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CT-Umfrage:Automatisierungstrends

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13.10.2008 Welches sind derzeit die wichtigsten Gründe für Automatisierungsprojekte?Wo drückt die Anwender angesichts einer steigenden Komplexität der eingesetzten Technik der Schuh? Und in welche automatisierungstechnischen Komponenten werden die Betreiber zukünftig verstärkt investieren? Diese und weitere Fragen hat die Redaktion mit 30 Experten aus der Chemie besprochen.

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Entscheider-Facts Für Betreiber



  • Bei den Gründen für Automatisierungsprojekte steht die Steigerung der Produktivität an erster Stelle.
  • In der Praxis drückt die Betreiber insbesondere beim Thema Software-Updates der Schuh. Diese stören mehr und mehr den Anlagenbetrieb.
  • Außerdem steigt durch die zunehmende Automatisierung die Komplexität für die Bediener.

Für Anbieter
  • In den kommenden 12 Monaten wollen die Betreiber verstärkt in Leitsystem-Migrationen sowie die Signalübertragung via Remote I/O investieren.
  • Bei den Entscheidungskriterien für die Auswahl steht die Qualität an erster Stelle, gefolgt von der Möglichkeit zur Erweiterung.
  • Für die Zukunft wird die Einbindung der Automatisierung in die ERP- und MES-Welt als wichtiges Thema gesehen.




  • Unter dem Stichwort „Operational Excellence“ (OE) verbirgt sich das Ziel, Optimierungspotenziale von Anlagen und Verfahren voll auszuschöpfen. OE ist damit der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.
  • Operational Excellence erfasst alle Aspekte der Produktion. Modernes Process Management und Methoden der Prozessautomatisierung sind wichtige Aspekte, um Operational Excellence zu erreichen.
  • Durch eine weitgehende Automatisierung der Prozesse sollen Produktionsprozesse näher am technischen Limit gefahren werden können.
  • OE-Projekte erfordern den Einsatz interdisziplinärer Teams.
  • Der Ansatz OE führt zu einer neuen Rollenverteilung zwischen Prozessbetreibern, Systemintegratoren und Herstellern von Automatisierungstechnik.



  • Bei den Gründen für Automatisierungsprojekte steht die Steigerung der Produktivität an erster Stelle.
  • In der Praxis drückt die Betreiber insbesondere beim Thema Software-Updates der Schuh. Diese stören mehr und mehr den Anlagenbetrieb.
  • Außerdem steigt durch die zunehmende Automatisierung die Komplexität für die Bediener.

Für Anbieter
  • In den kommenden 12 Monaten wollen die Betreiber verstärkt in Leitsystem-Migrationen sowie die Signalübertragung via Remote I/O investieren.
  • Bei den Entscheidungskriterien für die Auswahl steht die Qualität an erster Stelle, gefolgt von der Möglichkeit zur Erweiterung.
  • Für die Zukunft wird die Einbindung der Automatisierung in die ERP- und MES-Welt als wichtiges Thema gesehen.




  • Unter dem Stichwort „Operational Excellence“ (OE) verbirgt sich das Ziel, Optimierungspotenziale von Anlagen und Verfahren voll auszuschöpfen. OE ist damit der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.
  • Operational Excellence erfasst alle Aspekte der Produktion. Modernes Process Management und Methoden der Prozessautomatisierung sind wichtige Aspekte, um Operational Excellence zu erreichen.
  • Durch eine weitgehende Automatisierung der Prozesse sollen Produktionsprozesse näher am technischen Limit gefahren werden können.
  • OE-Projekte erfordern den Einsatz interdisziplinärer Teams.
  • Der Ansatz OE führt zu einer neuen Rollenverteilung zwischen Prozessbetreibern, Systemintegratoren und Herstellern von Automatisierungstechnik.

Die Automatisierungstechnik kann in Chemie- und Pharmaanlagen einen wesentlichen Beitrag zu deren Wettbewerbsfähigkeit leisten. Die Motive für Automatisierungsprojekte sind vielfältig und auch die Schwerpunkte der Investitionen verändern sich im Laufe der Zeit. Um die Situation und Entwicklungen auch quantitativ bewerten zu können, hat die Redaktion der CHEMIE TECHNIK zum Hörer gegriffen und in 30 Telefoninterviews Experten der Branche um eine Einschätzung der Situation gebeten. Dabei wurde jedem Interviewpartner derselbe Fragebogen vorgelegt, und anschließend wurden die Ergebnisse statistisch ausgewertet.

