CT-Umfrage: Wie der Anlagenbau in politisch unsicheren Zeiten auf Transformation setzt
Politische Risiken, hohe Energiepreise und zögerliche Investitionen bremsen aktuell den Anlagenbau. Doch gerade jetzt setzen viele Unternehmen auf Digitalisierung, Standardisierung und neue Geschäftsmodelle. Das zeigen die Ergebnisse einer exklusiven Umfrage unter Führungskräften des Anlagenbaus.
Politische Unsicherheiten und
Energiepreise stehen ganz oben auf der Risikoliste der Anlagenbauer.
Die Erwartungen an den Auftragseingang
sind deutlich vorsichtiger als im Vorjahr.
Standardisierung, Modularisierung und
KI gelten als wichtigste Hebel für mehr Produktivität im Engineering.
Investitionen in Industrieanlagen brauchen einen langen
Atem – manchmal über Jahrzehnte. Genau deshalb sind stabile Rahmenbedingungen für
den Anlagenbau entscheidend. Doch genau hier liegt derzeit das Problem. In der
aktuellen CHEMIE-TECHNIK-Umfrage nennen Führungskräfte aus dem Anlagenbau
politische Unsicherheiten erneut als größte Herausforderung für ihr Geschäft.
Dahinter folgen steigende Energiepreise und ein Mangel an Aufträgen. Bürokratie,
Fachkräftemangel sowie Handelskonflikte komplettieren die Liste der größten
Risiken.
Politische Unsicherheiten, Fachkräftemangel und Mangel an Aufträgen sind derzeit die größten Herausforderungen für den Anlagenbau.Redaktion
Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Gewichtung leicht
verschoben: 2025 standen nach politischen Risiken vor allem Fachkräftemangel
und steigende Zulieferpreise im Mittelpunkt – Energiepreise spielten damals
eine geringere Rolle. Heute rücken Energiepreise und geopolitische Spannungen
stärker in den Vordergrund. Für viele Anlagenbauer stellt sich inzwischen eine
grundsätzliche Frage: Wie wettbewerbsfähig bleibt Europa als Industriestandort?
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Stimmungsbild: Zustimmung zu vorgegebenen ThesenRedaktion
Auftragseingang: Der Optimismus schwindet
Die Unsicherheit spiegelt sich auch in den Erwartungen für
das noch junge Geschäftsjahr wider. Für 2026 rechnet knapp die Hälfte der
befragten Unternehmen mit stagnierenden Auftragseingängen. Rund ein Viertel
erwartet Wachstum – ein ähnlich großer Anteil geht dagegen von rückläufigen
Aufträgen aus. Das ist ein deutlich vorsichtigeres Bild als im Vorjahr. Damals
erwarteten noch 40 % der Unternehmen steigende Aufträge, während lediglich 15 %
einen Rückgang prognostizierten.
Die Befragten rechnen mit Blick auf den Auftragseingang 2026 mit ...Redaktion
Der Anlagenbau befindet sich damit offensichtlich in einer Übergangsphase.
Investitionen in Energieinfrastruktur, Wasserstoffprojekte oder neue
Industrieanlagen werden zwar grundsätzlich erwartet – doch viele Projekte
verschieben sich. Unsichere politische Rahmenbedingungen, regulatorische Fragen
oder fehlende Business Cases bremsen derzeit die Dynamik.
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Energieerzeugung, Rechenzentren, Sicherheitsindustrie sowie Speichertechnologien werden für den Anlagenbau wichtiger, Chemie, Pharma und Raumfahrt verlieren an Bedeutung.Redaktion
Engineering wird standardisiert und beschleunigt
Während sich die Marktperspektiven eintrüben, bleibt der
Innovationsdruck hoch. Besonders deutlich zeigt sich das bei den
technologischen Hebeln für mehr Produktivität im Engineering. Ganz oben auf der
Prioritätenliste stehen Standardisierung und Modularisierung. Sie gelten vielen
Anlagenbauern als Schlüssel, um Projekte schneller und kosteneffizienter
umzusetzen. Dahinter folgen Themen wie KI-gestütztes Engineering, integrierte
Datenplattformen und automatisierte Angebotskalkulation. Die Branche versucht
damit zunehmend, ihre traditionelle Projektlogik zu verändern.
KI, Standardisierung, Modularisierung und digitale Zwillinge gehören zu den wichtigsten Technologien, mit denen der Anlagenbau seine Performance steigert.Redaktion
Der Anlagenbau war lange ein Geschäft der
Einzelanfertigungen. Heute wächst der Druck, Engineering-Prozesse stärker zu
standardisieren – mit Plattformen, wiederverwendbaren Modulen und durchgängigen
Datenmodellen. „Der Anlagenbau muss lernen, Projekte stärker zu
industrialisieren. Standardisierte Module sind der Schlüssel zu kürzeren
Projektlaufzeiten“, konkretisiert ein Teilnehmer der CT-Umfrage.
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Dazu kommt auch eine strukturelle Transformation: EPC- und
EPCM-Lieferanten sollen zunehmen auch die Verantwortung für frühe Projektphasen
und die komplette Projektsteuerung übernehmen.
