Überkapazitäten bei Gasturbinen

Weltweiter Stellenabbau bei Siemens

17.11.2017 Der Industriekonzern will weltweit 6.900 Stellen streichen, allein in Deutschland sollen 3.300 Arbeitplätze wegfallen. Seine Gasturbinenwerke in Görlitz und Leipzig will der Konzern schließen. Grund sind Umstrukturierungen aufgrund der drastisch gesunkenen Nachfrage im Kraftwerksbereich.

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Die Nachfrage nach Gasturbinen ist weltweit eingebrochen, Siemens leidet unter dramatischen Überkapazitäten. Der Konzern will darum weltweit 6.900 Stellen abbauen. (Bild: Siemens)

Mit umfassenden strukturellen Veränderungen will sich Siemens global neu aufstellen. Betroffen sind dabei die Divisionen Power and Gas (PG), Process Industries and Drives (PI) sowie Power Generation Services (PS). „Die Energieerzeugungsbranche befindet sich in einem Umbruch, der in Umfang und Geschwindigkeit so noch nie dagewesen ist“, erklärt Vorstandsmitglied Lisa Davis. „Der Ausbau und die Innovationskraft Erneuerbarer Energien setzen andere Formen der Energieerzeugung zunehmend unter Druck. Die jetzigen Maßnahmen knüpfen an unsere Anstrengungen an, die wir bereits vor drei Jahren gestartet haben, um unser Geschäft an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen.“ Dazu seien Einschnitte notwendig, „um unser Know-how bei der Kraftwerkstechnologie, bei Generatoren und bei großen elektrischen Motoren nachhaltig wettbewerbsfähig halten zu können“, fügt Janina Kugel, Vorstandsmitglied und Chief Human Resources Officer, hinzu. Der Konzern müsse Antworten auf die weltweiten Überkapazitäten und den dadurch ausgelösten Preisdruck finden.

In den betroffenen Divisionen sollen laut der nun den Arbeitnehmervertretern vorgestellten Planungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren weltweit in Summe rund 6.900 Arbeitsplätze wegfallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Die Maßnahmen beinhalten neben einer Anpassung der globalen Kapazitäten von PG und PS an das zu erwartende Marktvolumen auch die Bündelung von Kern Know-how in Kompetenzzentren sowie die Konzentration von Fertigungsvolumina an Standorten mit wettbewerbsfähigen Kosten.

Gewerkschaft will Widerstand leisten

Die Pläne sehen vor, die Standorte Görlitz (aktuell rund 720 Arbeitsplätze) und Leipzig (circa 200 Arbeitsplätze) zu schließen. Zudem soll das Lösungsgeschäft (Solutions) der Standorte Offenbach und Erlangen zusammengelegt werden. Durch diese drei Maßnahmen sollen insgesamt 1.600 Stellen entfallen. Für den Standort Erfurt werden mehrere Optionen geprüft wie beispielsweise ein Verkauf. Darüber hinaus sollen etwa 640 Stellen in Mülheim an der Ruhr und etwa 300 in Berlin abgebaut werden. In Europa fallen außerhalb Deutschlands durch Restrukturierungsmaßnahmen insgesamt gut 1.100 Stellen weg. Außerhalb Europas sind weitere 2.500 Stellen betroffen, davon 1.800 in den USA durch Konsolidierung in der Fertigung sowie in der Verwaltung.

Zur Umsetzung sollen zeitnah Beratungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden. Ziel sei es, die geplanten Maßnahmen möglichst sozialverträglich zu gestalten. Wie die Agentur Reuters berichtet, kündigte die IG Metall bereits Widerstand gegen den Stellenabbau an: “Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel”, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied und Siemens-Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kerner. Der Gewerkschaft zufolge hat der Konzern nicht rechtzeitig auf die Krise in der konventionellen Kraftwerkstechnik reagiert. Kerner sprach von einer „Mischung aus Tatenlosigkeit und Einfallsarmut“, die „an einen Offenbarungseid des Managements“ grenze,

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