Mehrweg-Behältersystem für Pflanzenschutzmittel

Das Mehrweg-Behältersystem für Pflanzenschutzmittel zeichnet sich durch seine digitale Rückverfolgbarkeit und die sichere Handhabung aus. Bilder: Schäfer Container Systems

| von Christof Ermert, Vertriebsleiter Schäfer Container Systems
  • Pflanzenschutzmittel müssen sicher verpackt und rückverfolgbar sein.
  • Mit einem Mehrweggebinde-System wird die Rückverfolgung vereinfacht.
  • Gleichzeitig reduziert der Gefahrgutbehälter Risiken für den Anwender.

Als Antwort auf den Green Deal der EU-Kommission haben die Mitgliedsunternehmen des europäischen Verbandes der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) im Herbst 2020 ihre „2030 Commitments“ vorgestellt. Die Agenda der Selbstverpflichtungen umfasst die Bereiche Innovation und Investitionen, Kreislaufwirtschaft sowie Umwelt- und Anwenderschutz. Um die Exposition der Anwender im Pflanzenschutz zu minimieren und die Umwelt frei von Kontaminationen zu halten, hat sich die Pflanzenschutz­industrie gegenüber der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG AGRI) verpflichtet, landwirtschaftliche Sicherheits- und Umwelttechnik bis 2030 flächendeckend für alle europäischen Landwirte und deren Anwender verfügbar zu machen.

Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelt Sumi Agro zusammen mit verschiedenen Systempartnern das sogenannte Easymatic-System – bestehend aus Gefahrgutbehälter mit integrierten Transpondern, Software und geschlossenem Transfer- bzw. Entnahmesystem. Bei der Systemintegration wirken der IBC-Hersteller Schäfer Container Systems sowie der deutsche Technologie-Spezialist für Pflanzenschutzmittelbehandlung Agrotop mit. Auf diese Weise sollen über Jahrzehnte erfolgreich angewandte und bereits ausgereifte Teilsysteme nun in einem Gesamtkonzept vereint werden. Beim Behälter handelt es sich dabei um einen Mehrweg-Variotainer speziell für Pflanzenschutzmittel mit der UN-Gefahrgutzulassung nach UN 1A1/X1.3.

Ein entscheidendes Kriterium für Pflanzenschutzprodukte ist deren Verpackung und Rückverfolgbarkeit. Dies erforderte bisher, händisch ein Register über die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (EG-Verordnung Nr. 1007/2009) zu führen. Letzteres lässt sich mit dem neuen System nun vollständig digital abbilden und automatisieren. Dazu musste das Rad nicht neu erfunden werden. Der neue Ansatz ist durch die Integration von Einzelkomponenten und der Kombination aus smartem Mehrweggebinde mit der entsprechenden Software entstanden.

„Das System reduziert potenzielle Risiken wie Verschütten und Spritzen während des Einfüllens in die Pflanzenschutz-Einspülschleuse des landwirtschaftlichen Spritzbehälters“, erklärt Reinhard Appel, General Manager der deutschen Niederlassung Deutschland von Sumi Agro im oberbayerischen Allershausen bei Freising. Sein Unternehmen will sich damit auf dem europäischen Pflanzenschutzmittelmarkt von seinen Wettbewerbern deutlich abheben.

Edelstahlbehälter als Technologieträger

Der Variotainer, der im System zum Einsatz kommt, besteht aus einer 100-%-Edelstahlfassblase mit robusten Kopf- und Fußringen aus Polypropylen (PP). Diese sind mittels Sicherheits-Clip-Technik an der Fassblase fixiert und können bei Bedarf vom Hersteller ausgetauscht werden. Der Gefahrgutbehälter ist in Größen von 10 bis 200 l erhältlich. Größere Behälter für vergleichbare Anwendungen sind in Volumina von 500 bis 1.000 l verfügbar.

Bei Sumi Agro wird aktuell der 50-l-Variotainer mit einem Leergewicht von unter 10 kg eingesetzt. Die stapelbaren Edelstahlfässer kommen dabei bereits fertig montiert mit Korbfitting, RFID-Tag und NFC-Modul. Die beiden Transponder befinden sich fest verbaut im Kopfring der Fässer. Die Erfahrung aus dem vergleichbar harschen Einsatz im Brauereibereich legt nahe, dass die durchschnittliche Lebensdauer des Mehrwegbehälters bei über 20 Jahren liegt.

