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Mit Monte-Carlo-Simulationen Projektrisiken managen

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04.05.2015 In Europa sind sie selten geworden: Neubauprojekte auf der grünen Wiese, die komplett neu konzipiert, geplant und schließlich errichtet werden. Weltweit betrachtet sind die Prognosen für den Chemieanlagenbau jedoch äußerst positiv. Der US-Chemieverband ACC kalkuliert, dass bis zum Jahr 2018 die Investitionen 487 Mrd. Euro erreichen werden.

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Entscheider-Facts Für Planer

  • Großanlagenbauer investieren weltweit jährlich rund 300 Mrd. Euro. Dabei sind hohe Investitionen und komplexe Risiken zwei prägende Kennzeichen von Anlagenbauprojekten.
  • Um Risiken zu erkennen und gegenzusteuern haben sich Monte-Carlo-Simulationen etabliert. Mit ihnen ist es möglich, alle Projektphasen einer Prüfung zu unterziehen, denn die Simulation rechnet sämtliche Szenarien unter Berücksichtigung von Risiken und Chancen durch.

Allein die BASF pumpt jährlich rund 4 Mrd. Euro in neue Anlagen – doch erscheint dies nicht viel im Vergleich zu den Mega-Investments asiatischer oder saudischer Unternehmen. Dabei verändert sich zunehmend der Charakter der Projekte, denn die einzelnen Vorhaben werden immer größer. Für die investierenden Unternehmen, aber auch die beauftragten Anlagenbauer, steigt damit das finanzielle Risiko. Planerisch komplex sind aber auch Aus- oder Umbauten innerhalb einer bestehenden Anlage in existierenden Standorten, denn hier müssen die Projektverantwortlichen die vorhandenen Strukturen und den eventuell weiterlaufenden Betrieb bedenken. Ganz gleich, ob groß oder klein, auf grüner Wiese oder in bestehenden Anlagen – die Anforderungen an das Projektmanagement sind gestiegen. Nicht nur in der Ausführungsphase, sondern bereits im Rahmen des Basic und Detail Designs. Gerade in der frühen Phase können Planer die Weichen für den späteren Erfolg stellen. Jede Investition soll sich möglichst schnell rentieren und dafür muss die Anlage produzieren. Das heißt: Fertigstellung nach Zeitplan. Und wenn möglich sogar noch eher. Doch die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass die wenigsten Projekte zum geplanten Termin fertiggestellt sind. Eine verlässliche und realistische Terminplanung, die den dynamischen Charakter eines Großprojekts reflektiert und vorhandene Risiken berücksichtigt, ist deshalb für erfolgreiche Investitionsprojekte unerlässlich.

Der Unsicherheit mit Stochastik begegnen
Wann genau ist der Terminplan in der richtigen Balance zwischen notwendiger Projektdauer und ausreichenden Reserven, um auf Unvorhergesehenes und eintretende Risiken reagieren zu können? Für viele Bauherren hat sich hierfür die sogenannte Monte-Carlo-Simulation bewährt. Das stochastische Verfahren basiert auf Zufallszahlen und wurde daher nach dem bekannten Stadtteil von Monaco mit seinen zahlreichen Kasinos benannt. Es hat sich als wichtiges Instrument im Risiko- und Projektmanagement zur Bewertung und Quantifizierung von Zeit- und Kostenrisiken bewährt. Basierend auf einem bestehenden Terminplan und den im Simulationsmodell erfassten Projektrisiken wird deren Einfluss auf den kritischen Pfad und den Endtermin berechnet. Bei klassischen Zeitplänen wird in der Regel auf Basis von festen Aktivitätsdauern ein deterministisches Projektende bestimmt. Diese Pläne bilden daher nur ein mögliches Szenario des Projektverlaufes ab. In der Realität kommt es aber zu Terminverschiebungen, wenn Arbeiten aus verschiedensten Gründen länger oder kürzer als geplant dauern. Die daraus resultierenden Auswirkungen auf wichtige Meilensteine und den Projektendtermin kann ein klassischer Terminplan nicht darstellen. Eine Monte-Carlo-Simulation schafft hier Abhilfe – indem sie sämtliche Projektszenarien unter Berücksichtigung der erfassten Risiken und Chancen durchrechnet und die Verteilung des möglichen Projektendes abbildet.

Heftausgabe: Mai 2015
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Gert Müller, Practice Group Leader Turnaround, T.A. Cook

Über den Autor

Gert Müller, Practice Group Leader Turnaround, T.A. Cook

Gert Müller, Senior Manager, T.A. Cook & Partner Consultants

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