Im Durchschnitt werden die Unternehmen der Befragungsteilnehmer in diesem Jahr über eine Million Euro in Automatisierungstechnik investieren. Ein Automatisierungsprojekt muss sich, so die Experten, in durchschnittlich zwei Jahren amortisieren.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei den Gründen für Automatisierungsprojekte dominiert nach wie vor eines der seit jeher wichtigsten Motive in bestehenden Anlagen:Die Steigerung der Produktivität. Auch der Aspekt „Produktqualität“ steht im Ranking der Gründe weit oben. Schon weniger einheitlich zeigte ist die Einschätzung beim Aspekt „Prozessoptimierung“. Mit 83% ist zwar die überwiegende Zahl der Befragten der Meinung, dass dies ein eher wichtiger Grund für Automatisierungsprojekte ist, allerdings meinen 17%, dass dieser Aspekt weniger relevant ist. Am unteren Ende der Skala rangiert das Motiv „Einbindung in MES/ERP“, und auch hohe Kosten für Instandhaltung und Upgrades sowie das Steigern der Flexibilität in der Prozessführung scheinen weniger wichtig zu sein.

In den kommenden 12 Monaten verstärkt Migrationen

Natürlich interessierte uns, welche Leistungen und Komponenten in naher Zukunft die wichtigsten Investitionsschwerpunkte bilden werden. Allen voran wurden Leitsystem-Migrationen sowie die Signalübertragung via Remote I/O genannt. Je 40 % der Befragungsteilnehmer beabsichtigen hier verstärkte sowie gleichbleibend hohe Investitionen. Ein Dauerbrenner mit gleichbleibend hoher (87%) und verstärkter (10%) Investitionstätigkeit bilden Prozesssensoren. Auch in Safetyloops (SIS) sowie Prozessanalysentechnik soll gleichbleibend investiert werden, aber auch Asset Management- und MES-Lösungen haben ihren Anteil am Automatisierungskuchen. Bei der aktuell stark diskutierten Wireless-Signalübertragungstechnik gehen die Meinungen weit auseinander: 7% der Befragten gaben an, hier verstärkt investieren zu wollen, 27% wollen in gleichbleibender Höhe Wireless-systeme anschaffen. Dem gegenüber stehen 57%, die gar nicht in diese Technik investieren wollen, sowie 10% die vorhaben, weniger als bisher zu beschaffen.

Rund ein Viertel der befragten Automatisierer beabsichtigt, vermehrt Feldbustechnik einzusetzen, ein Fünftel will dies mit Ethernet tun. Ein Ergebnis, das auch mit den Nennungen bei der klassischen 4…20-mA-Technik korrespondiert: 40% der Befragten gaben an, dass sie im kommenden Jahr weniger Komponenten mit dieser Signalübertragung beschaffen wollen. Dauerbrenner bleiben Prozesssensoren und, aufgrund der installierten Basis schon aus Gründen der Ersatzbeschaffung, werden 57 % der Befragten in gleichbleibendem Maße auch in die 4..20-mA-Signalübertragung investieren. Erstaunlich ist dagegen das Ergebnis für Prozessanalysentechnik: 30% der Automatisierer planen hier verstärkt Anschaffungen.

Entscheidungskriterien:Qualität, Erweiterungen und Beratung

Welche Kriterien stehen bei der Auswahlentscheidung für automatisierungstechnische Komponenten heute im Vordergrund? An erster Stelle (100%) wurde hier die Qualität genannt, gefolgt von der Möglichkeit zur Erweiterung. Letzteres ein Aspekt der besonders aus Sicht der Befragten, die allesamt aus deutschen Unternehmen stammen, verständlich erscheint, werden doch – wie eine frühere Umfrage der Redaktion zeigte – an den Automatisierungssystemen der Anlagen zum Teil mehrfach jährlich Veränderungen vorgenommen. Interessant ist auch die Bewertung des Kriteriums „Beratungskompetenz des Anbieters“ an dritter Stelle: Während dies in vergleichbaren Befragungen für Anlagenkomponenten wie Pumpen und Armaturen gänzlich anders gesehen wird, scheint die Vermittlung von Know-how im Automatisierungssektor sehr viel stärker ausgeprägt zu sein. Ein Ergebnis, das auch mit dem Befragungsergebnis korrespondiert, dass der Besuch von Veranstaltungen der Lieferanten in den kommenden 12 Monaten vor allen Messen rangiert.