KI verändert das Engineering – langsam, aber sicher
Ein zentrales Thema der Umfrage ist der Einsatz von Künstlicher
Intelligenz. Treiber sind dabei Produktivitätsgewinne und der Fachkräftemangel.
Viele Unternehmen sind überzeugt, dass KI ihre Engineering-Prozesse in den
kommenden Jahren grundlegend verändern wird – etwa in der Planung,
Dokumentation oder Angebotsphase. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein bekanntes
Problem der Digitalisierung: Technologie allein reicht nicht aus. Der
eigentliche Engpass liegt häufig in der Datenbasis. Ohne konsistente
Engineering-Daten, integrierte Plattformen und durchgängige Datenmodelle bleibt
der Nutzen von KI begrenzt.
Die Branche steht damit vor einer doppelten Transformation:
Sie muss nicht nur neue Technologien einführen, sondern auch ihre
Datenstrukturen und Arbeitsprozesse grundlegend modernisieren. Ein Befragter
bringt es auf den Punkt: „Künstliche Intelligenz wird das Engineering verändern
– aber nur, wenn wir unsere Datenstrukturen endlich konsequent digitalisieren.“
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Märkte im Wandel
Auch geografisch verschieben sich die Perspektiven. In der
Umfrage melden die Unternehmen vor allem für Europa, Indien und das übrige
Asien eine wachsende Bedeutung, während China häufiger als Markt mit
abnehmender Relevanz genannt wird. „Wir sehen eine stärkere Regionalisierung
der Märkte. Unternehmen versuchen, geopolitische Risiken durch breiter
diversifizierte Marktportfolios zu reduzieren“, bringt es ein Teilnehmer der
CT-Umfrage auf den Punkt.
Indien, Asien und Europa werden für den Anlagenbau – wie auch schon 2025 – wichtiger.Redaktion
Gleichzeitig bleiben Indien und andere asiatische Märkte
wichtige Wachstumstreiber. China wird dagegen zunehmend kritischer gesehen.
Handelsbarrieren, politische Spannungen und stärker werdende lokale
Wettbewerber verändern hier die Marktbedingungen.
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Viele Unternehmen reagieren darauf mit einer vorsichtigeren
Globalisierungsstrategie. Statt auf wenige große Märkte zu setzen, versuchen
sie ihre regionale Präsenz breiter zu diversifizieren.
Partnerschaften statt Einzelkämpfer
Parallel dazu verändert sich auch das Geschäftsmodell
vieler Anlagenbauer. Die klassische EPC-Rolle bleibt zwar für viele Unternehmen
das Fundament ihres Geschäfts – doch sie wird zunehmend ergänzt. Besonders häufig
nennen die Befragten stärkere Projektpartnerschaften als Zukunftsmodell. „Viele
Projekte lassen sich heute nur noch in Partnerschaften stemmen. Kooperation
wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, konstatiert ein Umfrage-Teilnehmer.
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Projektpartnerschaften spielen eine wesentliche Rolle in der Transformation der Geschäftsmodelle des Anlagenbaus.Redaktion
Doch auch Service- und Lifecycle-Geschäft sowie
datenbasierte Geschäftsmodelle gewinnen an Bedeutung. Ein weiterer Trend ist
die Entwicklung kompletter Technologiepakete statt rein projektbezogener
Leistungen. Anlagenbauer positionieren sich damit stärker als
Systemintegratoren und Lösungsanbieter.
Fazit: Eine Branche im Umbruch
Für den Anlagenbau galt schon immer: Nichts ist beständiger
als der Wandel. Politische Unsicherheiten, volatile Märkte und steigende Kosten
erschweren das Projektgeschäft. Gleichzeitig wächst der Druck,
Engineering-Prozesse effizienter zu machen und neue Geschäftsmodelle zu
entwickeln. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen jedoch auch eine Branche, die
ihre Transformation aktiv gestaltet: mit stärker standardisierten
Engineering-Prozessen, neuen Kollaborationsmodellen und dem zunehmenden Einsatz
digitaler Technologien.
Save the Date – 12. Engineering Summit 2026
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage werden auch den 12. Engineering Summit (15. und 16. September, Darmstadt) prägen. Auf dem wichtigsten Branchentreffpunkt für den Anlagenbau im deutschsprachigen Raum diskutieren hochkarätige Branchenvertreter aktuelle Herausforderungen und Perspektiven:
Wettbewerbsfähigkeit – Was macht den Anlagenbau stark am Standort Europa?
KI, Automatisierung und autonome Anlagen – Wo liegt die Zukunft des Anlagenbaus?
Engineering the Future – Welche Skills sind im Anlagenbau gefragt?
Disruptiv oder inkrementell – Wie wird der Anlagenbau produktiver?
Top-Speaker aus Industrie, Politik und Forschung liefern Impulse, Best Practices und kontroverse Debatten – ergänzt durch Networking-Sessions und eine Fachausstellung. Der Engineering Summit bietet damit einmal mehr die Plattform, um Trends zu setzen und Projekte der Zukunft auf den Weg zu bringen.