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Stellenabbau durch Industrie 4.0: VDMA widerspricht düsterer WEF-Prognose

21.01.2016 7 Mio. weniger Arbeitsplätze und nur 2 Mio. neue: eine düstere Prognose anlässlich des aktuellen World Economic Forum hat eine Diskussion über die negativen Folgen der Automatisierung in Gang gebracht. Der Maschinenbau-Verband VDMA hat der Vision aus Davos nun vehement widersprochen.

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Wenn die Maschinen sich untereinander verständigen können, wird der Mensch überflüssig. Oder doch nicht? (Bild: carloscastilla – Fotolia)

„Die düstere Vision, die in dieser Studie beschrieben wird, können wir überhaupt nicht teilen“, sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Große Automationswellen in den vergangenen Jahrzehnten haben weder zur Auslöschung von Berufen geführt noch die Beschäftigung insgesamt verringert. Steigende Produktivität führt zu mehr Wohlstand und damit zu einer erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften.“

Laut der WEF-Studie, über die wir am Montag berichtet haben, werden in Summe aufgrund rapider technologischer Fortschritte weltweit 5,1 Mio. Arbeitsplätze wegfallen. Deutschland ist nach Meinung des VDMA jedoch ein Gegenbeispiel für diese These: Die deutsche Volkswirtschaft besitzt die dritthöchste Roboterdichte der Welt und hat dennoch einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Der Verband zitiert in einer Pressemeldung vom Donnerstag den Arbeitsmarktforscher David Autor vom MIT, der Substitutionseffekte als von von Experten „regelmäßig überbewertet“ sieht, komplementäre Effekte hingegen als für „unterbewertet“ dargestellt sieht.

„Neue Automatisierungsansätze der Industrie 4.0“, so der VDMA, „setzen auf die Kombination spezifisch menschlicher und maschineller Stärken. Deutlich wird dies im Trend der Mensch-Roboter-Kollaboration, bei der beide Partner Hand in Hand arbeiten. Während der Roboter schwere Teile hält und präzise positioniert, konzentriert sich der Mensch auf Aufgaben, die besonderes Geschick, Feingefühl und Flexibilität erfordern. Menschliche Arbeit wird dabei nicht ersetzt, sondern unterstützt.“

Nicht Berufe werden automatisiert, sondern Tätigkeiten
Unter Bezug auf bekannte Analysen und Studien erwartet der Verband, dass durch die fortschreitende Automatisierung Berufe in der Regel nicht entfallen, sondern sich verändern: „Automatisierungstechnik übernimmt Routinetätigkeiten und macht den Menschen produktiver.“ Analysen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) zufolge werden lediglich 9 bis 15 Prozent der Berufe hauptsächlich hoch automatisierbare Tätigkeiten umfassen. „Neu entstehende Berufe und Tätigkeiten können dies auf dem Arbeitsmarkt kompensieren“, zitiert der Verband. Die Analyse des WEF sieht der VDMA auf wackeligen Beinen: Die Methode der Befragung von Personalleitern von global aufgestellten Unternehmen erlauben „keine präzise quantitative Aussage über weltweite Netto-Beschäftigungseffekte“, so der Verband.

Den CT-Bericht zur WEF-Studie finden Sie hier.
(as)

 

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