Mit Networking zum smarten Sensor-Netzwerk

Namur diskutiert zweiten Kommunikationskanal parallel zu 4…20 mA

10.11.2015 Die Vision „Industrie 4.0“ vor Augen ist der Gesprächsbedarf unter den Prozessautomatisierern offenbar besonders groß: Mit 630 Teilnehmern konnte die Namur einen neuen Rekord für ihre Hauptsitzung verzeichnen. Im Mittelpunkt stand die neue Rolle der Prozessautomation in Anlagen der Industrie 4.0. Dabei wurde schnell klar: künftige „Cyber Physical Systems“ und der Einsatz smarter Sensoren setzen vor allem bei der Kommunikationstechnik ein Umdenken voraus.

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Dass in der Prozessautomatisierung einiges in Bewegung gekommen ist, zog sich wie ein roter Faden durch das diesjährige Anwendertreffen in Bad Neuenahr. Einerseits sorgt der Marktzwang zur flexiblen Produktion für Innovationsdruck, andererseits werden durch die vom Management in der Chemie geforderte Umsetzung der Vision Industrie 4.0 bisherige Paradigmen der Prozessautomatisierung in Frage gestellt. Eines davon ist die stringente Kommunikation mit Feldgeräten über nur zwei Drähte: Sowohl vom Sitzungssponsor Krohne als auch von der Namur selbst kam der Vorschlag, die Übertragung der zur Prozessteuerung notwendigen Messwertsignale von der Übermittlung komplexer Sensordaten zu trennen.

Um dieses zu erreichen, befürworten die Anwender inzwischen die Einführung eines weiteren Kommunikationskanals, der parallel zum klassischen 4…20 mA-Signal oder Feldbus-Netz genügend Bandbreite bietet, um umfangreiche Informationen von smarten Sensoren nutzbar zu machen. „Eine zweite Kommunikationsebe könnte eine Lösung für die Zukunft sein – und aus heutiger Sicht ist das Ethernet in the Field“, sagte beispielsweise der Namur-Vorstandsvorsitzende Dr. Wilhelm Otten.

Die Namur-Vorstände Dr. Matthias Fankhänel, BASF, und Dr. Thomas Steckenreiter, Bayer Technology Services, berichteten, dass Betriebsingenieure und -leiter bereits heute dazu übergehen, ihre Anlagen komplett mit Wlan-Routern auszuleuchten, um Bandbreite für die Übertragung von Daten und Informationen aus Geräten im Feld zu schaffen. „Der Zug ist bereits auf der Strecke – wenn sich die Automatisierung nicht darum kümmert, dann wird das von der Büro-IT in die Anlagen migrieren“, verdeutlicht Steckenreiter. Dass die Gespräche zu einer einheitlichen Ethernet-in-the-Field-Physik im Oktober zum Stillstand gekommen sind, wird von den Anwendern kritisiert. Die in der APL-Gruppe organisierten Hersteller hatten zuletzt einen im Juni gefundenen Kompromissvorschlag für eine künftige Lösung wieder verworfen.

Heftausgabe: Dezember 2015
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Armin Scheuermann, Redaktion
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