Bodenförderband

(Bild: Lobbe)

  • Bis in die 1990 Jahre befanden sich auf dem Gelände Schwarze Pumpe neben einer Stadtgasproduktion auch Brikettfabriken, Strom- und Dampferzeugung und Kokereien.
  • Seit 2017 wird im Auftrag der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft der Boden des größten Energiekombinats der ehemaligen DDR saniert.
  • Dafür kommt eine vakuumthermische Reinigungsanlage zum Einsatz, in der das Wasser und die Schadstoffe im Boden verdampft werden.

Neben der Stadtgasproduktion befanden sich auf dem Gelände des größten Energiekombinats der ehemaligen DDR bis in die 1990er Jahre auch Brikettfabriken, Kraftwerke und Kokereien. Bis zu 125.000 t Rohbraunkohle wurden pro Tag aus den umliegenden Tagebauen angeliefert und verarbeitet. Industriegeschichte und Hinterlassenschaften, die sich auch im Boden widerspiegeln. Seit 2017 widmet sich eine Arbeitsgemeinschaft der Unternehmen Bauer Resources und Lobbe im Auftrag der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft der Bodensanierung. Lobbe hat auf dem Gelände dazu eine vakuumthermische Reinigungsanlage (VTRA) und betreibt diese auch. Das verfahrenstechnische Konzept wurde zuvor bereits an anderen Standorten erprobt.

Bodenaushub
Bisher wurden 163.000 t hoch kontaminierten Bodens aus den Aushubbereichen entnommen. (Bild: Lobbe)

Belastung durch Phenole, PAKs und BTEX-Aromaten

In Schwarze Pumpe siedeln heute zahlreiche Industrieunternehmen, die den Strukturwandel in der Lausitz widerspiegeln. Auch die Bodensanierung in Form der Quellstärkereduzierung mittels Bodenaustausch (QMBA) ist inzwischen zur Hälfte abgeschlossen. In den belasteten Böden finden sich Phenole, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) und leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX). Insgesamt etwa 280.000 t dieser Böden müssen aus einer Tiefe von bis zu 14 m entnommen und behandelt werden.

163.000 t hoch kontaminierten Bodens aus dem Voraushub und aus 75 Einzel-Spundwandkästen von etwa 10 x 11 m wurden aus den Aushubbereichen entnommen. Dies erfolgt mit einem speziellen Teleskopbagger, eingehüllt in feinem Sprühnebel. Dieser feine Wasserschleier wird von Nebelkanonen erzeugt und reduziert die Emissionen bei den Aushub-/Verfüllarbeiten. Zudem entfernen zahlreiche Lutten mit Absaugvorrichtungen die mit Schadstoffen belastetet Luft aus dem Arbeitsbereich im Sekundärspundwandkasten. Die gesamten Abläufe werden per Kamera dokumentiert und durch die örtliche Bauüberwachung kontrolliert.

Behandlung in der Reinigungsanlage

In den Trocknern wird der Boden unter Vakuum erhitzt.
In den Trocknern wird der Boden unter Vakuum erhitzt. (Bild: Lobbe)

Nach der Entnahme wird der Boden im Zwischenlager angeliefert. Dort erfolgt sukzessive per Radlader die Aufgabe des Materials über den Bestückungstrichter zur Behandlung in der VTRA. Diese verfügt über zwei Trockner mit leistungsfähigen Filtern und einer Vakuumanlage. Charge für Charge werden die Trocknerfüllungen gemischt und aufgeheizt. Im ersten Behandlungsschritt wird das Wasser verdampft. Der hierbei entstehende Wasserdampf mit Schadstoffen wird abgekühlt und kann nach entsprechenden analytischen Kontrollen in die Abwasserbehandlungsanlage abgeleitet werden.

Lobbe
Die verdampften Schadstoffe werden kondensiert, als Schadstoffkondensat zurückgewonnen und im geschlossenen System fachgerecht entsorgt. (Bild: Lobbe)

Im zweiten Schritt werden die Böden nochmals auf Temperaturen von ca. 250 bis 280 °C erhitzt und ein Unterdruck erzeugt, um die Schadstoffe zu verdampfen. Dies ist eine Herausforderung, da die ursprünglich im Boden vorhandene Schadstoffzusammensetzung Schwankungen unterworfen ist. Durch das Vakuum werden die Siedepunkte der Schadstoffe heruntergesetzt. Ist der Schadstoffverdampfungsprozess abgeschlossen, entleert der jeweilige Trockner in einen Bunker und der gereinigte Boden verlässt über Kühl- und Rückbefeuchtungsschnecken die Anlage. Weist die nachfolgende Laborkontrolle die Unbedenklichkeit nach, kann wieder in die Baugruben des Aushubs verfüllt werden. Dies ist nur möglich, da die Qualität der durch die VTRA behandelten Böden hohen Kriterien entspricht.

Die verdampften Schadstoffe werden kondensiert, als Schadstoffkondensat zurückgewonnen und im geschlossenen System fachgerecht entsorgt. Das anfallende Prozesswasser infolge der Wasserverdampfung wird vor Ort über Aktivkohle vorgereinigt und nach chemischer Analyse gemäß den Annahmekriterien der Kläranlage von der ASG Spremberg des Industrieparks zugeführt. Hier werden die schadstoffhaltigen Wässer vollständig gereinigt und in die Spree abgeleitet.

Dass dem Gewässerschutz in der Region Rechnung getragen wird, ist zudem durch den Einbau der Reinigungslage oberhalb des nachbergbaulichen Grundwasserstandes sichergestellt, Das gesamte Projekt soll noch bis Ende 2022 laufen.


Ifat 2022 Halle A6 - 338

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