Reibungslos zur Enterprise-Mobility

Ex-geschützte Tablet-PCs erfolgreich einführen

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

14.03.2017 Wartungsprozesse im Feld drastisch beschleunigen - dieser Wunsch der Instandhalter dürfte bei der Einführung ex-geschützter Tablet-PCs beherrschend sein. Nicht zuletzt lassen sich so die Dokumentation lückenlos digitalisieren und Fehlerquellen vermeiden. A und O ist dabei aber zunächst die richtige Einführungsstrategie.

Anzeige

Entscheider-Facts für Betreiber und Instandhalter

  • Die Forderung nach Prozessoptimierung, Automatisierung und Transparenz in der Produktion wird dazu führen, dass die papierbehaftete Dokumentation auch in Ex-Bereichen über kurz oder lang abgelöst werden wird.
  • Bereits mit kleineren Digitalisierungsstufen lassen sich große Effekte erzielen. Etwa wenn Klemmbretter und wasserdichte Stifte durch ein Tablet-PC-System ersetzt und die Daten in Excel statt auf Papier erfasst werden.
  • Neben dem Einkauf und der IT-Abteilung müssen auch Anwender und Betriebsrat am Entscheidungsprozess  zur Einführung von Tablet-PC-Systemen beteiligt werden.

Wifi-Kommunikation ist in der Prozessindustrie im Kommen – noch in diesem Jahr soll eine Lösung marktreif werden, mit der sich auch Ex-Bereiche einfach und kostengünstig per Wifi ausleuchten lassen. Bild: Bartec

Wifi-Kommunikation ist in der Prozessindustrie im Kommen – noch in diesem Jahr soll eine Lösung marktreif werden, mit der sich auch Ex-Bereiche einfach und kostengünstig per Wifi ausleuchten lassen. Bild: Bartec

Bereits mit kleineren Digitalisierungsstufen lassen sich große Effekte erzielen: etwa wenn Klemmbretter und wasserdichte Stifte durch ein Tablet-PC-System ersetzt und die Daten in Excel statt auf Papier erfasst werden. Bild: Bartec

Bereits mit kleineren Digitalisierungsstufen lassen sich große Effekte erzielen: etwa wenn Klemmbretter und wasserdichte Stifte durch ein Tablet-PC-System ersetzt und die Daten in Excel statt auf Papier erfasst werden. Bild: Bartec

Vor der Bestellung eines ex-zertifizierten Tablet-PCs wie dem neuen Zone 1 zertifizierten Agile X IS von Bartec müssen zunächst die zu optimierenden Prozesse analysiert und bekannt sein. Bild: Bartec

Vor der Bestellung eines ex-zertifizierten Tablet-PCs wie dem neuen Zone 1 zertifizierten Agile X IS von Bartec müssen zunächst die zu optimierenden Prozesse analysiert und bekannt sein. Bild: Bartec

Typische Instandhaltungsaufgaben durch digitale Assistenten einfacher und sicherer gestalten, Wartungsarbeiten vorhersehbar und planbar machen, die Dokumentation restlos von Papier befreien: Die Gründe zur Einführung von Tablet-PCs und anderen Mobilgeräten im Ex-Bereich sind vielfältig und überzeugend. Zugleich erfordern sie aber ein besonderes Know-how, das nicht in jedem Unternehmen vorhanden ist.  Egal, ob die mobilen Endgeräte für den Einsatz in der Petrochemie, der Lebensmittelbranche oder im Automotive-Umfeld eingesetzt werden sollen: Vor der Bestellung eines ex-zertifizierten Tablet-PCs wie dem neuen Zone-1-zertifizierten Agile X IS von Bartec müssen zunächst die zu optimierenden Prozesse analysiert und bekannt sein. Sind die Hausaufgaben gemacht, geht es an die Auswahl eines geeigneten Systemintegrators bzw. einer passenden Softwarelösung. Je nach Branche kommen hier beispielsweise die Anbieter Augmensys (Ubik), Evision, Itizzimo (Simplifier), Smapone oder Schneider Electric (Intelatrac) in Frage. Die Bandbreite der Softwarelösungen zur Integration in die ERP-Systeme von SAP, Oracle, Microsoft und Co. reicht von der einfachen Wartungsdokumentation bis hin zu hoch komplexen IT-Systemen, die bi-direktional mit den Endgeräten kommunizieren. Je nachdem, ob das Integrationsprojekt intern oder extern geplant und umgesetzt wird, kann es wichtig sein, dass der Anbieter Umsetzungshilfen wie Checklisten zur Verfügung stellt oder der Endkunde die Integrationssoftware selbst programmieren kann.

