Roadmap für flexibel automatisierte Anlagenmodule

Modulare Automatisierung – was wird aus Dima?

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16.05.2016 Modulare Anlagen einfach und wandlungsfähig automatisieren – diese Vision treibt der Automatisierungshersteller Wago seit dem „Big bang“ auf der Namur-Hauptsitzung 2014 beharrlich voran: In der Namur selbst, aber auch mit eigenen Entwicklungen. Eine Standortbestimmung.

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Entscheider-Facts für Planer und Betreiber

  • Die Einbindung von Anlagenmodulen und Package Units in die Automatiserungsstruktur einer Prozessanlage war bislang aufwendig und unflexibel.
  • Mit dem Ansatz Dima / Namur-MTP soll dies künftig deutlich schneller funktionieren.
  • Bis Jahresende soll die Spezifikation für den Namur-MTP bereits fertig sein.
  • Schon heute kann die „Dezentrale Intelligenz für Modulare Anlagen“ prototypisch genutzt werden.

Ulrich Hempen ist Realist: „Nicht der Anfang wird belohnt, sondern das Durchhalten“, antwortet der Leiter Market Management Industrie & Prozess bei Wago auf die Frage, wie die Chancen stehen, dass sich modulare Anlagenkonzepte diesmal in der Prozessindustrie durchsetzen werden. Denn schon häufig wurde das Aufbrechen von Prozessanlagen in einzelne verfahrenstechnische Module in den vergangenen Jahrzehnten als „die Zukunft“ prognostiziert. In der Realität stellten profane Probleme der Gegenwart fast unüberwindbare Hürden dar: Die Wünsche nach einer zentralen Leittechnik und gleichzeitig nach autarken Prozessmodulen standen sich genauso im Weg wie das Fehlen einheitlicher Schnittstellen.
Doch mit steigendem Marktdruck auf die Produzenten in Chemie- und Pharmaindustrie wird die Forderung nach flexiblen Anlagenkonzepten immer lauter. So definierten Anwender und Wissenschaftler 2009 im Rahmen des Tutzing-Symposiums die „50-%-Idee“: Produkte sollen nach ihrer Entwicklungsfreigabe in der halben Zeit auf dem Markt verfügbar sein. Die Voraussetzung dafür, so postulierten die Experten, sind flexible, modular aufgebaute Anlagen. Die Automatisierungsanwender der Namur griffen das Thema auf und definierten 2013 in der Namur-Empfehlung NE 148 die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen, um verfahrenstechnische Module zu einer Gesamtanlage zu integrieren. Die Crux dabei: Der Engineering-Aufwand, um die Module in das zentrale Prozessleitsystem einzubinden, ist enorm – und steht auch Umbaumaßnahmen im Weg.
Dies zu ändern, hat sich der Automatisierungshersteller Wago auf die Fahnen geschrieben. Auf der Namur-Hauptsitzung im November 2014 stellte der Hersteller einen neuen Ansatz für das Engineering von modularen Anlagen vor. Der „Dima“ genannte Vorschlag setzt auf eine einheitliche Beschreibung der Automatisierungsfunktionen von Teilanlagen und soll die Einbindung solcher Systeme in die Automatisierungsstruktur einer Gesamtanlage vereinfachen helfen. „Dima“ steht dabei für „Dezentrale Intelligenz für Modulare Anlagen“. Leitebene und Modulebene werden darin über eine neutrale Schnittstelle getrennt. Die Eigenschaften des automatisierten Moduls werden vom Modulhersteller in einem „MTP“ genannten Module Type Package in einem offenen Format beschrieben. Ein Engineering-Tool übersetzt die im MTP beschriebenen Informationen in die herstellerspezifischen Formate der Scada-, HMI- oder MES-Werkzeuge bzw. des Leitsystems.

Heftausgabe: Mai 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Chefredakteur CHEMIE TECHNIK
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