Energiesicherheit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
Europäische Industrie fordert beschleunigten Biomethan-Hochlauf
Angesichts hoher Energiepreise haben Cefic und weitere führende Industrieverbände die „Joint Biomethane Declaration“ unterzeichnet – ein Signal an die EU-Politik, Biomethan als strategischen Baustein für Energiesicherheit und Klimaneutralität massiv zu fördern.
Biomethan soll als regenerative Energiequelle die Energiesicherheit der europäischen Industrie unterstützen.
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Die europäische Industrie steht unter enormem Druck, da steigende Kosten die Kapazitäten für notwendige Investitionen in den Klimaschutz schmälern. Biomethan wird dabei als eine der wenigen erneuerbaren und kohlenstoffarmen Energie- und Rohstoffquellen angesehen, die bereits heute in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden können. Besonders für die chemische Industrie ist Biomethan essentiell, da viele Prozesse auch künftig auf gasförmige Moleküle als Energieträger und chemische Grundbausteine angewiesen sein werden. Ein skalierter Einsatz würde nicht nur die Abhängigkeit von Erdgasimporten verringern, sondern durch Koppelprodukte wie biogenes CO₂ und nährstoffreiche Gärreste auch die europäischen Kreislaufwirtschaftsziele unterstützen.
Kerninhalte und Forderungen der Erklärung
Um das volle Potenzial von Biomethan auszuschöpfen und die derzeitige Preislücke zu fossilem Erdgas zu schließen, skizziert die Deklaration zehn Prioritäten für ein beschleunigtes Rollout. Ein zentraler Aspekt ist die Forderung nach einer gezielten finanziellen Unterstützung auf EU-Ebene, etwa durch die Einrichtung einer sogenannten „Biomethan-Bank“ nach dem Vorbild der EU-Wasserstoffbank, um Skaleneffekte zu erzielen und langfristige Abnahmeverträge (BPAs) abzusichern. Parallel dazu müssen regulatorische Hürden abgebaut werden, indem administrative Barrieren für die grenzüberschreitende Zertifizierung und den Handel beseitigt sowie Biomethan-Herkunftsnachweise im Corporate- und Produkt-Fußabdruck anerkannt werden, damit der Nutzen des industriellen Einsatzes für Endverbraucher sichtbar wird.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Infrastruktur und der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Netzanschlüsse, beispielsweise durch die Einrichtung von „One-Stop-Shops“ sowie eine integrierte Netzplanung. Zudem plädiert die Industrie dafür, finanzielle Anreize für kreislauffähige Produkte zu schaffen und die Unterstützung vorrangig auf energieintensive und schwer dekarbonisierbare Sektoren zu konzentrieren, für die eine reine Elektrifizierung keine ausreichende Lösung darstellt. Mit diesem Maßnahmenpaket will die Industrie die Resilienz Europas stärken und den Weg zur Klimaneutralität ebnen, ohne die industrielle Basis zu gefährden.
Die vollständige Erklärung ist über die Website des Cefic zugänglich.