Mai 2014
| von Klaus Haßfeld, Serviceleiter bei Econ Solutions

  • Schlecht gewartete Blindleistungs-Kompensationsanlagen können nicht nur zu Produktionsausfällen führen, sondern verrichten ihren Dienst, meist lange Zeit vom Betreiber unbemerkt, nur ungenügend.
  • Eine Wartung durch geschultes Personal sollte daher jährlich auf der Agenda eines jeden Betreibers stehen. Andernfalls drohen unnötig hohe Energiekosten.
  • Mit einem Energiemanagement-System können Unternehmen die Energiekosten reduzieren und gleichzeitig auch von Steuervergünstigungen profitieren.

Doch schlecht gewartete Anlagen können nicht nur zu Produktionsausfällen führen, sondern verrichten ihren Dienst, meist lange Zeit unbemerkt,  nur ungenügend. Das regelmäßige Warten der Systeme ist deshalb das A und O für einen effizienten Betrieb. Blindstrom und die damit verbundene Blindleistung entsteht bei der Energielieferung von Wechselstrom. Er ist nicht zu nutzen, belastet jedoch das Stromversorgungsnetz und die Erzeuger. Zu viel Blindstrom erfordert größere Transformatoren und Zuleitungen – und treibt die Energiekosten in die Höhe. Denn den Blindstrom stellen die Energieversorger zusätzlich in Rechnung, wenn dieser nicht mehr im Rahmen der Systemleistungen abgedeckt ist. Um das zu vermeiden, nutzen Unternehmen eine Blindleistungs-Kompensationsanlage. Sie kommt an den zentralen Einspeisestellen zum Einsatz und wirkt mit ihren Kondensatoren kapazitiv den induktiven Verbrauchern entgegen.

Aus dem Auge, aus dem Sinn
Voraussetzung hierfür ist, dass die Kompensationsanlage korrekt dimensioniert ist und einwandfrei funktioniert. Häufig vergessen Betreiber eine solche Anlage jedoch nach der Installation, und es bleibt unbemerkt, dass diese nicht mehr oder nur noch ungenügend ihren Dienst tun. Neben höheren Energiekosten können auch Produktionsausfälle oder im Extremfall Brände zu den Folgen gehören. Deshalb sollte die Wartung der Blindleistungs-Kompensationsanlage mindestens einmal jährlich auf der Agenda stehen. Wenn Produktionsanlagen, Beleuchtungen oder Veränderungen im Netz durch den Einsatz nichtlinearer Verbraucher hinzukommen, sollten die Verantwortlichen zudem überprüfen, ob die Kompensationsanlage noch den aktuellen Anforderungen entspricht. Die Wartung der Blindleistungs-Kompensationsanlage beinhaltet umfassende Kontrollen und Messungen. Eine der größten Gefahrenquellen schlecht gewarteter Kompensationsanlagen sind verklebte Schütze. Deshalb sollte diesbezüglich bei jeder Wartung eine Sichtkontrolle stattfinden. Dabei sind die Schützenkontakte zu kontrollieren und die Schütze bei Bedarf auszutauschen. Auch die Sicherungen, Kondensatoren, Drosseln und alle elektrischen Verbindungen müssen eine visuelle Kontrolle durchlaufen. Außerdem überprüfen die Servicetechniker die Wärmeentwicklung der Anlage inklusive der Temperatur im Schrank und auf der Drosselwicklung. Ist sie zu hoch, kann dies zum frühzeitigen Ausfall der Kondensatoren und damit zu unnötigen Blindstromkosten führen. Kapazitätsmessungen an den Kondensatoren zeigen, ob diese noch die ursprüngliche  Kapazität aufweisen um die Funktion zu ermöglichen. Häufig stellt sich heraus, dass ein defekter Ventilator oder zugesetzte Filtermatten der Luftein- bzw. -auslässe für die festgestellte Hitzeentwicklung verantwortlich sind. Essenziell für die Funktionsfähigkeit der Anlage ist auch, ob der Blindleistungsregler korrekt arbeitet und eingestellt ist. Darüber hinaus prüfen die Techniker die Sicherungselemente und Entladewiderstände und führen eine Schraubenkontrolle durch. Da viele Kontakte oder Lüfter aufgrund von Ablagerungen, Schmutz und Staub nicht mehr richtig funktionieren, gehört das Reinigen der Anlage zu jeder umfassenden Wartung. Ein Messbericht und eine Dokumentation der Überprüfung mit Angabe der gemessenen Werte schließen den Vorgang ab. Das ermöglicht die reibungslose und sichere Funktion der Anlage, erhöht die Betriebssicherheit und reduziert die Energiekosten. Sollte die Wartung ergeben, dass eine Neuanschaffung notwendig ist, leistet Econ Solutions auch die Beratung bei der Auswahl und Dimensionierung einer neuen Anlage.

