Netzwerke für noch mehr Energieeffizienz

Chemieparks treten staatlicher Effizienzinitiative bei

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10.08.2016 In den vergangenen 18 Monaten wurden in der Chemie vier Energieeffizienz-Netzwerke gegründet. Die darin verbundenen Unternehmen profitieren unter anderem vom Erfahrungsaustausch.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Manager

  • Regierung und Verbände haben vereinbart, dass in der Industrie bis 2020 rund 500 neue Energieeffizienz-Netzwerke entstehen sollen.
  • Von dem Erfahrungsaustausch versprechen sich Teilnehmer und Politik signifikante CO2-Einsparungen.
  • In der Chemie wurden vier solcher Netzwerke etabliert, drei davon in Chemieparks.

August 2016

Unterzeichnung der Vereinbarung zur Bildung des Energieeffizienz-Netzwerkes Chemiestandort Leuna durch Dr. Christof Günther und Dr. Ulrich Müller

August 2016

Seit Mai 2016 gibt es auch an den drei Chempark-Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld ein Energieeffizienz-Netzwerk. Bild: Currenta

Systeme bieten mehr Optimierungspotenzial als ihre Einzelteile. Was aus der Maschinentechnik längst gesicherte Erkenntnis ist, trifft ganz besonders auch auf komplexe Unternehmensgeflechte zu, wie sie in Chemieparks existieren. In den vergangenen 18 Monaten wurden in der Chemie vier Energieeffizienz-Netzwerke gegründet. Die darin verbundenen Unternehmen profitieren unter anderem vom Erfahrungsaustausch.

Der Netzwerk-Effekt ist beeindruckend: doppelt so hohe Energieeffizienz, doppelt so schnell zu höherer Energieproduktivität und im Schnitt jährlich 1.000 Tonnen weniger CO2-Emissionen. Diese Effekte erreichten knapp 400 Unternehmen, die vor einem halben Jahrzehnt der Fraunhofer-Initiative „30 Pilot-Netzwerke“ beigetreten waren und per systematischem Erfahrungsaustausch sogenannte „Lernende Energieeffizienz-Netzwerke“ geknüpft hatten. Die teilnehmenden Betriebe investieren bis heute mehr in wirtschaftliche Energie-Einsparpotenziale, steigern ihre Energieeffizienz im Vergleich zum Durchschnitt der Industrie doppelt so schnell und erfüllen zum Beispiel wesentliche Teile der Zertifizierung nach DIN ISO 50001. Zusammengenommen senken die Unternehmen in diesen Netzwerken den Energieverbrauch um etwa eine Million Megawattstunden pro Jahr – genug Energie, um mehr als 61.000 Haushalte mit Wärme und Strom zu versorgen.

Fünf Millionen Tonnen Treibhausgas einsparen

Kein Wunder, dass die Bundesregierung mehr davon will: Gemeinsam mit 18 Wirtschaftsverbänden haben Bundesumwelt- und  -wirtschaftsministerium deshalb bereits im Dezember 2014 vereinbart, dass Energieeffizienz-Netzwerke flächen­deckend eingeführt werden sollen: Bis 2020 sollen rund 500 neue Netzwerke entstehen. Jede dieser Gruppen besteht aus acht bis 15 Unternehmen, die sich vornehmen, durch Erfahrungsaustausch voneinander zu lernen, um ihre Energieeffizienz zeit- und kosteneffektiv zu steigern. So könnten bis 2020 rund fünf Millionen Tonnen Treib­hausgas bzw. 75 Petajoule Primärenergie eingespart werden.

Besonders effizient lassen sich solche Netzwerke in Industrie- und Chemieparks organisieren. Hier sind Netzwerk- und Verbundgedanken seit jeher ein wichtiger Faktor und über Standortkonferenzen und Arbeitskreise in der Regel auch schon ein Austausch zwischen den unterschiedlichen, am Standort tätigen Unternehmen gegeben. Doch so bestechend die Logik, so wichtig ist gleichzeitig, dass es am Standort jemanden gibt, der die Initiative ergreift. So lässt sich wahrscheinlich erklären, dass trotz eines vergleichsweise niedrigen Aufwands bislang lediglich drei von rund 50 deutschen Chemieparks ein Energieeffizienz-Netzwerk gegründet haben.

Chemieparks springen auf den Netzwerk-Zug auf

Den Anfang machte im April 2015 der Chemiestandort Leuna. Infraleuna als Energiedienstleister des Chemieparks gründete gemeinsam mit 15 energieintensiven Produzenten am Standort das „Energieeffizienz-Netzwerk Chemiestandort Leuna“.  „In puncto Energieeffizienz nimmt unser Chemiestandort Leuna bereits heute eine internationale Spitzenposition ein. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden im neuen Energieeffizienz-Netzwerk werden wir diese Position in den kommenden Jahren gemeinsam weiter ausbauen“, hofft Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der Infraleuna. Die Hochschule Merseburg ist Moderator und fachlicher Begleiter der Netzwerkarbeit. „Unser Netzwerk kombiniert die Stärken unserer Partner aus Wissenschaft, energieintensiver Industrie und Energiewirtschaft“, so Günther.

Heftausgabe: August 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Chefredakteur CHEMIE TECHNIK
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