Lösemittel-Kreislauf geschlossen

Bayer nutzt Rezyklat-Dienstleistung

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05.06.2019 Prozessoptimierung als Investition in den Klimaschutz: Bayer setzt in der Pflanzenschutzmittelproduktion am Standort in Dormagen künftig verstärkt auf Lösemittel-Rezyklate, die vom bayerischen Destillateur Richard Geiss stammen. Damit senkt der Chemiehersteller seinen Bedarf an neuproduzierten Lösemitteln.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Recycling liegt im Trend – auch bei Lösemitteln ist das der Fall. Der Recycling-Spezialist Richard Geiss hat seine Lösemittel-Aufbereitungsanlage deshalb erweitert und 1,9 Mio. Euro investiert.
  • Für den Pflanzenschutzmittel-Hersteller Bayer, Dormagen, hat das Unternehmen ein Servicekonzept entwickelt, das die Nutzung von Lösemitteln im Kreislauf erlaubt.
  • Bayer macht sich damit unabhängig von schwankenden Rohstoffpreisen.

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Die Richard Geiss GmbH beliefert die Bayer AG mit Lösemittel-Recyclaten und kümmert sich um das gesamte Stoffstrom-Management. Bilder: Richard Geiss

„Für uns ist das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wir setzen uns für eine nachhaltige Produktion ein. Dazu zählt, dass wir laufend die Prozesse optimieren und nach Möglichkeiten suchen, den CO2-Ausstoß zu minimieren um nachhaltig Circular Economy zu leben“, sagt Mark Klimm, Global Sourcing Manager bei Bayer für die Division Crop Science.

Eine solche Prozessoptimierung ist Bayer jetzt in einem gemeinsamen Projekt mit dem Lohndestillateur Richard Geiss in Offingen gelungen. Das Familienunternehmen zählt europaweit zu den führenden Unternehmen im Recycling von Lösemitteln für die chemische und pharmazeutische Industrie. Seit acht Jahren bereitet der Spezialist aus Bayern bereits für die Division Crop Science von Bayer Lösemittel auf. In einem perfekt aufeinander abgestimmten Recycling-Kreislauf nimmt der Lohndestillateur in Dormagen die Altwaren auf und bereitet in den eigenen Destillationskolonnen in Offingen die Lösemittel so auf, dass die Rezyklate immer wieder neu verwendet werden können. Die Lösemittel werden in einem vierstufigen Destillationsprozess gewonnen und verfügen über dieselbe Güte wie Frischware.

Schutz vor schwankenden Preisen

Das Service- und Logistikkonzept wurde auf die Bedürfnisse des Abnehmers angepasst: Auf dem Firmengelände in Offingen stehen Container auf Abruf bereit. J

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In einem vierstufigen Destillationsprozess bereitet Richard Geiss am Firmensitz in Offingen Lösemittel für Bayer auf.

e nach Dringlichkeit werden diese über den eigenen Fuhrpark des Aufbereiters oder in Kombination mit der Güterverladung über den Umschlagsbahnhof in Köln transportiert. Das flexible Versorgungssystem bietet dem Pflanzenschutz-Hersteller eine hohe Versorgungs- und vor allem auch Preissicherheit. „Durch die Kooperation mit Richard Geiss haben wir stets die Gewissheit, dass die in bestimmten Produktionsprozessen eingesetzten Lösemittel in ausreichender Menge vorrätig sind. Durch die Umstellung auf 100 % Rezyklat sind wir außerdem nicht mehr wie bisher von schwankenden Rohstoffpreisen oder Versorgungsengpässen des Frischwarelieferanten abhängig“, erklärt Tarik Bourrouag, Industrial Sales Manager Europe & ROW bei der Division Crop Science.

Um die Mengen bereitstellen zu können, hat der Aufbereiter seine Kapazitäten erweitert und dazu jüngst fast 2 Mio. Euro in die Erweiterung seiner Lösemittelaufbereitungsanlage in Offingen investiert. Nach zweijähriger Planung wurden zwei neue Destillationskolonnen in Betrieb genommen. So kann der Spezialist jedes Jahr 7.000 t mehr an Lösemitteln aufbereiten, insgesamt liegt die Kapazität bei 50.000 t pro Jahr. Mit den neuen Anlagen kann der Aufbereiter nicht nur eine noch größere Bandbreite an Stoffen recyceln, sondern erreicht gleichzeitig auch noch eine höhere Reinheit der Destillate. Wo bislang Ethanol bis zu einem Anteil von 94 % destilliert werden konnte, werden nun 99,9 % Reinheit erreicht.

Zum Unternehmen: Richard Geiss

Richard Geiss produziert aus Lösemittelabfällen hochreine Destillate durch destillative Aufarbeitung. Das Unternehmen liefert Lösemittel in die industrielle Oberflächenreinigung, in die Textilreinigung sowie in die chemische und pharmazeutische Industrie. Die Lohnentfettung rundet das Leistungsspektrum als viertes Geschäftsfeld ab. In Offingen beschäftigt das Unternehmen ca. 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in der Lage, jährlich 50.000 t Lösemittel zu hochreinen Destillaten aufzubereiten.

Zur Firmen-Homepage.

 

Heftausgabe: Juni/2019

Über den Autor

Ingo Jensen und Sabrina Deininger, Jensen Media für Richard Geiss
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