Wartung mit Nebenwirkungen
Eine solche Wartung hat häufig auch weitere positive Auswirkungen: Indem sie den Blick auf die Energie- und damit auch Kosten-Ströme des Unternehmens lenkt, ist sie nicht selten der Einstieg in ein betriebliches Energiemanagement. Vor allem wenn unerwartet viel Blindleistung auftritt, sind  Messungen notwendig, die deren Herkunft aufzeigen. Oft werden damit zum ersten Mal Energieflüsse im Unternehmen sichtbar, und Zusammenhänge zwischen Verbrauchern und Energiekosten rücken ins Bewusstsein. Für den Einstieg in das Energiemanagement genügt in der Regel eine sogenannte kleine Lösung. Hierfür bietet das Unternehmen sein Energie Controlling System Econ,  das bereits bei Unternehmen wie EBM-Papst, Wago Kontakttechnik oder Unilever im Einsatz ist. Durch seinen modularen Aufbau ermöglicht es Lösungen in unterschiedlichen Umfängen, die sich nach Bedarf und Budget erweitern lassen. Die kleinste Stufe stellt der Stromsensor Econ Sens+ dar, der sich durch flexible Strommessspulen schnell und unterbrechungsfrei installieren lässt. Er erfasst den Stromverbrauch und die elektrische Leistungsaufnahme und zeigt die Messwerte über sein integriertes Web-Interface auf einem beliebigen Tablet-PC oder PC an. So können Unternehmen die tatsächliche Leistungsaufnahme einer Produktionsanlage, eines Druckluftsystems oder einer Kühlung ermitteln und Ansatzpunkte für Energiesparmaßnahmen identifizieren.

Intern messen, extern auswerten
In der nächsten Stufe können Unternehmen die Messdaten per E-Mail an die Plattform des Dienstleisters übertragen. Hier fließen sie in die Auswertungssoftware Econ App ein, die Kunden über ein Abonnement zur Verfügung steht. Damit lassen sich individuelle Auswertungen erstellen, beispielsweise ABC-Analysen (Programmstrukturanalysen) oder Verlaufs-, Verbrauchs- und Kostenberichte. Unternehmen müssen dafür vor Ort außer den Stromsensoren keine Geräte installieren, Kabel verlegen oder Software in ihr Netzwerk integrieren. Dadurch bleiben die Investitionskosten gering, trotzdem erhalten die Unternehmen Transparenz über die Zusammensetzung ihres Energieverbrauchs. Schrittweise lässt sich diese Lösung ausbauen bis hin zu einem automatisierten, individuellen Energie Controlling System. In dieses können Betreiber neben den Stromsensoren des Karlsruher Unternehmens auch vorhandene Zähler, Sensoren und Fühler integrieren. Bei einer Reihe von Kunden wurde auch die Kompensationsanlage an die Unit angeschlossen. Hier können Schwellwerte für die Anlage definiert werden, bei deren Überschreitung eine Meldung an das zuständige Personal geht. So fungiert das Energiemanagementsystem gleichzeitig als Frühwarnsystem für die Kompensationsanlage, und Unternehmen haben auch zwischen den Wartungsintervallen ihre Anlage im Blick.  Alle Messdaten werden von der Unit über das Ethernet-Netzwerk des Unternehmens an den Server übermittelt, gespeichert und ausgewertet. Über OPC- und SQL-Schnittstellen beziehungsweise einen automatisierten Dateiimport, beispielsweise im CSV-Format, fließen auch Werte aus Steuerungssystemen, beispielsweise Prozess- oder Gebäudeleitsystemen sowie Systemen der Maschinen- und Betriebsdatenerfassung, in das Energiemanagement ein.

