Hauptversammlung

Bayer: Vorstand optimistisch, Aktionäre kritisch

29.05.2018 Der Bayer-Konzern sieht sich strategisch auf dem richtigen Weg, die Monsanto-Übernahme schreitet voran. Auf der Hauptversammlung verkündete das Unternehmen stabilen Umsatz, in Ergebnis auf Vorjahresniveau und eine steigende Dividende. Viele Aktionäre sind dennoch unzufrieden mit der Situation des Pharmakonzerns.

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Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, bei seiner Rede anlässlich der Hauptversammlung 2018 vor den Aktionären. (Bild: Bayer)

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, bei seiner Rede anlässlich der Hauptversammlung 2018 vor den Aktionären. (Bild: Bayer)

Das größte aktuelle Projekt, die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto, soll schon bald abgeschlossen sein: „Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit haben wir fast alle entscheidenden Freigaben erhalten. Wir gehen davon aus, die Transaktion in Kürze abschließen zu können“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am 25. Mai auf der Hauptversammlung in Bonn. Operativ habe Bayer 2017 bei Umsatz und Ergebnis das Niveau des Vorjahres erreicht. Um die Aktionäre auch in diesem Jahr angemessen am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen, soll die Dividende zum achten Mal in Folge angehoben werden – auf 2,80 (Vorjahr: 2,70) Euro je Aktie. Für die Zukunft sieht Baumann das Unternehmen gut gerüstet: „Wir sind optimistisch, weil wir mit unseren Produkten und Lösungen das Leben der Menschen verbessern können.“

Der Umsatz des Bayer-Konzerns erhöhte sich 2017 währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 1,5 (nominal 0,2) Prozent auf rund 35 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA lag – trotz negativer Währungseffekte – mit 9,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 1,0 Prozent auf 6,74 Euro. Der Start ins Geschäftsjahr 2018 wurde – wie schon das Vorjahr – von negativen Wechselkurseffekten überlagert. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte erhöhte sich der Umsatz im 1. Quartal um 2,0 Prozent (nominal minus 5,6 Prozent) auf 9,1 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag währungsbereinigt  auf dem Niveau des starken Vorjahresquartals. Auf dieser Basis bestätigte Bayer den währungsbereinigten Ausblick für das Geschäftsjahr 2018, der allerdings den in Kürze bevorstehenden Abschluss der Monsanto-Übernahme nicht berücksichtigt. So soll der Umsatz wpb. weiterhin im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen und das bereinigte Ergebnis je Aktie sollen sich nach wie vor wb. im mittleren einstelligen Prozentbereich verbessern. Ein weiterer wichtiger Schritt war der Verkauf weiterer Covestro-Aktien, womit sich Bayer nahezu vollständig von seiner ehemaligen Kunststofftochter getrennt hat.

„Eigentlich nicht mehr hinnehmbar“

Allerdings waren auch kritische Stimmen zu hören: “Das Bayer-Management ist jetzt nicht nur bei der Übernahme von Monsanto gefragt, sondern kämpft an vielen Fronten”, zitiert die Agentur Reuters den Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er wies auf die von der US-Regulationsbehörde FDA angemahnten hygienischen Mängel in der Pharmaproduktion hin und warf die Frage auf, “ob Bayer vor lauter Übernahmeüberschwang nicht das Brot- und Buttergeschäft vernachlässigt”. Auch mit der Entwicklung des Aktienkurses in der letzten Zeit seien die Aktionäre unzufrieden, und das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten laufe nach wie vor schleppend. Der Zustand in diesem Geschäftsbereich sei enttäuschend und „eigentlich nicht mehr hinnehmbar“, so Winfried Mathes von Deka Investment.

Die Investoren sorgen sich, dass der Konzern das Pharma-Geschäft – Teil seiner Kernkompetenz – wegen der Monsanto-Übernahme vernachlässigen könnte. Das gilt insbesondere, da sich Bayer für die Milliarden-Übernahme wegen unerwartet hoher Auflagen von mehr Geschäftsteilen trennen muss als erwartet. Im Zusammenhang mit dem regulatorischen Genehmigungsprozess veräußerte Bayer Geschäfte mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro (2017) für einen Basiskaufpreis von insgesamt 7,6 Milliarden Euro an BASF. „Diese Veräußerungen waren für die behördlichen Freigaben notwendig“, erläuterte Baumann. „Auf der anderen Seite übernehmen wir neue, sehr attraktive Geschäfte, mit denen wir zu einem führenden Unternehmen der Landwirtschaft aufsteigen.“

Auch die erwarteten Synergien fallen niedriger aus, als zunächst berechnet: Ab 2022 sollen dadurch nur 1,2 Mrd. US-Dollar in das bereinigte Ergebnis einfließen, anstatt der bislang prognostizierten 1,5 Mrd. Auch steht eine der wichtigsten Zusagen zur Fusion noch aus. Während die Kartellbehörden aus der EU, Brasilien und China bereits zugestimmt haben, schweigen die US-Behörden bislang (Update 30.05.2018: Das US-Justizministerium hat die Fusion am 29.05.2018 unter Auflagen genehmigt, Zustimmung fehlt noch aus Mexico und Kanada). Baumann bekräftigte dagegen: „Ich bin überzeugt: Dieses Akquisitionsvorhaben hat unter diversen Aspekten und damit auch insgesamt ein sehr hohes Wertschaffungspotenzial, und zwar für das Unternehmen, unsere Aktionäre und unsere Kunden.“

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht von Bayer zur Hauptversammlung.

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