KIT: Zweite Bioliq-Prozessstufe ist in Betrieb

Der Flugstromvergaser der Stufe II, der rund 28 Mio. Euro kostete, setzt das in der ersten Prozessstufe erzeugte flüssige, rohölartige Zwischenprodukt Bioliq-Syncrude (Bioliq, Biomass to Liquid) zu einem teerfreien Synthesegas um. Da er im Versuchsbetrieb wahlweise bei zwei Druckstufen (40 bar und 80 bar) betrieben werden kann, bedeutet dies maximale Flexibilität für die nachgeschalteten Prozessstufen.

Der Flugstromvergaser wurde mit einem speziellen Anlagendesign ausgestattet. Dies hat den Vorteil, dass sich unterschiedliche Biomassen, selbst mit einem hohen Ascheanteil, verwerten lassen. Er kann bei hohen Drücken und somit industrienahen Bedingungen betrieben werden. Dadurch wird er zu einer wichtigen Forschungsplattform am KIT.

„Der gesamte Bioliq-Prozess ist exemplarisch für die nachhaltige Nutzung von Biomasse und trägt wesentlich dazu bei, fossile Energieträger zu ersetzen und die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu verringern“, erklärte der KIT-Vizepräsident für Forschung und Inno-vation, Dr. Peter Fritz.

„Mit dem Hochdruck-Flugstromvergaser steht dem KIT-Zentrum Energie nun ein hervorragendes Instrument zur Verfügung, das nicht nur die Industrietauglichkeit des Bioliq-Verfahrens beweisen kann“, erläutert der Projektleiter von Bioliq II, Prof. Thomas Kolb. „Es wird auch wichtige Forschungsergebnisse im Bereich der Hochtemperaturverfahren generieren und damit zur Entwicklung neuer Technologien beitragen.“ Kolb verweist auf bereits während der Bauzeit gegründete Forschungskooperationen wie das virtuelle Helmholtz-Institut HVI-Gastech (http://www.hvigastech.org), das die wissenschaftlichen und technischen Kompetenzen der Partner bündelt und in neue Erkenntnisse über thermochemische Prozesse bei hohen Drücken umsetzt.

„Da das Bioliq-Verfahren auf Stroh und weitere biogene Reststoffe zurückgreift, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- oder Futtermittelproduktion stehen, sind wir somit in der Lage, einen wichtigen Teil zur Entwicklung alternativer Energielösungen beizutragen“, so Francois Venet, Vice President Air Liquide Global E&C Solutions. „Wir sind stolz, mit unserem Kooperationspartner KIT diese herausfordernde und strategisch wichtige neue Technologie zur Umsetzung von Biomasse in Synthesegas erfolgreich fertig gestellt zu haben, und freuen uns, unser Portfolio im Bereich der „Erneuerbaren Rohstoffe“ weiter stärken zu können.“ Das Unternehmen hat die Bioliq-Prozessstufe II nicht nur projektiert, geliefert, montiert und in Betrieb genommen, sondern wird sich auch an den weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beteiligen.

(dw)

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