Diskussion um zweiten Kommunikationskanal parallel zu 4...20 mA

Namur-Hauptsitzung 2015

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10.11.2015 Über das Leitbild „Industrie 4.0“ ist in der Prozessautomatisierung einiges in Bewegung geraten.  Auf der Namur-Hauptsitzung wurde darüber diskutiert, dass der smarte Sensor künftig nicht nur zusätzliche Informationen zum Messwert und Gerätezustand liefern wird, sondern im Netzwerk komplette Dienste, wie beispielsweise eine Dosieraufgabe, übernimmt.  Die bisherige Arbeitsteilung zwischen Anwendern, Geräteherstellern und vor allem im Hinblick auf Automatisierungs-Systemanbieter wird dabei zum Teil in Frage gestellt – es entstehen neue Geschäftsmodelle.

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Kommentar
Killerapplikaton für Wireless?

Erinnern Sie sich noch an die Diskussion, ob Funkkommunikation über Wireless Hart oder ISA 100 in der Chemie sinnvoll ist, oder nicht? Was wurde noch vor wenigen Jahren über Standards gestritten, die Sinnfrage diskutiert und ausgerechnet, wie viele Mitarbeiter die Namur-Unternehmen zusätzlich einstellen müssen, um die Batterien der Drahtlosgeräte zu tauschen. Alles vom Tisch?
Auf der Namur-Hauptsitzung wurde recht entspannt berichtet, dass die Betriebe sowieso schon Fakten schaffen und ihre Anlagen mit W-Lan-Routern ausleuchten, um einen zweiten Kommunikationskanal für Diagnoseinformationen (für Asset Management) oder Breitband-Signale aus Analysatoren (zur Prozessoptimierung) zu schaffen – übrigens ohne sich auf Wireless Hart oder auf ISA 100 festzulegen. Was hat sich geändert, dass Funkkommunikation jetzt quasi durch die Hintertür kommen darf?
Einerseits ist offenbar der Nutzen im Hinblick auf Industrie 4.0 und Big Data so groß, dass dadurch endlich die „Killerapplikation für Wireless“ entsteht, die vor wenigen Jahren noch nicht zu sehen war. Und auf der anderen Seite ist das Paradigma einer Feldkommunikation für alle Geräteinformationen über zwei (vorhandene) Leitungsdrähte gefallen. Warum auch nicht: Batterien sind bei einem Gerät, das sowieso weiterhin klassisch per 4…20 mA angebunden bleibt, überflüssig. Und da eine kabelgebundene Ethernet-in-the-Field-Lösung noch in weiter Ferne ist, scheint eine Antenne derzeit viel wahrscheinlicher. Obwohl die Namur den zweiten Kommunikationskanal offiziel nur als Notlösung „duldet“, tut der Anwenderverein gut daran, sich dem Faktischen zu stellen und zu versuchen, Wildwuchs seitens der Betriebe einzudämmen. Denn sonst wird eine Basis-Forderung der Namur von der Praxis überholt werden: nur EIN Kommunikationsstandard pro Funktion.
Armin Scheuermann

Heftausgabe: Dezember 2015

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Armin Scheuermann, Redaktion
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