Kernfusion mit kurzer Halbwertszeit

Was bringt der Merger von Dow und Dupont?

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

16.02.2016 Am 11. Dezember hielt die Chemiewelt den Atem an: Nämlich als das Gerücht einer möglichen Fusion zwischen den US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont mit einer Pressemitteilung zur Gewissheit wurde. Mit gemeinsam rund 120 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung wird Dowdupont den bisherigen Branchenprimus BASF vom Thron stürzen – aber nur für kurze Zeit.

Anzeige

Entscheider-Facts

Für Branchen-Beobachter

  • Die US-Konzerne Dow Chemical und Dupont wollen fusionieren.
  • Nach dem Zusammenschluss, der für Mitte 2016 erwartet wird, soll das Unternehmen in drei unabhängige Aktiengesellschaften aufgespaltet werden.
  • Die neuen Unternehmen fokussieren auf die Bereiche Kunststoffe, Agrochemie und Spezialchemie.

Auch in der Kernphysik sind große Fusionsprodukte oft instabil: Sobald der Dow-Dupont-Merger – voraussichtlich Mitte 2016 – alle Hürden genommen hat, soll das Unternehmen gleich wieder in drei unabhängige Börsengesellschaften aufgespaltet werden: eine für Agrochemie, eine für das Kunststoffgeschäft und eine für Spezialchemie. Der Schritt dürfte einen Schlussstrich unter die mehr als 200 Jahre alte Chemie-Historie der USA setzen – und er folgt der Logik aktivistischer Investoren: Fokussierung um jeden Preis. Hedge Fonds hatten die beiden Konzerne in jüngster Zeit angesichts schwacher Börsenkurse unter Druck gesetzt und die Abspaltung von Geschäftsbereichen gefordert.

Börsen-Underperformer unter großem Druck der Hedge Fonds

Am größten war der Druck bei Dupont: Der Hedge Fonds Trian von Nelson Peltz hatte sich bereits im Sommer 2013 einen Aktienanteil von knapp drei Prozent an dem im Jahr 1802 gegründeten Chemieunternehmen gesichert und vehement eine neue Management-Strategie gefordert. Obwohl sich das Management des Chemiekonzerns gegen die Trian-Aktivisten zur Wehr setze, wurde im vergangenen Jahr das Titandioxid-Pigmentgeschäft in das neue Unternehmen Chemours ausgelagert und ein Sparprogramm aufgelegt. Nachdem der Aktienkurs des Unternehmens in 2015 dennoch gegen den Branchentrend um neun Prozent gefallen war, musste CEO Ellen Kullman im Oktober ihren Hut nehmen.

Aber auch Dow-Chef Andrew Liveris sieht sich mit Angriffen aktivistischer Investoren konfrontiert: Der Hedge Fonds Third Point von Daniel Loeb gab im Januar 2014 bekannt, zwei Prozent der Dow Chemical-Aktien zu besitzen und forderte nicht nur die Fokussierung und Abspaltung weniger profitabler Geschäftsbereiche – darunter der Petrochemikalien – sondern zuletzt auch die Ablösung von CEO Liveris. Obwohl er mit der Transaktion an sich einverstanden war, forderte Loeb einen Tag nach Bekanntgabe der Fusion den Dow-Aufsichtsrat auf, Liveris zu entlassen: Loeb vermutete einen Zusammenhang zwischen der Bekanntgabe des Deals und einem am betreffenden Wochenende ablaufenden Stillstandsabkommen, das Loeb daran hinderte, sich öffentlich zu Dow zu äußern, berichtete Reuters im Dezember.

Dass der Druck der Investoren zur Fokussierung bereits zuvor auch bei Dow angekommen war, wird auch hinter dem Verkauf der Chlorchemie an das Chemieunternehmen Olin vermutet – Dow spülte der Deal im vergangenen Jahr 5 Mrd. Dollar in die Kasse.

Game Changer für die Chemie-Branche

„Diese Transaktion ist ein Game-Changer für unsere Branche und spiegelt den Höhepunkt einer Vision, die wir mehr als ein Jahrzehnt lang verfolgt haben, um diese zwei führenden Unternehmen in Sachen Innovation und Materialwissenschaften zusammenzubringen“, sagte Andrew N. Liveris zum Dow-Dupont-Deal. Liveris wird dem neuen Unternehmen als Executive Chairman vorstehen, Edward D. Breen, derzeit CEO bei Dupont, wird auch im neuen Unternehmen CEO bleiben. Der neue Vorstand soll insgesamt 16 Direktoren umfassen – jeweils die derzeit acht Vorstände der beiden fusionierenden Unternehmen. Der Sitz des Unternehmens wird an zwei Standorten sein: Midland, Michigan, und Wilmington, Delaware. „Dies ist eine außergewöhnliche Gelegenheit, um langfristigen, nachhaltigen Unternehmenswert durch die Kombination von zwei hoch komplementären Unternehmen zu schaffen. Jedes der künftigen drei neuen Unternehmen wird in der Lage sein, Kapital effizienter einsetzen“, sagte Edward D. Breen, Chairman und Chief Executive Officer von Dupont.

Heftausgabe: Januar/Februar 2016
Seite:

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
Loader-Icon