Blaupause für erfolgreiche Kooperationen

Evonik schließt Projekt für neue Spezial-Copolyesteranlage ab

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12.07.2019 Eigene Verfahren sind ein wichtiger Erfolgsfaktor der deutschen Großchemie. Für eine neue Copolyester-Anlage am Standort Witten hat Evonik auch den Kernprozess zugekauft, was eine deutlich intensivere Zusammenarbeit mit dem Zulieferer erforderte.

Entscheider-Facts

  • Evonik hat beim Copolyester-Projekt in Witten neue Wege in der Kooperation mit Lieferanten beschritten.
  • Für den Projekterfolg war die intensive Zusammenarbeit entscheidend.
  • Die frühe Einbindung des Lieferanten und dessen permanente Mitarbeit ist bei solchen Projekten sehr wichtig.

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Eine Kernkomponente des Prozesses ist der Ringscheibenreaktor. Bild: Evonik

Spezial-Copolyester werden für die Produktion von Lebensmittelverpackungen immer wichtiger. Sie kommen sowohl bei der Innenbeschichtung von Dosen als auch bei flexiblen Verpackungen zum Einsatz. Der Spezialchemie-Hersteller Evonik hat deshalb am Standort Witten eine neue Anlage zur Herstellung von Spezial-Copolyestern gebaut und im Dezember 2018 in Betrieb genommen.

Die Anlage, in die der Hersteller einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert hat, nutzt eine neue, besonders effiziente Technologie: Im Zentrum steht ein Ringscheibenreaktor, in dem die Polykondensationsreaktion kontinuierlich abläuft. Das mehrstufige Verfahren verringert thermische Belastungen, wodurch ein hochwertigeres Endprodukt entsteht.

Während Evonik für seine Produkte in der Regel eigene Verfahren nutzt und die Kernprozesse selbst entwickelt, setzte der Hersteller in diesem Projekt auf die Erfahrung und Kompetenz des seit Jahren auf dem Gebiet für Anlagen zur Polyesterherstellung tätigen Ingenieurunternehmens Aquafil Engineering mit Sitz in Berlin.

„Normalerweise entwickeln wir unsere Produktionsprozesse selber und kaufen Package-Units im Bereich der Infrastruktur oder der Peripherie zu. In diesem Fall haben wir uns entschieden, erprobte Technologie von Aquafil Engineering in unseren Kernherstellungsprozess zu integrieren. Dabei mussten wir lernen, mit der erhöhten Komplexität der Schnittstellen umzugehen“, kommentiert Dr. Wilhelm Otten, Leiter des Geschäftsgebiets Process Technology & Engineering: „In diesem Fall haben wir den Ringscheibenreaktor als Element des Kern-Produktionsprozesses mit der Infrastruktur für diesen Reaktor – also auch das Abgassystem, die Kondensation und weitere – dazugekauft und in den Prozess integriert.“

Schnittstellen erhöhen die Komplexität

Engineering Summit Dr. wilhelm Otten

„Wenn man Technologie im Prozess hinzukauft, ist eine frühe und konsequente Einbindung des Lieferanten in die Verfahrensentwicklung und Planung und die permanente Mitarbeit im Projekt unerlässlich.“ Dr. Wilhelm Otten ist Leiter des Geschäftsgebiets Process Technology & Engineering bei Evonik

Im Unterschied zur Integration von Package-Units an der Peripherie entstehen bei einem solchen Projekt deutlich mehr Schnittstellen: Massen- und Energiebilanzen müssen abgestimmt werden, das Prozessfließbild muss gemeinsam entwickelt und die Elemente müssen in die Sicherheitsbetrachtung eingebunden werden. Und schließlich erfordert auch die Einbindung des Prozesses in das zentrale Prozessleitsystem eine intensive Zusammenarbeit. Dementsprechend unterstreicht Aquafil-Engineering-Geschäftsführer Dr. Dirk Karasiak die erfolgreiche Inbetriebnahme: „Es war eine große Herausforderung, die bereits für andere Produkte bewährte Aquafil-Engineering-Technologie an die besonderen Anforderungen des Evonik-Prozesses anzupassen und in bestehende Strukturen zu integrieren. Das Projekt und die Inbetriebnahme konnten erfolgreich durchgeführt werden durch die enge Zusammenarbeit und die Fähigkeit beider Teams, über eigene Grenzen hinauszudenken. Wir sind sehr erfreut und zufrieden, dass wir dazu beitragen konnten, die hoch gesteckten Ziele der Evonik bei einem so wichtigen Projekt zu erfüllen.“

Frühe Einbindung des Lieferanten ist entscheidend

Als Schlüssel zum Erfolg sieht Dr. Wilhelm Otten die Integration des Zulieferers in das Projektteam: „Wenn man Technologie im Prozess hinzukauft ist eine frühe konsequente Einbindung des Lieferanten in die Verfahrensentwicklung und Planung und die permanente Mitarbeit im Projekt unerlässlich. Der Zulieferer muss vollständig in das Projektteam integriert werden. Das geht nur, wenn auf beiden Seiten die Bereitschaft vorhanden ist, das gesamte Prozess-Know-how auszutauschen.“ Aquafil vermarktet die Technologie bereits auf der ganzen Welt, mit der Anlage in Witten hat das Ingenieurunternehmen eine erste Referenz in Deutschland verwirklicht. Um dem Trend zu polyesterbasierten Lacken und damit den Systemwechsel, den die Hersteller von Lebensmittelverpackungen derzeit durchlaufen, zu unterstützen, haben beide Partner weitergehende Kooperationen in der Entwicklung und dem Bau von Anlagen für die Produktion der Spezial-Copolyester vereinbart. [as]

Heftausgabe: Juli/2019
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