Grüne Chemie

Forscher gewinnen biobasierte Acrylsäure

06.04.2018 Forscher haben ein neues Verfahren zur Gewinnung von Acrylsäure entwickelt, das auf die Flüssigphasen-Dehydratisierung von fermentativ gewonnener Milchsäure setzt. Es verspricht Vorteile gegenüber der heute üblichen Produktion aus Propen: Mildere Reaktionsbedingungen, eine einfachere Reaktortechnologie und eine biobasierte Rohstoffquelle.

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Oktober 2014

Acrylsäure ist die Basis für Superabsorber. Der Stoff, der Windeln in Saugwunder verwandelt. (Bild: Pakhnyushchyy – Fotolia.com)

Das entwickelte katalytische Reaktionssystem basiert auf einer von einem Nukleophil unterstützten Dehydratisierung, von den Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kurz als NADA – Nucleophile Assisted Dehydration to Acrylates bezeichnet. Das NADA-System setzt Milchsäure und Milchsäure-Derivate durch Bromwasserstoff-Katalyse bei Ausbeuten von ca. 80 % zu Acrylsäure um. Im Zuge der NADA-Entwicklung identifizierten die Forscher neuartige, vielversprechende Milchsäurederivate wie 2-Brompropionsäure, die sich aus kommerziell erhältlichen Substraten wie Milchsäure oder Dilactid synthetisieren und zu Bio-Acrylsäure umwandeln lassen. Darauf basierend wurde die NADA-Technologie in mehrere Prozess-Fahrweisen aufgeteilt. Die erforderliche Reaktionstemperatur des NADA-Systems liegt bei rund 200 °C und ist damit niedriger als die 250 bis 400 °C, bei der die Acrylsäuregewinnung aus Propen abläuft. Die bereits vor dem Projekt in Versuchen erfolgreich durchgeführte Milchsäuren-Dehydratisierung durch Gasphasenreaktion benötigt Temperaturen von 300 bis 400 °C.

Konti-Produktion im Labor

Die Forscher bauten und optimierten auf Basis der entwickelten NADA-Technologie eine kontinuierlich arbeitende Miniplant-Laboranlage. Aktuell wird die wirtschaftlich vielversprechendste Variante der möglichen NADA-Prozess-Fahrweisen vom Industriepartner Procter & Gamble technisch und ökonomisch validiert. P&G sucht außerdem einen Technologiepartner für eine Weiterentwicklung des Verfahrens in den großtechnischen Maßstab. Gefördert hat das Vorhaben das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Der Bedarf an Acrylsäure beträgt rund 5 Mio. t/a weltweit, vor allem im Konsumgüter-Markt. Acrylatpolymere spielen zum Beispiel bei der Herstellung von Lacken, Beschichtungen, Klebern und als Flüssigkeitsabsorber in Hygieneprodukten wie Windeln, aber auch zum Entfeuchten in der chemischen Industrie eine wichtige Rolle. Bisher läuft die Produktion über einen zweistufigen Oxidationsprozess aus dem fossilen Propen. Die Herstellungstechnologie ist vergleichsweise aufwändig und teuer.

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