Streik

Die Einschätzung zur Situation unterscheidet sich zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften deutlich. (Bild: Andrii Yalanskyi – stock.adobe.com)

Die Runde in Hessen ist die bundesweit erste regionale Verhandlung im Rahmen der diesjährigen Chemie-Tarifrunde – und können als Fingerzeig für die folgenden regionalen und bundesweiten Verhandlungen gelten.

In ihren Forderungen orientiert sich die die Tarifkommission Chemie Hessen der Gewerkschaft IG BCE weitgehend an dem vor gut einer Woche auf Bundesebene beschlossenen Forderungskatalog. So fordert die Gewerkschaft in Hessen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter, „die sicherstellt, dass die Kaufkraft der Beschäftigten in der Chemieindustrie nachhaltig gesteigert wird“ – das heißt, eine Steigerung, die über der Inflationsrate liegt. Diese betrug im Februar nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 5,1 % im Vergleich zum Vorjahr.

Außerdem will die Gewerkschaft eine Erhöhung der Schichtzuschläge für die besonders belastenden Nachtschichten auf einheitlich 25 % erreichen. Eine weitere Forderung sieht vor, die mobile Arbeit für die Chemiebeschäftigten „gut zu gestalten“. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, die Bedingungen für die Arbeit im Home Office zu regeln – etwa was die Ausstattung, Arbeitszeiten und die Erreichbarkeit von Beschäftigten angeht. Zuletzt will die Gewerkschaft auch den Ausbildungs-Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“ weiterentwickeln.

„Fass ohne Boden“: Chemie-Arbeitgeber weisen Forderungen zurück

Die Vorstellungen der Arbeitgeber über den Chemietarif 2022 gehen in eine ganz andere Richtung. Der Spaltpilz besteht dabei in der Beurteilung der ökonomischen Lage der Chemie-Unternehmen. Während die Gewerkschaft von einer „guten wirtschaftlichen Entwicklung“ mit hoher Auslastung und steigenden Umsätzen spricht, weist der Arbeitgeberverband Hessenchemie dies als „viel zu positive Konjunkturbewertung“ zurück.

Vielmehr stünden die Unternehmen vor zahlreichen Problemen wie massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten sowie Logistikproblemen. Trotz der deutlichen Erholung der letzten Monate läge die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie nach Rezessionsverlusten und Corona-Krise noch nicht wieder auf Wachstumskurs.

Und selbst wenn es wieder zu höheren Erträgen kommen, benötige man diese, „um die Herausforderungen Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und den demografischen Wandel finanzieren zu können“, erklärte Hessenchemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer. Hier sind Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe erforderlich. Die Gewerkschaft hält dagegen: „Ohne qualifizierte und motivierte Belegschaften werden Sie die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigen. Dazu gehört auch gute Bezahlung“, erklärte die hessische Verhandlungsführerin Sabine Süpke.

Auch beim bundesweiten Arbeitgeberverband BAVC hält jedoch man wenig von den Forderungen der Gewerkschaft. Verhandlungsführer Hans Oberschulte bezeichnete diese zuletzt als „Fass ohne Boden“. Auch hier sieht man zu wenig beachtet, dass die explodierenden Preise für Strom, Gas und Öl die Unternehmen sogar noch stärker träfen als die Chemiebeschäftigten. „Je höher die Inflation, desto tiefer sollen die Unternehmen in die Tasche greifen. Das würde bedeuten, die Tarifpolitik von der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Branche abzukoppeln“, erklärte Oberschulte. Die derzeit überzeichnete Inflation könne nicht der Maßstab für die Verhandlungen sein.

Die unterschiedlichen Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern bilden eine spannende Ausgangssituation für die nun startenden Tarifverhandlungen. Nach dem Start in Hessen stehen zunächst weitere regionale Runden an, bevor am 21. März in Hannover erstmals auf Bundesebene gesprochen wird.

Zeitplan der Tarifverhandlungen #Chemie22

  • 2. März: Erste regionale Verhandlung für Hessen in Wiesbaden
  • 3. März: Regionale Runde Rheinland-Pfalz in Mainz
  • 4. März: Regionale Runde Nordrhein
  • 8. März: Regionale Runde Nord in Hannover
  • 9. März: Regionale Runde Baden-Württemberg in Karlsruhe
  • 10. März: Regionale Runde Bayern
  • 14. März: Regionale Runde Landesbezirk Nordost
  • 15. März: Regionale Runde Saarland
  • 16. März: Regionale Runde Westfalen
  • 21. März: Start der bundesweiten Verhandlungen in Hannover       

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