Anlagensicherheit hat oberste Priorität
Insolvente Domo Chemicals fährt Anlagen in Leuna im Minimalbetrieb
Die Produktion an den deutschen Standorten der Domo Chemicals-Gruppe wird vorerst in einem Minimalbetrieb weitergefahren. Das Land Sachsen-Anhalt hat den Weiterbetrieb der Produktionsanlagen in Leuna aus Gründen der Gefahrenabwehr angeordnet.
Das Land Sachsen-Anhalt hat den Weiterbetrieb der Produktionsanlagen in Leuna aus Gründen der Gefahrenabwehr angeordnet.
Domo Chemicals
Update vom 21.01.2026: Hintergrund für den Minimalbetrieb in Leuna ist, dass ein sicheres Herunterfahren der Produktionsanlagen in bei den aktuellen Wetterbedingungen nicht umgesetzt werden kann. Um Gefahren für Mensch und Umwelt zu vermeiden, müssen die Anlagen daher am Laufen gehalten werden. Um die Sicherheit der Produktionsprozesse zu gewährleisten, müssen ständig Energie, bestimmte Gase und Kühlmedien wie flüssiger Stickstoff zugeführt werden. Weil die Unternehmen kein Geld haben, um die Lieferanten zu bezahlen, drohte ein Abriss der Belieferung.
Diese Gefahren können im Augenblick nur die aktuellen Betreiber der Anlagen abwenden. Daher hat das Land Sachsen-Anhalt eine sogenannte „Ersatzvornahme“ angeordnet, um die Gefahren durch eine unkontrollierte Betriebseinstellung abzuwehren. Die bestehenden Pflichten von Domo Caproleuna, die die Anlagen in Leuna betreibt, bleiben von der Durchführung der Ersatzvornahme unberührt.
„Dass das Land damit bis auf Weiteres die Fortführung der Produktion in einem reduzierten Umfang ermöglicht, ist eine sehr gute Nachricht“, betonte der gerichtlich eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing. „Was dies für den weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens bedeutet, müssen wir sehen. Klar ist jedenfalls, dass wir damit wertvolle Zeit gewonnen haben, in der wir prüfen, ob und unter welchen Bedingungen auch eine dauerhafte Stabilisierung möglich ist.“ Denkbar wäre beispielsweise die Übernahme des Unternehmens durch einen Dritten, also einen neuen Betreiber. Für diesen Fall könnte sich das Land aus der Ersatzvornahme zurückziehen, und das Unternehmen hätte möglicherweise wieder eine langfristige Perspektive.
Verhandlungen mit den Gläubigern und dem Gesellschafter
Nachdem am Donnerstag, den 8. Januar 2026 Verhandlungen mit den Gläubigern und dem Gesellschafter über eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung gescheitert waren, hatte Wirtschaftsminister Sven Schulze am Montag, den 12. Januar 2026 noch einmal alle beteiligten Gläubiger und Finanzierer in Leuna an einen Tisch gerufen und auf eine Lösung gedrängt. Auch die Geschäftsführung, der Betriebsrat, Vertreter der IGBCE sowie von Infraleuna nahmen an dem Termin teil. Nachdem die Gläubiger weiterhin nicht rechtzeitig zum Einlenken bewegt werden konnten, leitete das Land nun die Ersatzvornahme ein.
Unterdessen hat auch die Agentur für Arbeit der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die rund 585 Beschäftigten zugestimmt, so dass auch deren Löhne und Gehälter pünktlich ausgezahlt werden können. Deren Bezahlung über das Insolvenzgeld ist damit für die Dauer des vorläufigen Insolvenzverfahrens, voraussichtlich bis Ende März, gesichert. Dies gilt für alle drei insolventen Domo-Gesellschaften. Auch die Produktion in Premnitz kann fortgesetzt werden.
Ursprüngliche Meldung vom 09.01.2026: Hintergrund ist das Scheitern von Verhandlungen mit
Gläubigern über ein kurzfristiges Massedarlehen zur Zwischenfinanzierung. „Der
Kontostand der insolventen Gesellschaften liegt bei annähernd null und die
Aussicht auf eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung hat sich heute
zerschlagen“, erklärte Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther. Man müsse
daher „Plan B“ aktivieren, der in den vergangenen Tagen mit der
Geschäftsführung vorbereitet worden sei. „Oberste Priorität hat jetzt, die
Anlagensicherheit weiter zu gewährleisten.“ Nach dem Scheitern der
Finanzierungsgespräche seien Beschäftigte sowie zuständige Behörden umgehend
informiert worden.
Drei deutsche Domo-Gesellschaften betroffen
Betroffen sind drei deutsche Tochterunternehmen der Domo
Chemicals-Gruppe, die am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt hatten:
- Domo Chemicals GmbH (Leuna): rund 35
Beschäftigte
- Domo Caproleuna GmbH (Leuna): rund 480
Beschäftigte
- Domo Engineering Plastics GmbH (Premnitz): rund
70 Beschäftigte
Andere Unternehmen der Domo-Gruppe sind nach Angaben aus der
Mitteilung nicht betroffen.
In den vergangenen Tagen hatte der vorläufige
Insolvenzverwalter mit den Gläubigern über die Freigabe gepfändeter Konten als
Massedarlehen verhandelt. Ziel war es, den Geschäftsbetrieb zumindest bis zum
Monatsende fortführen zu können. Diese Freigabe sei jedoch nur möglich, wenn
alle beteiligten Sicherungsgläubiger einstimmig zustimmen. „Wir haben bis
zuletzt dafür gekämpft, jedoch konnte diese Einstimmigkeit unter den Gläubigern
leider nicht erreicht werden“, so Flöther.
Folgen für Anlagenbetrieb und Verwertung offen
Welche Auswirkungen das Herunterfahren auf die Anlagen und
eine mögliche spätere Verwertung hat, ist laut Insolvenzverwaltung derzeit
nicht absehbar. „Wir unterstützen die Geschäftsführung dabei, die Anlagen
sicher herunterzufahren. Ob sie sich dann ohne Schäden irgendwann wieder
anfahren und weiter nutzen lassen, ist die große Frage“, sagte Flöther. Dies
wäre „für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger“
problematisch.
In der Domo Chemicals GmbH sind laut Mitteilung die
administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt. Die Domo
Caproleuna stellt organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol und Aceton
her sowie Polyamid 6 (PA6) als Hauptprodukt, auch bekannt als Nylon 6. PA6 wird
unter anderem in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche
sowie bei hochwertigen Konsumgütern eingesetzt. Die Domo Engineering Plastics
in Premnitz produziert ebenfalls Polyamid 6 sowie Compounds – technische
Kunststoffe, bei denen PA6 gezielt mit Zusatzstoffen kombiniert wird, um
Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit, Steifigkeit oder
Schlagzähigkeit präzise einzustellen. Diese Compounds kommen vor allem in der
Automobil-, Elektro- und Konsumgüterindustrie zum Einsatz.