Auswahl der Geräteplattform: Standard für Ex- und Nicht-Ex-Bereich

Darüber hinaus muss die Integrationssoftware natürlich mit dem favorisierten Mobilgerät zusammenpassen. Für Tablet-Systeme gibt es hier zwei wichtige Kriterien: Betriebssystem und Hardware-Plattform. Setzt der Anwender auf den Industriestandard Microsoft Windows, braucht er sich um Kompatibilität keine Gedanken zu machen. Anders sieht es im Android-Lager aus, wo jeweils eine passende App verfügbar sein muss. Bezüglich der Hardware-Plattform stellt es eine große Erleichterung dar, einen gemeinsamen Standard für Ex- und Nicht-Ex-Bereiche zu wählen. Eine durchgängige Geräteserie wie die Agile-X-Familie, die für Zone 1, Zone 2 und den Nicht-Ex-Bereich erhältlich ist, senkt nicht nur die Beschaffungs- und Integrationskosten, sondern macht auch das Mobile Device Management (MDM) effizienter. Die Geräte unterstützen dafür mehrere MDM-Lösungen, darunter Airwatch, Soti oder Mobile Iron. Für die androidbasierten Smartphones Impact X und Gravity X sowie das mobile Kamerasystem Orbit X hat der Ex-Spezialist das eigene MDM-System Collaboration X entwickelt. Je höher die Nutzerzahl und Größe des Unternehmens, desto mehr Bedeutung kommt grundsätzlich der Effizienz des Endgerätemanagements zu.

Eine zweite Instanz, die es in das Projekt miteinzubeziehen gilt, ist der Einkauf. Aus Beschaffungssicht sind meist Gesamtpakete interessant, die neben den Endgeräten auch IT-Infrastruktur-Komponenten wie ex-geschützte Accesspoints zur WLAN- oder 3G/4G-Anbindung beinhalten. Als Komplettanbieter offeriert Bartec hier neben ergänzenden Cloud-Storage-Diensten zur ortsunabhängigen Speicherung und Verwaltung von Bild- und Videodateien auch das zur Cloud- und Netzwerkanbindung nötige Wireless-Equipment, allen voran ex-geschützte Access-Points und Antennen. Noch in diesem Jahr wird darüber hinaus eine Lösung auf den Markt gebracht werden, mit der sich Wifi-Umgebungen in Ex-Bereichen besonders einfach und kostengünstig aufbauen lassen. Die Enterprise-Mobility-Lösungen des Anbieters schaffen umfassende Voraussetzungen für die lückenlose Vernetzung kompletter Anlagen.

Erfolgskritisch: die Anwender-Akzeptanz

Neben dem Einkauf  und der IT-Abteilung muss aber noch eine dritte, besonders erfolgskritische Gruppe am Entscheidungsprozess berücksichtigt werden: die Anwender selbst und ihr Betriebsrat. Schließlich werden in der Regel persönliche Daten gesammelt, verarbeitet und sichtbar gemacht, etwa die aktuelle Position des Mitarbeiters im Feld. Für die Akzeptanz des Projektes ist es von elementarer Bedeutung, einer möglichen Einschränkung der Privatsphäre das erlangte Plus an Sicherheit und Arbeitserleichterung klar zu kommunizieren und möglichen Bedenken gegenüberzustellen. Zum Beispiel, dass potenzielle Gefahren schneller erkannt und im Unglücksfall schneller Hilfe geleistet werden kann. Auch das Design der Endgeräte kann sich positiv auf die Akzeptanz und Produktivität der mobilen Arbeiter auswirken. So sollte das Handling möglichst dem privaten digitalen Alltag entsprechen und dem Anwender ein wiederholtes Umdenken oder Umgewöhnen beim Überschreiten von Zonengrenzen ersparen.

