Behandeln stark organisch belasteter Abwasserströme
Neue anaerobe Abwasserbehandlungsanlage in Leuna
Infraleuna hat im Chemiepark Leuna eine anaerobe Abwasserbehandlungsanlage in Betrieb genommen. Die Anlage hat der Betreiber im Zuge der Ansiedlung des finnischen Unternehmens UPM errichtet.
Die Bioreaktoren der anaeroben Abwasservorbehandlungsanlage.
Infraleuna
Die Anfang Oktober 2026 in Betrieb genommene Anlage ergänzt die nachhaltige Infrastruktur im Chemiepark Leuna gezielt um eine Technologie zum Behandeln anspruchsvoller industrieller Abwässer. Mit einer Behandlungskapazität von 4.000 m3 Abwasser pro Tag und Investitionen in Höhe von 36,7 Mio. Euro für die Anlage selbst sowie weiteren rund 6 Mio. Euro für die Biogaseinspeisung gehört sie zu den bedeutenden Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre am Standort.
Der Grund für den Bau der Abwasserbehandlungsanlage ist, das UPM derzeit am Standort eine Bioraffinerie in Betrieb nimmt, in der das finnische Unternehmen Biochemikalien auf Basis von nachhaltig gewonnenem Laubholz herstellt. Mit einem Investitionsvolumen von rund 1,3 Mrd. Euro gehört das Projekt zu den größten Industrieinvestitionen der vergangenen Jahre in Deutschland. Nach vollständiger Inbetriebnahme soll die Anlage rund 220.000 t/a Biochemikalien produzieren, die neue Anforderungen an die Infrastruktur stellen, unter anderem beim Behandeln des entstehenden stark organisch belasteten Abwasserstroms.
Genau hier setzt die neue Anlage zur Abwasservorbehandlung an. Das Abwasser wird zunächst anaerob, also ohne Sauerstoffzufuhr, vorbehandelt. In diesem Prozess werden organische Inhaltsstoffe mittels mikrobiologischer Verfahren abgebaut, bevor das Abwasser zum weiteren Reinigen in die zentrale biologische Abwasserbehandlungsanlage im Chemiepark eingespeist werden kann. Die Vorteile der eingesetzten Technologie sind, dass hohe Abbaugrade der organischen Belastung (CSB-Reduktion von mindestens 80 %) erreicht werden, während gleichzeitig der Energieeinsatz im Vergleich zu konventionellen aeroben Verfahren deutlich reduziert wird. Zudem fällt weniger Klärschlamm an.
Ein besonderer Mehrwert entsteht außerdem durch die energetische Nutzung des Prozesses. Rund 6 MW Biogasleistung werden kontinuierlich erzeugt und in das Erdgasnetz des Chemieparks eingespeist. Die Anlage leistet damit nicht nur einen Beitrag zur effizienten Abwasserbehandlung, sondern auch zur nachhaltigen Energieversorgung am Standort.
Die Inbetriebnahme erfolgt schrittweise: Zunächst wird das Abwasser von UPM in steigenden Mengen eingeleitet und die Bioreaktoren werden mittels sogenanntem Impfschlamm – spezialisierten anaeroben Bakterien, die sich als Biofilm auf kleinen mineralischen Trägern wie Kalk ansiedeln – angefahren, während parallel die Gasaufbereitung startet und der Gasspeicher mit Biogas befüllt wird. Anschließend werden Durchfluss und Belastung kontinuierlich erhöht, bis die Anlage ihre volle Leistung erreicht.
Matthias Schleicher, Director Leuna Biorefinery Operations, erklärt: „Der Chemiestandort Leuna bietet uns mehr als eine Adresse – er bietet einen Partner, der bereit ist, neue Wege mitzugehen. Die anaerobe Abwasserbehandlungsanlage, die InfraLeuna eigens für unsere Bioraffinerie entwickelt hat, ist ein konkretes Beispiel dafür: Keine Standardlösung, sondern eine technisch anspruchsvolle Anlage, die exakt auf unsere Prozesse zugeschnitten ist. Diese Bereitschaft, sich auf neue Verfahren und Anforderungen einzulassen, ist für Unternehmen wie UPM entscheidend – und ein echter Standortvorteil, der zählt."