Porto da Cruz; Madeira; Portugal - february 23 2018 : rum distil

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| von Ansgar Kretschmer, Redaktion

Einen Text wie diesen im Homeoffice zu verfassen, ist relativ einfach und unterscheidet sich nicht viel von der Arbeit im Büro, abgesehen vom Blick aus dem Fenster. Anders sieht es da schon mit dem Inhalt aus: Mittlerweile ist fast alles zum Thema gesagt und alle Witze sind gemacht, selbst die unangebrachten und schlechten. Die größten Schwierigkeiten sind ein ungewohnt kleiner Bildschirm und eine – wir sind immer noch im Neuland der Digitalisierung – manchmal zähe Internet-Verbindung.

In den Großanlagen der chemisch-pharmazeutischen Industrie herrschen dagegen ganz andere Bedingungen: Während wir Fachredakteure die Industrie manchmal als unser Steckenpferd betrachten, haben wir es doch in Wahrheit mit einem der schweren Arbeitspferde zu tun. Eine Raffinerie ist eben mehr als nur eine Distille, die sich auch im heimischen Keller oder gar im Wohnzimmer aufstellen ließe. Letzteres dürften sich im Moment viele Menschen wünschen: Hochprozentiger Alkohol ist schließlich ein gutes Desinfektionsmittel, und zum Einreiben müsste man gar nicht so sehr auf die Qualität achten, geschweige denn auf den Geschmack. Schwarzbrennen für die Handhygiene.

Das geht in nicht allzu ferner Zukunft sogar ganz nachhaltig. Das US-amerikanische Start-up Air Company hat ein Verfahren entwickelt, um mit CO2 als Rohstoff Alkohol zu synthetisieren. Im von Covestro – seines Zeichens ebenfalls aufstrebender CO2-Verwerter – und Nova Institut ausgeschriebenen Preis zur innovativsten Nutzung des Treibhausgases hat die klimaschonende Versorgung dieses Grundbedarfs den ersten Platz belegt. Allerdings: Die heimische CO2-Versorgung geht vielerorts zurück. Ganz dezentral ersetzen zunehmend Solarzellen den Brennstoff, man muss also nicht auch noch das Stoffbrennen dezentralisieren.

Hinzu kommt, dass angesichts der mehr oder weniger freiwillig auferlegten Isolation ohnehin schon eine gewisse Gefahr der Vereinsamung besteht. Die Frustration, die Heimproduktion wirklich nur im strikten Eigenbedarf genießen zu können, ist dabei sicher nicht förderlich. Ein weiterer großer Nachteil: Alkohol ist flüchtig und brennbar, und in diesem Fall wäre es eher kontraproduktiv, Risiken zu streuen – also überlassen wir die großtechnische Produktion doch den Profis.

An dieser Stelle darum ein ausdrücklicher Gruß an alle, die in Zeiten von sozialer Distanz den Betrieb vor Ort am Laufen halten. Bleiben Sie gesund!

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