Verlängerung der Leitwarte in den Ex-Bereich

Angesichts der kontinuierlichen Prozessoptimierung, Automatisierung und dem Bestreben nach mehr Transparenz in der Produktion ist davon auszugehen, dass die papierbehaftete Dokumentation auch in Ex-Bereichen über kurz oder lang abgelöst wird. Bei maximaler Integrationstiefe – sprich: der Echtzeitkommunikation mit dem ERP-Backend und bestehenden Bestellsystemen – sind die Effekte bezüglich Effizienz, Transparenz und Geschwindigkeit am größten. Routineaufgaben des Wartungspersonals können sich dann auf reine Sichtprüfungen beschränken. Ein Beispiel: Für eine zustandsbasierte Wartung von Motoren und Pumpen erfassen Sensoren die Vibrationen der Bauteile. Kritische Veränderungen lösen eine Alarmmeldung aus. Zur lokalen Beurteilung vor Ort scannt der automatisch informierte Wartungstechniker über sein ex-geschütztes Tablet den Barcode an der Anlage und identifiziert das betroffene Bauteil – einschließlich Bezeichnung, Alter etc. Bei Bedarf lädt er die Bedienungsanleitung herunter und bestellt direkt im Feld die nötigen Ersatzteile. Auch der Verfügbarkeitscheck im Lager kann direkt über den Tablet-PC erfolgen, ebenso eine alternative Bestellung beim Lieferanten. Im Vergleich zum klassischen Wartungsablauf mit seinen häufigen Wechseln zwischen Nicht-Ex- und Ex-Bereichen verkürzt sich somit der gesamte Prozess von  vier Stunden auf etwa 30 Minuten.

Abhängig von Zielsetzung und Datenrichtlinie lassen sich aber auch mit kleineren Digitalisierungsstufen große Effekte erzielen. Etwa wenn Klemmbretter und wasserdichte Stifte durch ein Tablet-PC-System ersetzt und die Daten in Excel statt auf Papier erfasst werden. So fallen bereits wichtige Fehlerquellen wie Handschrift, Verschmutzung oder Verlust weg. Noch effizienter werden Rundgänge freilich, wenn der Mitarbeiter die jeweiligen Anlagenteile und sich selbst mittels Barcode oder RFID identifiziert. Mithilfe der im Tablet-System integrierten Kamera oder einer ergänzenden Bluetooth-Helmkamera kann er das Wartungsergebnis zudem durch ein aktuelles Zustands- bzw. Schadensfoto ergänzen. Falls erforderlich, lassen sich wartungsrelevante Informationen wie Fotos oder Handbücher aber auch netzwerkunabhängig lokal an der Anlage hinterlegen, etwa mithilfe sogenannter Beacons, die drei Jahre und länger ohne Stromversorgung arbeiten. Darüber hinaus bieten multifunktionale Tablet-PC-Systeme wie das Agile X auch die Möglichkeit zum effizienten Feldgerätemanagement mittels optionalem Hart-Add-on-Modul.

Besonderheiten des Ex-Schutzes beachten

Eine letzte erfolgskritische Größe für Integrationsprojekte im Ex-Bereich stellt das besondere Wissen um die strengen Vorschriften zu Betrieb und Haftung dar. Wollen Einkäufer Akzeptanzprobleme, Sicherheitslücken und hohe Anschlusskosten ausschließen, sollten sie Lösungsanbieter wählen, die über eine langjährige Erfahrung im Explosionsschutz verfügen. Insbesondere reine IT-Einkäufer, die nicht mit den spezifischen Besonderheiten des Betriebs in Ex-Bereichen vertraut sind, tun gut daran, einen erfahrenen Experten zu Rate zu ziehen, der nicht nur die Verbesserungspotenziale, sondern auch alle sicherheitsrelevanten Anforderungen kennt. Denn letztlich geht es nicht allein um Gerätefunktionen für einen optimalen Produktivitätsgewinn, sondern um den Schutz von Menschenleben.

Fazit: Enterprise-Mobility sieht in jedem Unternehmen anders aus. Das Potenzial ist riesig, doch nicht alles technisch Machbare ist auch immer sinnvoll und zum aktuellen Zeitpunkt nötig. Um den individuell größten Nutzen zu erzielen und Investitionsrisiken zu vermeiden, sollten Hersteller und Projektpartner sehr sorgfältig gewählt werden. Denn unterm Strich muss sichergestellt sein, dass die gefundene Lösung die volle Akzeptanz von Usern, IT und Einkauf findet und dass sie sich im Sinne größtmöglicher Zukunftssicherheit stufenweise ausbauen lässt, um das volle Potenzial von Enterprise-Mobility und Industrie 4.0 sukzessive und kosteneffizient zu erschließen.

CT-Artikel Wifi im Ex-Bereich – Mobilgeräte in der Instandhaltung.

Homepage des Anbieters.

Heftausgabe: April 2017
Mirko Lampe, Strategischer Marketing Manager International im Bereich Automation & Enterprise  Mobility bei Bartec

Über den Autor

Mirko Lampe, Strategischer Marketing Manager International im Bereich Automation & Enterprise Mobility bei Bartec
Loader-Icon