Nutzenorientierte Analysen und Berichte
Herzstück des Energiemanagementsystems ist die browserbasierte Software des Herstellers. In der Vollversion, die beim Kunden betrieben wird, liefert sie Verlaufs-, Verbrauchs- und Kostenberichte in verschiedenen hierarchischen Strukturen sowie Aggregationsstufen und unterstützt Nutzer dabei mit Tools. Trotz der Fülle an Auswertungsmöglichkeiten ist die Software einfach zu bedienen – das bestätigen auch die Anwender, die innerhalb kurzer Zeit sicher und gerne mit dem System umgehen. Zu den Features gehören etwa ein Berichtsmappen-Generator, der Auswertungen und Berichte nutzerspezifisch und vollautomatisch an den jeweiligen Empfänger verschickt. Dieser kann die wichtigsten Auswertungen außerdem in sein sogenanntes Dashboard aufnehmen, sodass er sofort nach dem Login eine Schnellübersicht über die für ihn wichtigsten Kennzahlen hat. Der Econ DIN EN ISO 50001 Assistent führt den Anwender durch alle normrelevanten Kapitel. Eine Vollständigkeitsprüfung kontrolliert die Berücksichtigung aller norm- und zertifizierungsrelevanten Umfänge, Beispielvorlagen ermöglichen die schnelle Umsetzung. Auch beim Erstellen des von der Norm geforderten Managementhandbuchs und der Energieleistungskennzahlen (Energie Performance Indicators, ENPI) unterstützt das System den Nutzer.

Gewinn hoch drei  
Von einem solchen Energiemanagementsystem profitieren Unternehmen mehrfach: Sie reduzieren nicht nur ihre Energiekosten und erhalten so ihre Wettbewerbsfähigkeit, sondern kommen auch in den Genuss von Steuervergünstigungen. Und bei einer Senkung der Energiekosten von 5 % – oft sind es deutlich mehr – amortisiert sich das System meist innerhalb des ersten Jahres. Ist das Energiemanagementsystem mit der Blindstrom-Kompensationsanlage verbunden, ist die Überwachung von deren Betriebs- und Wartungszustand inklusive.

Zum Thema
Die EEG-Umlage

Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sind Erstattungen möglich. Hierfür müssen sie einen Energieverbrauch von mindestens 1 GWh haben, und der Anteil der Stromkosten an der Bruttowertschöpfung muss mindestens 14 % betragen. Die Voraussetzung für die Erstattung der EEG-Umlage ist für Unternehmen mit mehr als 10 GWh der Nachweis eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme, auch bekannt als EU-Öko-Audit). Für Unternehmen mit weniger als 10 GWh ist keine Zertifizierung erforderlich. Über den QR-Code am Ende des Artikels finden Sie die Verordnung über Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz (SpaEfV) sowie einen Link zu einem Energie- und Stromsteuer-Berechungstools der IHK Detmold.

 

Die Verordnung über Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz finden Sie hier.

Ein kostenloses Energie- und Stromsteuer-Berechnungstool stellt die IHK Detmold hier zur Verfügung.

Einen Link zum Unternehmen finden Sie hier.

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