Anschaffungspreis, Bedienbarkeit, Dokumentation und Lebenszykluskosten rangieren als Entscheidungskriterien jeweils gleichauf ebenfalls im oberen Drittel. Weniger bedeutend sind dagegen die Vermeidung von Loop-Checks (Anwenderkommentar: „Das hat noch nie funktioniert“), die Einbindung von ERP- und MES-Systemen sowie der Parallelbetrieb während der Umrüstung. Zu letzterem bemerkten mehrere Befragte: „Das klappt meistens nicht.“ Verfügbarkeitszusagen werden als wichtig erachtet, allerdings wollen die Betreiber mehr als nur Zusagen – am liebsten gleich vertraglich verbriefte Verfügbarkeitsgarantien.
Doch wie die Technik unterliegt auch die Bewertung der Entscheidungskriterien Veränderungsprozessen, deren Ursachen unter anderem in neu definierten Unternehmenszielen und -strategien liegen können. Deshalb wollten wir auch wissen, welche Relevanz die Entscheidungskriterien in Zukunft haben werden. Und hier zeigte sich, dass die Lebenszykluskosten sowie die Aspekte Verfügbarkeit und Wartung sowie kurze Umrüstzeiten an Bedeutung gewinnen werden. Mit gleich bleibender Bedeutung werden dagegen Referenzen gesehen. Dazu kommentierte ein Teilnehmer: „Wir testen lieber selbst.“
Bereits die Aussagen zum Parallelbetrieb der Anlagen während Umrüstungen an der Automatisierungsstruktur deuten auf einen entsprechenden Leidensdruck der Automatisierer in den Chemiebetrieben hin. Noch deutlicher wurde dies bei der Beurteilung von Aussagen wie „Software-Updates stören den Anlagenbetrieb zunehmend“ – 60% der Befragten bejahen diese These uneingeschränkt, 30% zumindest teilweise. Außerdem konstatieren die Teilnehmer, dass „die zunehmende Automatisierung die Komplexität für das Bedienpersonal erhöht“ – ein Aspekt, der für Anbieter von Leit- und Automatisierungstechnik – entsprechende Entwicklungsanstrengungen vorausgesetzt – zum Differenzierungsmerkmal werden kann. Erschreckend ist auch die Aussage zum Thema Kompatibilität: 96% der Befragten stimmen (voll oder teilweise) zu, dass „Komponenten der Automatisierungstechnik häufig inkompatibel sind“.
Beinahe eine Binsenweisheit ist, dass Daten aus dem Feld bislang nur unzureichend für die Prozessführung genutzt werden. Interessant scheint hingegen, dass bei aller Kreativität der Lieferanten im Hinblick darauf, umfassende Services und Life Cycle-Vertragsmodelle zu entwickeln, 40% der Befragten die Aussage für unzutreffend halten, dass „in Zukunft verstärkt externe Firmen die Pflege automatisierungstechnischer Systeme“ übernehmen werden.

Know-how-Transfer von Lieferanten gefragt

Last but not least wollten wir wissen, welche Messen und Veranstaltungen in den kommenden 12 Monaten besucht werden. Und hier waren gleich mehrere Überraschungen zu verzeichnen: 93% der Befragten gaben an, Veranstaltungen von Lieferanten besuchen zu wollen. An zweiter Stelle rangiert die Achema (83%), gefolgt von der Hannover Messe/Interkama (63%) – bei Letzterer halten sich 20% noch offen, ob sie die Veranstaltung vielleicht doch besuchen werden. Ein eindeutig positives Signal für die Veranstaltung in Hannover, zumal Achema und Interkama im kommenden Frühjahr in weniger als 4 Wochen Abstand stattfinden werden. Ob sich die Befragten dessen allerdings jetzt schon bewusst sind, bleibt offen.

Fazit: Bei den Gründen für Automatisierungsprojekte dominiert nach wie vor eine der seit jeher wichtigsten Triebkräfte in bestehenden Anlagen:Die Steigerung der Produktivität. In den kommenden 12 Monaten wollen die Betreiber verstärkt in Leitsystem-Migrationen sowie die Signalübertragung via Remote I/O investieren. Bei den Entscheidungskriterien für die Auswahl steht die Qualität an erster Stelle, gefolgt von der Möglichkeit zur Erweiterung.In Zukunft werden die Lebenszykluskosten der eingesetzten Automatisierungssysteme sowie die Aspekte Verfügbarkeit, Wartung und kurze Umrüstzeiten an Bedeutung gewinnen. In der täglichen Praxis drückt die Betreiber insbesondere beim Thema Software-Updates der Schuh. Diese stören häufig den Anlagenbetrieb. Außerdem steigt die Komplexität für die Bediener.

Heftausgabe: Sonderausgabe Prozessautomatisierung 2008

Über den Autor

Armin Scheuermann , Redaktion
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