Bessere Zahlen als erwartet

Wacker geht ohne Verlust aus dem zweiten Quartal

03.08.2020 Der Chemiekonzern Wacker hat sich in der Corona-Krise besser behauptet als erwartet. Trotz sinkender Absatzmengen und Preise stand im zweiten Quartal 2020 am Ende ein kleiner Gewinn zu verbuchen.

Wacker hat im 2. Quartal 2020 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 105,4 Mio. Euro erwirtschaftet. Das ist knapp die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Maßgeblich für diesen Rückgang waren niedrigere Absatzmengen sowie die geringeren Durchschnittspreise für Solarsilicium und Standardsilicone. Positiv ausgewirkt haben sich dagegen niedrigere Rohstoff- und Energiekosten. Das Periodenergebnis des Berichtsquartals summiert sich auf 4,5 Mio. Euro.

Auf Grund der Risiken aus der Corona-Pandemie hat Wacker bereits im Bericht zum 1. Quartal 2020 davon Abstand genommen, eine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 abzugeben. Eine verlässliche Einschätzung der weiteren Entwicklung ist laut Konzern nach wie vor nicht möglich. Das Unternehmen erwartet aber, dass in Folge der Pandemie der Umsatz, das Ergebnis und die Marge für das Geschäftsjahr 2020 unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Beim Netto-Cashflow geht der Chemiekonzern von einem über dem Vorjahr liegenden Wert aus.

Kundenindustrien von der Krise unterschiedlich betroffen

Wacker: Deutschland-Geschäft rettet 3. Quartal

Der Chemiekonzern konnte trotz Krise einen leichten Gewinn verbuchen. (Bild: Wacker)

„Die Ausbreitung des Coronavirus hat weltweit zu einem wirtschaftlichen Abschwung geführt“, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Donnerstag in München. „Auch wir spüren die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft. Je nach Marktsegment waren die Effekte unterschiedlich stark. In unseren Chemiebereichen haben wir den Nachfragerückgang vor allem bei Siliconen für die Segmente Automobil und Textil im 2. Quartal deutlich gespürt.“ Entsprechend verbuchte der Bereich Silicones hat im 2. Quartal 2020 einen Umsatzrückgang von 18 % im Vergleich zum Vorjahr. „Im Baubereich ist die Nachfrage dagegen vergleichsweise stabil geblieben. Bei Silicon- und Hybriddichtstoffen, ebenso wie im Geschäft mit Dispersionspulvern und Baudispersionen, waren die Rückgänge deshalb wesentlich geringer“, erklärt Staudigl. Der Gesamtumsatz von Wacker Polymers lag im Berichtsquartal 16 % unter Vorjahr.

Solide gestaltete sich dagegen das Geschäft mit Produkten für Anwendungen rund um die Themen Medizin, Gesundheit und Hygiene. So fiel das Umsatzminus im Bereich Biosolutions mit 1 % auch am geringsten aus. Besonders gut hat sich nach Angaben von Wacker dabei das Geschäft mit biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen für die Pharmaindustrie und mit Cyclodextrinen entwickelt.

Solarsilicium bleibt Problembereich

Weiterhin schwierig sind nach Staudigls Worten die Marktbedingungen im Geschäft mit Solarsilicium. Wacker Polysilicon hat im Berichtsquartal einen Gesamtumsatz von 152,5 Mio. € erzielt. Das sind 10 %weniger als im Vorjahr (169,9 Mio. €).  Die Absatzmengen seien im 2. Quartal auf Grund des Nachfragerückgangs in Folge der Corona-Pandemie rückläufig gewesen. Dazu komme das niedrige Preisniveau, das nicht nur Wacker, sondern auch die Wettbewerber des Unternehmens weiterhin vor große Herausforderungen stelle. „Nach wie vor bestehen bei Solarsilicium strukturelle Überkapazitäten chinesischer Wettbewerber. Deutlich besser dagegen verlief das Geschäft mit der Halbleiterindustrie. Hier blieb die Nachfrage unserer Kunden auf hohem Niveau“, betonte der Konzernchef.

Effizienzprogramm „auf gutem Weg“

Wie Staudigl weiter erläuterte, steuert WACKER in einigen Bereichen weiterhin gezielt mit Kurzarbeit gegen, um seine Kapazitäten dem Marktbedarf anzupassen. Gleichzeitig habe das Unternehmen sein Investitionsbudget für das laufende Jahr der gegenwärtigen Wirtschafts- und Geschäftslage angepasst und entsprechend auf 250 Mio. € zurückgenommen. Dies stärke die Liquidität. Zum laufenden Effizienzprogramm des Konzerns sagte Staudigl: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen uns deutlich, dass die Umsetzung von ,Zukunft gestalten‘ wichtiger und dringlicher denn je ist. Mit dem Programm, das wir bereits im November 2019 angestoßen haben, wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken, unser Unternehmen schlanker, schneller und flexibler machen und unsere Kosten signifikant senken. Die angestrebten Einsparungen von jährlich 250 Mio. € kommen dabei je zur Hälfte aus Sachkosten und Personalkosten.“

Staudigl sieht das Unternehmen bei der Umsetzung des Effizienzprogramms auf einem guten Weg. Während die Einsparungen bei den Personalkosten 2020 noch gering seien, erwarte er bei den Sachkosten bereits im laufenden Jahr eine Summe von mehr als 50 Mio. €. Mit der vollen Summe aus dem Gesamtprogramm von 250 Mio. € jährlich rechne das Unternehmen ab Ende des Jahres 2022. „Für die organisatorische Neuausrichtung des Unternehmens und die dazu notwendigen Einzelmaßnahmen haben wir einen detaillierten Plan aufgestellt, den wir derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen erörtern. Unser Ziel ist es, dass wir hier zügig zu einer Vereinbarung kommen“, hob der Konzernchef hervor.

Alle Regionen betroffen

Im 2. Quartal 2020 ist der Konzernumsatz in allen Regionen zurückgegangen. Ausschlaggebend dafür war die rückläufige Nachfrage auf Grund der Corona-Pandemie. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Amerika aus. Hier sanken die Erlöse auf 195,4 Mio. Euro. Das sind 19 % weniger als im Vorjahr (242,7 Mio. Euro). In Asien belief sich der Konzernumsatz im Berichtsquartal auf 362,9 Mio. Euro (Q2 2019: 434,5). Das sind 16 % weniger als vor einem Jahr. In Europa summierten sich die Erlöse auf 458,5 Mio. Euro (Q2 2019: 527,1 Mio. €), ein Minus von 13 % im Vergleich zum Vorjahr. (jg)

 

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