Der Technologieträger des Easymatic-Systems ist also die Gebindeeinheit, bestehend aus Variotainer und den beiden Transpondern sowie dem Edelstahlkorbfitting. Alles Weitere wird über das passende Entnahmesystem von Agrotop und die Easymatic-Software realisiert – sowohl beim Anwender mittels App auf handelsüblichen Mobilfunkgeräten mit NFC-Funktionalität als auch auf Seiten des Backends im Servernetzwerk von Sumi Agro. In Summe wird die komplette Gebindehistorie modifikationssicher abgebildet.

Durch die integrierten Transponder ist jeder Gefahrgutbehälter elektronisch eindeutig gekennzeichnet. Nach der ersten Registrierung kann das Gebinde über die gesamte Lebensdauer rückverfolgt, verwaltet und kontrolliert werden. Los- und Chargenkennzeichnung, Bestandskontrolle, Lagerverwaltung, Behälterverfolgung im Markt, innerbetriebliche Logistik und Anwender – alles digital mit großer Effizienz, insbesondere bei den Händlern und Landwirten. Eine fehlerbehaftete manuelle Protokollierung entfällt.

Logistik- und Umweltvorteil in der Agrarwirtschaft

Das System besteht aus Gefahrgutbehälter mit integrierten Transpondern, Software und geschlossenem Transfer- bzw. Entnahmesystem.
Das System besteht aus Gefahrgutbehälter mit integrierten Transpondern, Software und geschlossenem Transfer- bzw. Entnahmesystem. Bilder: Schäfer Container Systems

Die für den Anwender zum Lesen freigegebenen Daten sind inklusive der produktspezifischen Informationen wie etwa der sachgerechten Anwendung per Knopfdruck mittels Handy oder Tablet abrufbar. Das erleichtert die sichere Produktanwendung vor Ort. Zudem steuert die App die logistischen Vorgänge, d. h. die Initiierung der Rückholung leerer Gebinde und die Bestellung neuer Gebinde inklusive präferierten Terminen – das alles ohne einen Telefonanruf zu tätigen oder ein Fax zu versenden.

Traciafin (Prothioconazol) von Sumi Agro ist das erste Pflanzenschutzmittel, welches auf dem Agrarmarkt in dem Mehrwegsystem erhältlich ist. Der Wirkstoff hemmt die Biosynthese von Schadpilzen, insbesondere im Getreide. Je nach Kultur werden 0,7 bis 0,8 l/ha Ackerfläche benötigt. Folglich können mit einem einzigen 50-l-Variotainer Traciafin über 62 ha (etwa 85 Fußballfelder) Anbaufläche behandelt werden.

Mit den bis dato noch üblichen Einweggebinden aus HDPE oder COEX müssen bei einer handelsüblichen Kleingebindegröße von 5 l hierfür zehn Gebinde geöffnet, geleert, restentleert, vorgewaschen und über das verbindliche Pamira-System (Packmittelrücknahme Agrar, Rücklaufquote von 80,4 % im Jahr 2019) entsorgt werden. 2019 wurden insgesamt 2.955 t „restentleerte“ und vom Landwirt vorgespülte Pflanzenschutz- und Flüssigdünger-Verpackungen zurückgenommen.
„Eine 50-Liter-Füllung mit dem Fungizid Traciafin hat einen Marktwert von ca. 2.500 Euro. Schon deshalb, aber auch aus Umweltschutzgründen ist die Verwendung eines robusten, sicherheitstechnisch zugelassenen Mehrwegsystems von Relevanz. Zumal sich bei Füllkosten im vierstelligen Euro-Bereich diese wirtschaftliche und für die Umwelt nachhaltige Lösung geradezu aufdrängt“, argumentiert Reinhard Appel, diesmal nicht als Niederlassungsleiter, sondern als praktizierender Landwirt aus der Sicht eines Kunden.

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