Energiewende

Thyssenkrupp bringt großindustrielle Wasserelektrolyse auf den Markt

26.06.2018 Der Anlagenbauer Thyssenkrupp Industrial Solutions hat ein großindustrielles Verfahren zur Wasserelektrolyse zur Marktreife gebracht. Die Technologie spaltet Wasser in Sauerstoff und „grünen“ Wasserstoff und nutzt dazu erneuerbaren Strom aus Wind, Wasserkraft oder Photovoltaik.

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Großtechnische Wasserelektrolyse von Thyssenkrupp

Thyssenkrupp hat eine Elektrolysetechnologie entwickelt, die eine wirtschaftliche Produktion von Wasserstoff zur Energiespeicherung und Herstellung umweltfreundlicher Chemikalien im industriellen Maßstab ermöglicht. Bild: Thyssenkrupp

Wasserstoff soll für die langfristige Speicherung von Energie, Wasserstoffmobilität und andere Anwendungen genutzt werden. Die Experten von thyssenkrupp haben dazu eine Lösung entwickelt, die die großtechnische Produktion von Wasserstoff aus Strom wirtschaftlich attraktiv macht. Die Elektrolyse-Technologie arbeitet mit einem bewährten Zelldesign gepaart mit einer besonders großen aktiven Zellfläche von 2,7 m2. Durch die Weiterentwicklung und Optimierung der „Zero-Gap“-Elektrolysetechnologie, bei der zwischen Membran und Elektroden nahezu keine Lücke besteht, können nach Unternehmensangaben Wirkungsgrade von mehr als 82 % erzielt werden.

Sami Pelkonen, CEO der Business Unit Electrolysis & Polymers Technologies von Thyssenkrupp Industrial Solutions: „Mit unserem Wasserelektrolyse-Verfahren haben wir eine für die Energiewende bedeutende Technologie erfolgreich zur Marktreife gebracht. Unseren Kunden können wir nun eine Fülle nachhaltiger Lösungen anbieten, die dabei helfen werden, die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch erneuerbarer Energien zu schließen. Grüner Wasserstoff als sauberer, CO2-freier Ausgangsstoff kann dabei vielfältig eingesetzt werden: zur Energiespeicherung, in der Mobilität sowie zur Produktion nachhaltiger Chemikalien.“

Neuer, wirtschaftlicher Anlagentyp für „grüne“ Wasserstoffprojekte

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Die Wasserstoff-Technologien sind laut Thyssenkrupp ein entscheidender Baustein in der Energiewende. Bild: Thyssenkrupp

Um den Bau neuer Wasserstoff-Anlagen so einfach und effizient wie möglich zu gestalten werden die Elektrolyseure in vorgefertigten Standardmodulen angeboten. Durch die Kopplung mehrerer Module lässt sich so die gewünschte Projektgröße realisieren – bis hin zu Großanlagen im Bereich von mehreren hundert Megawatt.

„Auf Basis unserer jahrzehntelangen Erfahrung bei der Entwicklung und beim Bau von Elektrolyseanlagen haben wir unser Produkt so entwickelt, dass es die wichtigsten Anforderungen unserer Kunden erfüllt: einfach zu transportieren und zu installieren, hocheffizient, mit minimalen Investitions- und Betriebskosten. Und wir können dank unserer bereits vorhandenen, industriellen Fertigung schon heute 600 MW pro Jahr produzieren“, so Roland Käppner, Head of Energy Storage and Hydrogen bei Thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers.

Im Rahmen von Carbon2Chem, einem Projekt zur Erforschung CO2-neutraler Wertschöpfungsketten, wurde die alkalische Wasserelektrolysebereits erfolgreich in Betrieb genommen. Hier wird die Anlage den für die Herstellung von Chemikalien aus Stahlwerksabgasen benötigten Wasserstoff bereitstellen.

Aus erneuerbaren Energien werden nachhaltige Chemikalien

Wasserstoff ist nicht nur ein sauberer Energieträger, sei es für die langfristige Speicherung von Energie im Gasnetz oder für saubere Kraftstoffe. Wenn es mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird, kann es auch die Produktion von wichtigen Basischemikalien nachhaltig machen. Ein gutes Beispiel hierfür ist „grünes“ Ammoniak: Mit der Wasserelektrolyse-Technologie und seinem Verfahren zur Ammoniak-Herstellung kann Thyssenkrupp integrierte Anlagen liefern, die aus Wasser, Luft und Sonnenlicht bzw. Wind Ammoniak produzieren. Dieser lässt sich unter anderem zu Düngemitteln weiterverarbeiten.

Das Technologieunternehmen will zukünftig weitere komplette Wertschöpfungsketten realisieren, z.B. für „grünes“ Methanol. Hiermit lässt sich Kohlenstoff für die Erzeugung von nachhaltigem, CO2-neutralen Kraftstoff recyceln. Weitere „Power-to-Gas“ -Lösungen umfassen unter anderem die Methanisierung für die Produktion von synthetischem Erdgas.

(as)

Heftausgabe: Juli/2018
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