass das Projekt mit großen Schritten und dem Willen zu einer raschen Vermarktung voranschreitet“, erklärt auch Kristian Bjørneboe, Vice President Business Creation und Acquisition bei Novozymes. Jetzt geht es den Beteiligten darum zu prüfen, wie rasch die Produktion von Acrylsäure aus 3-HP im industriellen Maßstab zu erreichen ist. Denn die Nachfrage nach Konsumgütern aus nachwachsenden Rohstoffen auf dem Markt steigt – nicht nur seitens der bereits erwähnten jungen Eltern. Die grünen SAP beispielsweise sollen laut BASF nicht nur in Babywindeln, sondern auch in Frauenhygiene-Produkten sowie im Bereich Erwachseneninkontinenz zum Einsatz kommen. Und auch darüber hinaus prüft der Konzern laut eigener Aussage derzeit weitere Anwendungen der biobasierten Acrylsäure und ihrer Derivate innerhalb bestehender Wertschöpfungsketten – auch aufgrund von Kundeninteresse außerhalb des Hygienegeschäfts. Ohne allerdings nähere Details zu nennen.  In der Zwischenzeit geht die Optimierung der Fermentation gemäß den Anforderungen einer Produktion im industriellen Maßstab voran. Top31114

Hier gelangen Sie zur Originalmeldung.

Bereits im Jahr 2012 berichtete die CHEMIE TECHNIK über die ersten Schritte des Projektes.

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