Herren stecken Kopf in den Sand

Geschäftsmodell des Monats. Bild: Photobank – stock.adobe.com

Ihr hohes Alter macht der Ölindustrie zunehmend zu schaffen: So sehr die Spekulationsblase auch drückt, der Ölpreis kommt einfach nicht mehr richtig hoch. Da wächst verständlicherweise die Sehnsucht nach etwas Jüngerem und Frischerem. Doch was tun, wenn die Jugend sich gar nicht mehr dafür interessiert, wer den größten Bohrturm hat, sondern stattdessen immer lauter „Leave it in the ground“ fordert? Neue Geschäftsmodelle müssen her!

Eine gute Nachricht vorweg: Deutschland gehört erneut zu den Innovationsführern in diesem Bereich! Der deutsche Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea (Wir erinnern uns: die Erfinder der klimaneutralen Ölförderplattform) macht jetzt Ernst mit Klimaschutz, also zumindest ein bisschen, ein Ernstchen gewissermaßen. Zwar sollen Öl und Gas vorerst nicht im Boden bleiben, derart drastische Ideen überfordern das alte Herz dann doch. Aber zumindest der Abfall aus der Ölförderung, namentlich dieses fiese Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) soll zurück dahin, woher das Öl kommt. Denn vor allem für einen hohen CO2-Ausstoß wird man derzeit ja so unangenehm angefeindet. Also aus den Augen, aus dem Sinn damit.

Erstmal weg mit dem Zeug

Zu diesem Zweck beteiligt sich der Ölkonzern zusammen mit der Energiesparte des Chemiekonzerns Ineos (Wir erinnern uns: der Laden von Jim Ratcliffe, dem Retter vom Aussterben bedrohter Geländewagen) an einem Projekt zur CO2-Einlagerung unter der dänischen Nordsee. Abfall im Meer zu versenken war ja schon immer eine gute Idee. CCS, Carbon Capture and Storage, heißt das Rezept. „Storage“ ist zwar irreführend, da das Zeug am besten verschwinden soll, und nicht etwa für schlechte – besser gesagt, noch schlechtere – Zeiten eingelagert wird. Aber egal, Hauptsache erstmal weg mit dem Zeug.

In einem Pilotprojekt sollen wunschgemäß zunächst bis zu eine Million Tonnen CO2 pro Jahr unter der Nordsee verschwinden. Wenn die dänische Regierung es erlaubt und obendrein noch ein paar Kronen an Fördergeldern locker macht, kann es noch in diesem Jahr losgehen. Bis 2030 möchten die Betreiber dann sogar bis zu acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr entsorgen. Das entspricht einem Viertel der jährlichen Emissionen von ganz Dänemark. Wintershall Dea will bis 2030 übrigens vollständig emissionsneutral operieren, bis dahin müssen also noch ein paar weitere tiefe Keller zum Leichen verstecken ausgehoben werden.

Warum ein britisches Chemieunternehmen und ein deutscher Ölkonzern sich überhaupt Gedanken um die dänischen Treibhausgas-Emissionen machen, sei dahingestellt. Vielleicht haben sie zuhause nicht genug eigenes CO2, vielleicht zahlen die Dänen aber auch einfach besser. Immerhin geht es hier um subventionsgestützte Geschäftsmodelle, da soll schließlich auch ein bisschen Geld rausspringen. Wenn die CO2-Fänger es schlau einfädeln, können sie vielleicht sogar einen ähnlichen Deal rausschlagen wie die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke: erst Energie vermarkten, und sich dann dafür bezahlen lassen, dass man hinterher den eigenen Dreck auch wegräumt.

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