Liquiditätspolster soll über Corona-Krise helfen

Bilanz: Endress+Hauser sieht sich gut für Corona-Krise gerüstet

12.05.2020 Aus einer Position der Stärke will Endress+Hauser der Corona-Krise begegnen. Auf der heutigen Pressekonferenz berichtete der Mess- und Automatisierungsanbieter über die positive Bilanz 2019 und beantwortete die Frage, wie das Unternehmen die Pandemie meistern will.

„2019 war ein gutes Jahr für Endress+Hauser“, betonte Matthias Altendorf. „Unser Wachstum war breit abgestützt und ausgewogen.“ Das auf Mess- und Automatisierungstechnik für Prozess und Labor spezialisierte Unternehmen steigerte trotz abflauender Konjunktur den Nettoumsatz um 8,0 Prozent auf 2,652 Milliarden Euro. Getrieben worden sei diese Entwicklung nicht von Großaufträgen, sondern kleineren und mittleren Projekten, erläuterte der Firmenchef auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel. Das Ergebnis (Ebit) kletterte um 3,9 % auf 343 Mio. Euro, die Zahl der Mitarbeiter um 400 Stellen auf 14.328 Beschäftigte.

USA weiter größter Markt, China überholt Deutschland

Auf der Bilanzmedienkonferenz am 12. Mai 2020 berichtete der Automatisierungsanbieter Endress+Hauser über die Ergebnisse des vergangenen Jahres.

Auf der virtuell durchgeführten Bilanzmedienkonferenz am 12. Mai 2020 berichtete der Automatisierungsanbieter Endress+Hauser über die Ergebnisse des vergangenen Jahres.

Starke Wachstumsimpulse kamen für den Automatisierungsanbieter in 2019 aus Asien. Europa entwickelte sich gut, Südamerika sehr gut. Nordamerika blieb dagegen hinter den Erwartungen, während das Geschäft in Afrika und dem Nahen Osten rückläufig war. China überflügelte beim Umsatz Deutschland und liegt nun knapp hinter den USA, die weiter der größte Absatzmarkt für den Hersteller sind.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 231,1 Millionen Euro investiert, in den vergangenen fünf Jahren steckte das Unternehmen mehr als 840 Millionen Euro in neue Gebäude, Anlagen und Ausrüstung. Finanzchef Luc Schultheiss zufolge verfügt Endress+Hauser dank einer umsichtigen Dividendenpolitik und jahrelangem Streben nach kontinuierlicher Verbesserung über ein Liquiditätspolster von fast 800 Millionen Euro. „Dies wird helfen, die aktuelle Wirtschaftssituation gut zu meistern.“

Kostenloser digitaler Service in der Corona-Krise

Matthias Altendorf, CEO von Endress+Hauser. Bild: Endress+Hauser

Matthias Altendorf, CEO von Endress+Hauser. Bild: Endress+Hauser

Endress+Hauser ist mit einem nochmals gewachsenen Auftragsbestand ins Jahr 2020 gestartet. Die Coronavirus-Pandemie erschwert ein Erreichen der ursprünglichen Ziele jedoch massiv. „Noch können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht abschätzen. Aber die Krise wird bei unseren Kunden und uns Spuren hinterlassen“, sagte CEO Matthias Altendorf. „Wir überbrücken die physische Distanz durch digitale und emotionale Nähe“, erklärte Matthias Altendorf. So arbeiten derzeit in der Spitze bis zu 10.000 Beschäftigte aus dem Homeoffice. Auch im Geschäft macht sich der durch die Corona-Krise massiv ausgeweitete Digitalisierungsansatz bemerkbar: „Der Online-Auftragseingang liegt derzeit 90 % über dem Vorjahr, in einigen Ländern macht das digitale Geschäft heute mehr als 10 % des Umsatzes aus“, berichtet Altendorf.

Auch im Service nutzt der Hersteller digitale Technik: „Mit Visual Support unterstützen wir Kunden über eine App aus der Ferne. Unsere Mitarbeitenden verschaffen sich über die Kamera von Smartphone oder Tablet des Kunden einen Eindruck von der Situation. Sie können dann genaue Anweisungen geben, was zu tun ist. Solange das Coronavirus grassiert, bieten wir unseren Kunden diesen Service kostenlos an“, so Altendorf.

Keine Kurzarbeit, Langfrist-Investitionen bleiben im Fokus

Dr. Klaus Endress ist Vorsitzender des Verwaltungsrats von Endress+Hauser

Dr. Klaus Endress ist Vorsitzender des Verwaltungsrats von Endress+Hauser. Bild: Endress+Hauser

„Wir haben stets solide gewirtschaftet und sind als Unternehmen bestens aufgestellt“, so Matthias Altendorf. „Wir werden alles tun, um Beschäftigung zu sichern und Endress+Hauser gut durch diese Krise zu bringen. Das nützt Kunden, Mitarbeitenden und Gesellschaftern.“ So will das Unternehmen an seinen langfristigen Investitionsprojekten festhalten und plant derzeit auch nicht in Kurzarbeit zu gehen. Die Gesellschafterfamilie trage diesen Kurs mit und nehme einen Gewinnrückgang in Kauf, sagte Verwaltungsratspräsident Dr. h.c. Klaus Endress. „Wir möchten, dass möglichst alle an Bord sind, wenn der Wind sich dreht und es wieder vorwärts geht.“ Zudem ergänzte Endress, dass die Rücklagen des Unternehmens ausreichen, um die Gehälter ein Jahr lang zu bezahlen. In China, so ergänzt Altendorf, würde das Geschäft bereits wieder zum Normalmaß zurückkehren, allderings rechnet der CEO damit, dass es mindestens sechs Quartale dauern wird, bis sich die Wirschaft erholt haben wird.

(as)

Loader-Icon