Neuer Einstieg in technische Services

Interview mit Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer Infraserv Höchst

06.12.2017 Der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst hat ein neues Unternehmen gegründet, das ab Januar 2018 technische Services anbieten will. Über die Hintergründe sprachen wir mit dem Geschäftsführer, Dr. Joachim Kreysing.

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Dr. Joachim Kreysing ist Geschäftsführer von Infraserv Höchst, „Die Kombination aus eigenem Know-how aus der Verantwortung als Betreiber und dem Dienstleistungsangebot unterscheidet uns von reinen Industriedienstleistern.“ Bild: Infraserv

CT: 2005 hatte sich Infraserv Höchst von der damaligen Infraserv Höchst Technik getrennt, nun wollen Sie dieses Geschäft wieder betreiben – was sind die Hintergründe für diese Entscheidung?
Kreysing: Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Leistungen strategisch sinnvoll ergänzen können – und da sind technische Services für einen Standortbetreiber naheliegend. 2005 wurde die Entscheidung getroffen, diese Aktivität zu verkaufen – unter den damaligen Rahmenbedingungen war das absolut nachvollziehbar. Heute haben wir andere Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit unseren Gesellschaftern sind wir zur Überzeugung gelangt, dass ein neuer Einstieg in technische Services sinnvoll ist. Außerdem verfügen wir für unsere eigenen Anlagen bereits über eine eigene Instandhaltung. Diese wollen wir durch die neue Tochtergesellschaft Infraserv Höchst Prozesstechnik ergänzen, die ab Januar 2018 dieses Geschäft für Kunden betreiben soll.

CT: Welche technischen Dienstleistungen wollen Sie künftig anbieten?
Kreysing: Generell geht es um Aktivitäten, die für die Stabilität und die Versorgung eines Standorts von strategischer Bedeutung sind, und für die das Angebot am Markt gering ist. Zunächst wollen wir auf technische Services für Rotating Equipment sowie Prozessanalysentechnik – PAT – konzentrieren, später sollen auch andere Themen hinzukommen. Klassische Montagedienstleistungen, der Rohrleitungsbau sowie Isolierung und Gerüstbau sind keine Aufgaben, mit denen wir uns beschäftigen wollen – diese Leistungen sind am Markt gut abgedeckt.

CT: Welche strategische Bedeutung hat das Angebot technischer Dienstleistungen für einen Industriepark?
Kreysing: Diese Services sind für die Betreiber von Chemie- und Pharmaanlagen sehr wichtig. Wenn die Experten in Rente gehen, dann geht Know-how verloren. Mit unserer neuen Aktivität wollen wir sicherstellen, dass dieses am Standort erhalten bleibt.

Infraserv Höchst Worker

Infraserv Höchst ist selbst auch Betreiber von Anlagen und setzt darauf, Betreiber-Erfahrungen auch im Angebot technischer Dienstleistungen zu nutzen. Bild: Infraserv

CT: In der Vergangenheit haben Anlagenbetreiber betriebsnahe Instandhaltungsdienstleistungen an Dienstleister ausgelagert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Kreysing: Bei der Auslagerung von Instandhaltungsdienstleistungen kommt es darauf an, passgenaue Konzepte zu entwickeln und zu vereinbaren, bei denen Betreiber und Dienstleister gleichgerichtete Ziele haben müssen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Vergabekompetenz beim Betreiber erhalten bleibt. Nur wenn der Kunde die Leistungen selbst beurteilen kann, ist er auch offen für Vorschläge zur Optimierung. Bei strategisch wichtigen Dienstleistungen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder selbst die Kapazitäten dafür vorhalten, oder diese in die Hände eines absolut zuverlässigen Partners geben. Als Industriepark-Betreiber sind wir hier in einer besonderen Rolle, weil wir über den Standortbetrieb eine sehr langfristige Perspektive haben und sowohl Anlagenbetreiber als auch Dienstleister sind.

CT: Auch an anderen Chemie- und Pharmastandorten ist zu beobachten, dass die Standortbetreiber ihr Serviceangebot ausbauen. Treten Sie gegenseitig in den Wettbewerb?
Kreysing: Kaum. Technische Services sind ein regionales Geschäft – es macht keinen Sinn, für eine Instandsetzung 200 km weit zu fahren. Dass die Standortges

Compendium of Industrial Parks 2017

Standortkenntnis der Mitarbeiter ist ein Unterscheidungsmerkmal, mit dem die neue Tochtergesellschaft Infraserv Höchst Prozesstechnik punkten will. Bild: Infraserv

ellschaften ihre Aktivitäten mehr und mehr ausweiten, ist ein Beleg dafür, dass die Nachfrage seitens der Betriebe innerhalb und außerhalb des Industrieparks da ist.

CT: Industriedienstleister stehen mit ihren Leistungen im Wettbewerb zu Ihnen – wo sehen Sie Ihre Stärken?
Kreysing: Wir haben nicht nur die Dienstleistungskompetenz, sondern sind selbst auch Betreiber. So betreiben wir eigene Maschinen und Anlagen, in denen wir Betriebserfahrung sammeln. Beim Gebäudemanagement nutzen wir die eigenen Betreibererfahrungen und bringen diese Kompetenz auch in Projekte mit unseren Kunden ein. So wollen wir das auch bei den technischen Dienstleistungen für Rotating Equipment und Prozessanalysentechnik machen. Die Kombination des eigenen Know-hows aus der Verantwortung als Betreiber und dem Dienstleistungsangebot unterscheidet uns von reinen Industriedienstleistern.

CT: Auch die Hersteller von Rotating Equipment und Analysentechnik bieten heute bereits Services an.
Kreysing: OEM können in der Regel ihre eigenen Produkte sehr gut instandsetzen. Wir agieren herstellerunabhängig und beraten neutral. Diese Neutralität ist für unsere Kunden wichtig.

CT: Wie wollen Sie Erfahrungswissen übertragen, wenn sie für das neue Angebot eine separate Gesellschaft gründen?
Kreysing: Standortkenntnis ist generell für technische Dienstleistungen enorm wichtig. Unsere Mitarbeiter kennen natürlich unsere eigenen Anlagen gut – für den Aufbau des neuen Geschäfts setzen wir auf eine Mischung aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern.

CT: Wie wichtig ist für Ihr neues Geschäft die Standortkenntnis der Mitarbeiter?
Kreysing: Instandhaltung lebt davon, dass die Mitarbeiter den Standort kennen – Standortkenntnis ist generell für technische Dienstleistungen enorm wichtig. Unsere Mitarbeiter kennen natürlich unsere eigenen Anlagen gut – für den Aufbau des neuen Geschäfts sind Mitarbeiter willkommen, die den Standort und die Unternehmen hier kennen.

CT: Verraten Sie uns etwas über den Wachstumsplan für die neue Infraserv Prozesstechnik?
Kreysing: Wichtig ist es, zuerst ein stabiles Fundament zu setzen. Hier brauchen wir zu Beginn etwas Zeit, um das Geschäft aufzubauen. Und natürlich wollen wir mit der neuen Tochtergesellschaft wachsen, und zwar in einem überschaubaren Zeitraum, damit wir den Kunden schon bald einen wirklich umfassenden Service bieten können.

Heftausgabe: Dezember 2017
Die Fragen stellte  Armin Scheuermann, Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

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