Kein Puzzleteil darf fehlen

Software und Apps zum Materialmanagement bei Anlagenbau-Projekten

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07.02.2020 Anlagenbau-Projekte sind wie ein großes Puzzle: Hunderttausende Komponenten – von Rohrleitungen bis Motoren –, die alle für einen ganz bestimmten Einsatzzweck und -ort vorgesehen sind. Moderne Software und praxistaugliche Apps helfen dabei, alle Elemente und Materialien im Blick zu behalten.

Entscheider-Facts

  • Bei Anlagenprojekten geht es zum Teil um Hunderttausende Rohrleitungen, Stahlbau, Motoren etc., die jeweils für einen bestimmten Einsatzzweck vorgesehen sind.
  • Bei der Vielzahl von Herstellern, Logistikdienstleistern und Montagefirmen auf der Baustelle fällt es da mit üblichen Mitteln schwer, den Überblick zu bewahren.
  • Mit praxistauglicher Software und Apps lassen sich besonders in der Materialverfolgung Zeit, Geld und Nerven sparen und die Zusammenarbeit mit den Partnern vereinfachen.

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Bild: Pexels/Insite IT

Wer erinnert sich nicht gerne an seine Kindheit zurück, an sein erstes 1.000-Teile-Puzzle. Gespannt verbaut man Stein für Stein, um das perfekte Bild laut Verpackung zu erhalten. Geduldig fokussiert man das nächste Teil, dreht und wendet es, bis endlich passgenau die richtige Stelle gefunden ist. Das Ende ist bereits in Sicht – doch dann der Schock: Es fehlt ein Teil. Überall wird gesucht, unter dem Sofa, dem Teppich, im Staubsauger, aber das Teil scheint verschollen. Zuerst wird die Schwester beschuldigt, dann der Hund und zum Schluss war es mit Sicherheit ein Qualitätsproblem des Herstellers im Verpackungsprozess. 999 Teile reichen eben nicht für ein 1000-Teile-Puzzle, ein „Wird-schon-passen“ gibt es hier nicht – es muss perfekt sein.

Unzählige Komponenten von verschiedenen Herstellern

Statt 1.000 Teilen sprechen wir im Anlagenbau von Hunderttausenden Komponenten. Rohrleitungen, Stahlbau, Motoren etc. – jedes Element vorgesehen für einen bestimmten Einsatzzweck. Bereitgestellt von einer Vielzahl an weltweiten Produzenten. Dazu noch zahlreiche Logistikdienstleister, die das Material über Grenzen und Zölle hinweg zeitgerecht auf die Baustelle irgendwo im nirgendwo liefern sollen. Statt eines Puzzlebauers warten dort eine Horde Montagefirmen, die täglich das nächste Element zeitgerecht verbauen wollen und fehlendes Material ein gefundenes Fressen für Terminverzögerungen darstellt.

Ein Werk, das in den 90er-Jahren noch in fünf Jahren gebaut wurde, muss heute in zwei fertig sein. Das heißt: Parallel, nicht sequenziell, wird an verschiedenen Ecken und Enden gleichzeitig gearbeitet. Material wird eingelagert, ein-, aus-, umgebaut und bald stellen sich die Fragen: „Ist eigentlich schon alles da?“ und „Können wir dort bei XY weitermachen?“.

Zettel hier, Zettel da, Ordner hier und Sätze wie „Da war doch mal was“ und „Keine Ahnung – such mal dort drüben weiter“ sind dann oft gängige Praxis. Doch auch der größte Excel-Fan stößt irgendwann an die Grenzen der Tabellenkalkulation.

Digitalisierung ist endlich angekommen im Anlagenbau

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Auch im Anlagenbau muss eine Vielzahl von Elementen richtig zusammengefügt werden .Bild: iStock/Insite IT

Nach Jahren der medial dauerpräsenten „Digitalisierung im Anlagenbau“ kommen diese Themen langsam, aber doch, in den konservativsten operativen Ebenen der Unternehmen an. Viele eigene Prozesse – auch auf den gallischen Dörfern der Baustelle – werden mehr und mehr kritisch hinterfragt. Die Scheu vor Apps, Cloud und anderen digitalen Hilfsmitteln ist verschwunden, bzw. werden smarte Apps von jüngeren Generationen sogar gefordert.

Ein Bauleiter sagte unlängst zu seinem Kollegen vom Mitbewerb: „Schreibst du noch, oder scannst du schon“. Man sieht, dass intelligente Materialverfolgung, Mängel­erfassung, automatisierte Baubarkeitsprüfungen, digitale Bautagebücher inklusive Rückmeldung von Materialstatus in 3D-Modellen auf vielen Baustellen Realität ist.

Datengesteuerte Dienste sind Trumpf bei der Materialverfolgung

Beim Thema intelligente Materialverfolgung stellt sich die Frage: „Warum hatten wir das nicht schon früher?“ Kaum woanders macht sich die Unterstützung durch datengesteuerte Dienste mehr bemerkbar als beim Material, das auf die Baustelle geliefert wird. Fakt ist: Fehlt das Material, wird das Projekt zur Qual. Denn das Wissen über den gesamten Bauzyklus des Materials ist essenziell für den reibungslosen Ablauf auf einer Industriebaustelle. Die Herausforderung ist, dass Zulieferer häufig falsch kennzeichnen und Packlisten fehlerhaft sind. Dies lässt sich mit praxistauglicher Software ändern, die sowohl für Lieferanten wie Baustelle intuitiv und einfach anzuwenden ist.

Die Verpackung und passende Kennzeichnung sind Bestandteil des gesamten logistischen Systems. Um die einwandfreie Lieferung, Lagerung und das Materialmanagement sicherzustellen, müssen Produzenten eine anwendungsspezifische Kennzeichnungs- und Verpackungslösung (beispielsweise Barcode oder RFID) bei der Materiallieferung einsetzen.

Auf der Baustelle gescannt

Ist dies der Fall, wird Excel gegen eine App getauscht. So lässt sich das registrierte Material, sobald es auf der Baustelle ankommt, per offline-fähiger App scannen, einlagern und übergeben. Materialplanungen werden automatisch anhand von Stücklistendaten durchgeführt und mögliche Baubereiche ausgewiesen, auftretende Fehler und Mängel umgehend dokumentiert und rückgemeldet. Externe Partner können dann sofort auf diese Mängel reagieren und die Fehlerbeseitigung starten. Jede Materialübergabe zum Auftraggeber oder zur Montagefirma wird digital signiert und dokumentiert. Auf Knopfdruck sind alle Daten zum Material und Baufortschritt verfügbar. Zu guter Letzt generiert die App automatisch am Ende des Tages ein Bautagesbericht über alle Aktivitäten, welche der User mit weiteren Kommentaren versehen kann.

Fundierte Software und praxistaugliche Apps bieten im globalen Industrieanlagenbau neue Chancen und Möglichkeiten. Und dass dies keine Zukunftsmusik sein muss, zeigen etwa die inzwischen mehr als 1.300 Projekte, die mit der Software und der App Insite LMS abgewickelt werden können. Großanlagenbauer entwickeln Fähigkeiten für das digitale Zeitalter – der kleinste gemeinsame Nenner ist das Material. Und dieses ist wie das eingangs erwähnte Puzzleteil zu behandeln.

Über das erfolgreiche Management von Großprojekten berichtet auch dieser CT-Artikel: Wie sich die Komplexität von Großprojekten managen lässt

Heftausgabe: Februar 2020
Thomas Roithmeier ist CEO und Co-Founder von Insite IT

Über den Autor

Thomas Roithmeier ist CEO und Co-Founder von Insite IT
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