Arbeiten in der Chemieindustrie

Die Verbände zählen 108.000 Chemie-Beschäftigte in Baden-Württemberg. (Bild: Chemie.BW)

| von Redaktion

Insgesamt erzielten die baden-württembergischen Unternehmen 2020 einen Chemie-Umsatz von 22,1 Mrd. Euro, wie die Verbände der Branche, Chemie.BW, mitteilten. Diese Umsätze teilen sich in 13,3 Mrd. Euro Auslandsgeschäft (plus 0,9 % gegenüber dem Vorjahr) und 8,8 Mrd. Euro (plus 7,3 %). Die Beschäftigung blieb mit einem Rückgang von 0,5 % nahezu konstant.

Die Verbände führen die gute konjunkturelle Entwicklung im Wesentlichen auf die Entwicklung der Pharmaunternehmen im Land zurück, die einen Umsatzanteil von 37 % ausmachen. Hier seien Sondereffekte wie Bevorratung und vermehrter Direktabsatz über die Apotheken ausschlaggebend. Hinzu kämen natürlich auch die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen bei Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika für die Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Die zweitgrößte Teilbranche, Farben und Lacke (12 % Umsatzanteil) musste dagegen 2020 insbesondere in den Bereichen Druckfarben und Industrielacke für den Fahrzeugbau mit deutlichen Einbrüchen fertig werden. Weitere Bereiche wie zum Beispiel Körperpflege, Wasch- und Reinigungsmittel konnten das Vorkrisenniveau halten.

Zukunftsaussichten sind „vorsichtig optimistisch“

In einer repräsentativen Unternehmensumfrage zeigen sich die Unternehmen über alle Teilbranchen hinweg vorsichtig optimistisch. Die Erwartungen liegen hier mehr auf dem – insbesondere europäischen – Auslandsgeschäft. Die negativen Folgen der Corona-Krise hoffen die meisten Unternehmen bis spätestens 2022 überwunden zu haben. Allerdings sind die kleineren Unternehmen skeptischer als die großen mit mehr als 500 Beschäftigten.

Für die Gesamtbranche gehen die Verbände in Baden-Württemberg 2021 von einem Produktionswachstum von 1 bis 2 % aus. Die Prognose für die Umsätze beträgt 2 bis 3 % Wachstum. Die erwartete Entwicklung bei Beschäftigung und Ausbildung spiegelt die stabile Branchenkonjunktur wider.

Verbände konstatieren Standortschwächen und Strukturprobleme

Das gute Jahresergebnis 2020 dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die gesamte Branche in einem Umbruch befinde, betonte Ralf Müller, Geschäftsführer bei Chemie.BW. Als Beispiel nannte er die Veränderungen in den Abnehmerbranchen Automobilindustrie und Druckerzeugnisse sowie die Folgen der Energiewende. Hier stehe die Chemie vor einem grundlegenden Umbau.

Außerdem zeige der Industriestandort Deutschland immer deutlicher Wettbewerbsnachteile: „Da werden wir inzwischen links und rechts überholt“, so Müller. Wichtige Faktoren wie beispielsweise ein sachgerechtes Unternehmenssteuerrecht ohne Substanzbesteuerung würden nicht angegangen. Stattdessen nehme die Politik für Mittelständler kaum zu bewältigende Bürokratiemonster wie ein Recht auf Homeoffice auf die Agenda – und vernachlässige eine dringend nötige Arbeitszeitgesetz-Reform.

„Gerade in Baden-Württemberg ist die Chemie- und Pharmabranche von mittelständischen Unternehmen, oft im Familienbesitz, bestimmt. Sie sind standorttreu – aber auch ihre Schmerzgrenze ist irgendwann erreicht“, machte Müller die Erwartungshaltung der Unternehmen an die Politik deutlich.

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