Keine Trendwende in Sicht

CT-Report: Öl- und Gaspreise

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06.11.2015 Fast alle lagen mit ihren Prognosen bislang deutlich daneben. Auf durchschnittlich über 60 US-Dollar pro Fass prognostizierten Banken, Analysten und die US-Energiebehörde EIA den Preis für ein Fass der Rohölsorte WTI in diesem Jahr. Bis Oktober lag dieser allerdings fast zehn Dollar darunter. Doch irgendwie hatten auch alle Recht – schließlich schien auch diese Prognose noch gewagt – kurz zuvor lag der Preis noch jenseits der 100-Dollar-Marke.  

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  • Fast alle Ölpreisprognosen vom Jahresanfang waren zu optimistisch - nahezu alle Marktforscher haben ihre Erwartungen nach unten korrigiert.
  • Die Investitionskürzungen der Explorateure wirken sich noch nicht auf die Produktionsmengen und damit den Ölpreis aus.
  • In der Kombination aus sich abschwächendem Bedarf, hoher Förderung und fehlenden Impulsen aus China spricht wenig für eine Trendwende im Ölmarkt.

Und während sich die großen Institute bereits an die Vorhersage für 2016 wagen, stellt sich die Grundfrage: Geht es wieder rauf oder weiter runter? Am nächsten dran war im Januar das Bankhaus Société Générale: Die dortigen Analysten hatten für 2015 einen Durchschnittspreis von 51 Dollar vorhergesagt. Deutlich pessimistischer dagegen die Berater von Goldman Sachs – sie waren von 47 USD/Fass ausgegangen. Letztere haben zuletzt im Oktober nachgelegt und weiter nach unten korrigiert: Ende des Jahres sehen sie den Ölpreis bei 42 Dollar, in einem halben Jahr bei 40 und in einem Jahr bei 45 Dollar. Deutlich anders sieht man das beim Ölkartell Opec: Dort rechnet man im jüngsten Ölmarktbericht mit deutlich steigenden Preisen. Wunschdenken? Klar ist, dass wenig klar ist: Eigentlich müssten Investitionskürzungen bei den Ölförderern doch langsam aber sicher Wirkung zeigen. Der Öldienstleister Baker Hughes hatte beispielsweise im Oktober nachgezählt und festgestellt, dass die Zahl der Bohrtürme in den USA innerhalb von zwölf Monaten  um mehr als zwei Drittel gesunken ist – von 1.609 auf den niedrigsten Stand seit Juli 2010 (605). Die US-Energiebehörde EIA schätzt, dass die US-Förderer im September täglich 120.000 Fässer weniger produziert haben, als im Vormonat.
 
Aber offenbar haben Opec-Förderer, allen voran Irak, den Rückgang kompensiert: Im September förderten die Kartell-Mitglieder täglich 90.000 Fässer mehr als in den Monaten zuvor, berichtet die Internationale Energieagentur IEA. Die europäischen Energieberater rechnen damit, dass der bislang prognostizierte Bedarfszuwachs infolge weltwirtschaftlicher Entwicklungen im kommenden Jahr um ein Drittel von 1,8 mb/d auf 1,2 mb/d zurückgehen wird.

In der Kombination aus sich abschwächendem Bedarf, hoher Förderung und fehlenden Impulsen aus China spricht wenig für eine Trendwende im Ölmarkt. Die Société Générale, die den Ölpreis zumindest für 2015 bislang am genauesten prognostiziert hat, rechnet für 2016 mit einem weiteren Preisrückgang um fünf Dollar pro Fass.

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Heftausgabe: November 2015

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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