Portfolioanpassung in Europa

Covestro strukturiert Polycarbonat-Produktion in Antwerpen neu

Covestro NV will die Polycarbonat-Produktion am Standort Antwerpen neu aufstellen, um dessen langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Grund für die Umstrukturierung sind die grundlegend veränderten Marktbedingungen in Europa.

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Luftbild des Covestro-Standorts in Antwerpen
Covestro-Standort Antwerpen

Das Unternehmen beabsichtigt, die Polycarbonat-Produktion von bislang vier auf eine Produktionslinie zu konzentrieren und die Produktion des Polycarbonat-Vorprodukts Bisphenol A (BPA) am Standort einzustellen.  „Die europäische Chemieindustrie steht an einem Scheideweg. Die strukturellen Herausforderungen sind erheblich, und die Marktbedingungen haben sich grundlegend verändert. Um die Zukunft unserer Produktion in Europa zu sichern, müssen wir unser Portfolio gezielt dort anpassen, wo wir langfristig wettbewerbsfähig sein können“, sagt Markus Steilemann, Vorstandsvorsitzender von Covestro. „Ein solcher Schritt fällt uns nicht leicht. Wir sind uns bewusst, welche Auswirkungen die beabsichtigten Maßnahmen auf unsere Kolleginnen und Kollegen in Antwerpen haben könnten, sofern die Absicht bestätigt wird. Covestro NV wird den weiteren Prozess verantwortungsvoll gestalten und die beabsichtigten Maßnahmen offen und konstruktiv mit den lokalen Arbeitnehmervertretern erörtern.“

Struktureller Marktdruck auf europäische Polycarbonate

Die Ankündigung verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen, vor denen die europäische Chemieindustrie derzeit steht. Hohe Produktions- und Energiekosten, eine schwache Nachfrage und der zunehmende internationale Wettbewerb setzen die Wettbewerbsfähigkeit Europas weiter unter Druck. Bislang ist es der europäischen Industriepolitik nicht gelungen, diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen und die bestehenden Wettbewerbsnachteile abzubauen.

Gleichzeitig haben erhebliche Kapazitätserweiterungen, insbesondere in Asien, zu anhaltenden weltweiten Überkapazitäten bei Standard-Polycarbonaten geführt. Infolgedessen ist die Anlagenauslastung deutlich zurückgegangen und wird voraussichtlich auch auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau bleiben. Vor diesem Hintergrund verzeichnet Covestro NV am Standort Antwerpen seit 2022 zunehmende Verluste. Die derzeitige Aufstellung ist damit aus der Sicht des Unternehmens wirtschaftlich nicht länger tragfähig. Covestro NV ist überzeugt, dass ohne entsprechende Maßnahmen die langfristige wirtschaftliche Zukunft des Standorts Antwerpen gefährdet wäre.

Klare Zukunftsperspektive für den Standort Antwerpen 

Covestro NV sieht den Standort Antwerpen auch künftig als wichtigen Bestandteil des europäischen Produktions- und Innovationsnetzwerks. Der Großteil der Aktivitäten am Standort soll unverändert fortgeführt werden und ist von den beabsichtigten Maßnahmen nicht betroffen. Die verbleibende Polycarbonat-Produktionslinie soll sich künftig auf höherwertige Spezialprodukte wie das hitzebeständige APEC® konzentrieren. Auch die bereits angekündigte Investition in eine neue Anilin-Produktionsanlage würde wie geplant fortgesetzt und die Rolle Antwerpens als zentralen Anilin-Produktionsstandort in Europa stärken. Die Polyether-Produktion bleibt von den beabsichtigten Maßnahmen ebenso unberührt wie das Technologiezentrum in Antwerpen, das eine zentrale Rolle bei der weltweiten Weiterentwicklung der Prozesstechnologie für Polycarbonate spielt.

„Die wettbewerbsfähige Produktion von Standardprodukten in Europa wird zunehmend schwieriger. Gleichzeitig sehen wir weiterhin attraktive Perspektiven im Bereich hochwertiger Spezialmaterialien“, sagt Thorsten Dreier, Technologievorstand von Covestro. „Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, brauchen wir eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur, die uns zugleich den nötigen Spielraum für Investitionen in Innovationen und Zukunftstechnologien bietet. Mit der beabsichtigten Neuausrichtung und der Fortsetzung der Investition in eine neue Anilin-Produktionsanlage will Covestro NV die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Antwerpen stärken.“

Informations- und Konsultationsprozess beginnt 

Von den beabsichtigten Maßnahmen könnten bis zu 260 der derzeit rund 970 Mitarbeitenden am Standort betroffen sein, sowohl in der Produktion als auch in unterstützenden Funktionen. Covestro NV leitet nun das gesetzlich vorgeschriebene Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern ein. Eine endgültige Entscheidung wird erst getroffen, wenn dieses Verfahren abgeschlossen ist und die Ergebnisse sorgfältig geprüft wurden.