Chemieanlagenbau global – Teil 1: Mittlerer Osten

Megaprojekte unter der Lupe

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24.02.2011 Der Chemieanlagenbau hat die Krise hinter sich gelassen. In unserer neuen Artikelserie stellen wir die Standorte und Megaprojekte der Welt vor. Im ersten Teil werfen wir einen Blick auf den Mittleren Osten, der seit Jahren das Eldorado des Anlagenbaus ist. Und: Es kommt noch besser.

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Die Zahlen sind gigantisch: Für 20 Mrd. US-Dollar will Abu Dhabi in den kommenden Jahren die Chemaweyaat Taweelah Chemicals Industrial City aus dem Wüstensand stampfen. Im Endausbau sollen es bis zu 100 Mrd. US-Dollar werden. Parallel dazu investiert Borouge – ein Joint Venture aus dem Kunststoffproduzenten Borealis und der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) – derzeit rund 5 Mrd. US-Dollar in den Ausbau des Olefinkomplexes Ruwais. Weitere 3 Mrd. sollen in den kommenden Jahren folgen. Die Mega-Investitionen stemmt ein Land, das kaum mehr Einwohner hat, als die Metropolregion Berlin.

Ebenfalls am Persischen Golf bauen diverse Petrochemiekonzerne den Standort Al Jubail massiv aus: Derzeit sind Projekte im Wert von mehr als 33 Mrd. USD in der Realisierung. Insgesamt waren Anfang 2011 in Saudi Arabien 21 große Öl- und Gasprojekte im Wert von 44 Mrd. USD in verschiedenen aktiven Projektphasen. Geht es nach dem Präsidenten des Ölkonzerns Saudi Aramco, Khalid A. Al Falih, soll sich die Chemieproduktion in den GCC-Staaten Bahrain, Kuwait, Oman, Quatar, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate von derzeit 40 Mrd. USD auf 80 Mrd. USD in 2020 verdoppeln (zum Vergleich: Die deutsche Chemieindustrie erzielte 2009 einen Umsatz von 197 Mrd. USD).

Langfristige Strategie zu höherer Wertschöpfung

Die Chemieprojekte sind Teil ehrgeiziger Industrie-Entwicklungspläne, mit denen die öl- und gasreichen Staaten am Persischen Golf ihre Wertschöpfung vertiefen wollen. Das Emirat Abu Dhabi, das über etwa 90 Mrd. Barrel Rohölreserven verfügt, verfolgt eine langfristige Strategie, nach der das Öl vor Ort weiterverarbeitet werden soll. Die Ölstaaten nutzen dabei ihren Kostenhebel. Im Gegensatz zu den Industriestaaten des Westens, die den für die gesamte Chemieproduktion wichigen – und insbesondere für die Kunststoffherstellung notwendigen – Rohstoff zu Weltmarktpreisen einkaufen müssen, können die Golfstaaten Primärkunststoffe mit eigenem Öl günstig produzieren. So liegt in den USA der Preis für 1 Mio. British Thermal Units (BTU) beispielsweise bei 7 bis 8 USD. In Saudi-Arabien sind es lediglich 70 bis 80 USD-Cent.

Doch nicht nur die (Primär-)Chemie steht dabei im Fokus der arabischen Investoren. Auch die Verarbeitung von Aluminium, Eisen, Stahl und Kunststoff sowie die Baustoffproduktion sollen massiv ausgebaut werden. Geplant ist dafür der Bau spezialisierter Industrieparks: Derzeit im Bau befindet sich beispielsweise der Abu Dhabi Polymer Park (Invest: 4 Mrd. USD), der Taweelah Aluminium Smelter (2 Mrd. USD im Bau, weitere 2 Mrd. USD in Planung) oder aber der geplante Abu Dhabi Metal Park (3Mrd. USD).

Die größten drei Chemieprojekte entstehen derzeit am Persischen Golf. Diese sind der Neubau des Chemie-Komplexes Abu Dhabi Chemicals Industrial City (Chemaweyaat), der Ausbau des Petrochemiestandorts Ruwais (Abu Dhabi) und die Erweiterung des Petrochemiekomplexes Al Jubail (Saudi-Arabien). Alle drei Projekte stellen wir in dieser Ausgabe vor.

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Heftausgabe: März 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann
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