Jede Menge Kohle sparen

CT-Spotlight: Trüffelschweine der Energieeffizienz

09.07.2019 Energie kann nicht verschwinden, lehrt uns die Thermodynamik. Aber, so habe ich noch in der Schule gelernt, sie kann als Wärme in der Umgebung verpuffen und damit praktisch unbrauchbar werden. Dieser Stand der Technik ist glücklicherweise mittlerweile veraltet: Wärmerückgewinnung gehört zu den Themen der Stunde.

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Sparschweinchen mit Stromkabel

Bild: by-studio – AdobeStock

Irgendwann in derselben Zeit, als Wärme noch verpuffte, tauchte in einer Autowerbung außerdem der Spruch auf: „Mit dem richtigen Riecher kann man jede Menge Kohle sparen.“ Dieser Stand der Technik ist nach wie vor aktuell, allerdings bedeutet Kohle heute nicht nur Geld, sondern – Kohle. Aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch: Fahrzeug mit Verbrennungsmotor wird mit Kohlesparen beworben. Doch wie die Internationale Energieagentur derzeit schätzt: Mit wirtschaftlich eingesetzten Energieeffizienz-Maßnahmen wären knapp 1.200 der weltweit 1.400 geplanten Kohlekraftwerke überflüssig. Egal ob Steuergelder oder Brennstoff –die ganze Kohle, die sie verheizen, ließe sich tatsächlich sparen.

Von der Umweltsau zum Sparschwein

Dieses Sparpotenzial durch Effizienz haben besonders die energieintensiven Industrien erschnüffelt wie das Schwein die Trüffel. Kein Wunder, sind es doch diese Industriezweige, die am meisten zu gewinnen haben. Spannenderweise sind es dadurch genau diese als dreckig verschrienen Industrien, die die Wirksamkeit finanzieller Anreize in Sachen Klimaschutz demonstrieren – selbst, wenn das eingesparte CO2 für sie nur ein Nebeneffekt ist. Energie und damit Energiekosten sparen (Physiklehrer von früher: „Energie effizient nutzen“), geht nun mal Hand in Hand mit Emissionen senken. Aus Umweltsäuen werden Sparschweine.

Bemerkenswerterweise funktioniert das sogar fast ohne staatliches Zutun: Während sich die Politik noch faul in der Schlammgrube wälzt und von „Wirtschaft nicht einschränken“ grunzt, ist in der Industrie der Schweinsgalopp schon im vollen Gange. Thyssenkrupp gelobt Klimaneutralität bis 2050 und entwickelt effiziente Hydrolysetechniken zur Produktion von „grünem“ Wasserstoff. Am Verbundstandort Bitterfeld, einst sprichwörtliche Chemiehalde der Nation, ist das Energieeffizienz-Netzwerk vor Kurzem in die zweite Runde gestartet. BASF plant eine Pilotanlage für energieeffizient und emissionsarm produzierten Diemethylether – in China, CO2-Emissionsland Nummer 1! Sparschweine, höret die Signale, selbst in China kann man mit Kohlesparen Kohle machen.

Zugegeben, einige dieser Projekte laufen auch mit Förderung und Beteiligung seitens der deutschen Regierung, aber die Nägel mit Köpfen macht längst jemand anders. Vielleicht steckt aber auch Konzept hinter der politischen Untätigkeit, denn: Hungrige Schweine wühlen am meisten. [ak]

Heftausgabe: Juli/2019
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