Chemie forciert Investitionen im Ausland

Neue Studie von Euler-Hermes

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14.07.2015 Die Unsicherheiten in Folge der deutschen Energiepolitik zeigen bei den deutschen Chemieunternehmen Wirkung: 2015 werden die Investitionen deutscher Chemieunternehmen im Ausland mit 17 % fast sechsmal so schnell steigen wie im Inland (3 %). Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. 2016 soll das Verhältnis bei den Investitionen noch weiter auseinanderklaffen, mit einem Zuwachs von 1 % in Deutschland und 9 % im Ausland. Dabei ist das Umfeld für die drittgrößte Exportbranche Deutschlands durch die niedrigen Ölpreise und einen günstigen Euro/Dollar-Kurs derzeit durchaus vorteilhaft.

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Entscheider-Facts Für Manager

  • 2015 werden die Investitionen deutscher Chemieunternehmen im Ausland mit 17 % fast sechsmal so schnell  steigen wie im Inland.
  • Durch die niedrigen Ölpreise ist die Herstellung chemischer Erzeugnisse in den USA derzeit viermal so günstig wie in Europa.
  • Deutsche Chemieunternehmen haben immer noch eine sehr gute Marktposition im Premiumsegment. 

„Die Gewinnmargen deutscher Chemieunternehmen steigen 2015 um 0,5 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Im Jahr 2009 lag dieser Wert bei sieben Prozent. Das zeigt sehr deutlich, dass deutsche Chemieunternehmen mit Investitionen in Forschung und Entwicklung auf das richtige Pferd gesetzt haben. Sie haben ihre Energieeffizienz gesteigert, um so den Wettbewerbsnachteil aufgrund der vergleichsweise hohen Energiekosten zu kompensieren. Gleichzeitig haben sie auch in eine stärkere Spezialisierung investiert und den Anteil an weniger preissensitiven Spezialchemikalien erhöht. So haben die Deutschen ihre Stellung als Exportweltmeister der Branche bis heute verteidigt. Doch die Konkurrenz schläft nich, und die deutschen Chemieunternehmen sollten sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen, sonst geraten sie schnell ins Hintertreffen. Sie sollten vielmehr den erweiterten Spielraum durch die derzeit günstigen Rahmenbedingungen und steigenden Gewinnmargen für Investitionen nutzen“, schlägt Subran vor.

Chemieproduktion in den USA ist viermal
günstiger als in Europa

Durch die niedrigen Ölpreise ist die Herstellung chemischer Erzeugnisse in den USA derzeit viermal so günstig wie in Europa. Hinzu kommt die Tatsache, dass Gas als Energiequelle und Öl als Rohstoff je nach Teilsektor bis zu 85 % der gesamten Betriebskosten in der Petrochemie ausmachen. Das veranschaulicht den Wettbewerbsvorteil der amerikanischen Unternehmen in Gänze. Die Chemieunternehmen haben sich dies zu Nutze gemacht und rund 150 Mrd. US-Dollar in Ethylen-Produktionsstätten investiert, nach rund 15 Jahren wieder Arbeitsplätze geschaffen und ihre Exporte über die letzten Jahre sukzessive gesteigert. Heute machen Chemieausfuhren bereits 12 % aller amerikanischen Exporte aus. Euler Hermes erwartet für 2015 einen Zuwachs von 15 Mrd. US-Dollar. Damit läge der Chemiesektor auf Rang 1, vor Maschinen- und Lebensmittelausfuhren.

Auch die deutsche Chemie hat Vorteile
Die Exporte deutscher Chemieunternehmen wachsen ebenfalls, mit rund 8 Mrd. Euro jedoch weniger stark als die der amerikanischen Wettbewerber. Der Vorteil der deutschen Unternehmen ist noch immer die gute Marktposition im Premiumsegment. Außerdem profitieren sie von einem weit entwickelten, etablierten Exportnetzwerk, meint Olaf Lipinski, Bereichsleiter Information und Grading bei Euler Hermes: „Sie sind weltweit führend, keine andere Nation liefert in so viele internationale Märkte wie Deutschland.“ Das liegt seiner Auffassung nach daran, dass die deutschen Unternehmen auf Forschung und Entwicklung sowie After-Sales-Dienstleistungen setzen, um trotz hoher Energiepreise wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die Produktionsstätten sind weitestgehend integriert – das ermöglicht es ihnen, Abbaustoffe zu recyceln und dadurch gewinnbringend zu nutzen, anstatt zusätzliche Kosten zu verursachen“, erklärt er weiter. „Neben den Effizienzsteigerungen vor Ort haben sich viele deutsche Chemiekonzerne jedoch auch bereits frühzeitig ein zweites Standbein aufgebaut und in ausländische Betriebsstätten investiert. Allein in den USA haben deutsche Firmen in den letzten drei Jahren 8 Mrd. Euro in neue Anlagen investiert.“ [su]

Die Studie zum Download finden Sie unter diesem Link

 

Heftausgabe: Juli 2015

Über den Autor

Sonja Utsch, Redaktion
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