Am 21. März starten die Tarifverhandlungen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Im Februar hatte die Tarifkommission der Chemiegewerkschaft IG BCE ihre Forderungen beschlossen, mit denen sie nun ins Rennen geht. Verbesserungen in vier zentralen Bereichen sollen die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Branche erhöhen: In den Mittelpunkt der Verhandlungen für die deutschlandweit 580.000 Beschäftigten stellt die Gewerkschaft eine nachhaltige Steigerung der Kaufkraft, mehr Wertschätzung für Schichtarbeit, Investitionen in den Fachkräftenachwuchs und ein ausbalanciertes Konzept für gute mobile Arbeit.

Forderung 1: Höhere Löhne und Gehälter

„Die Branche ist nicht nur bestens ausgelastet und verdient glänzend, sie hat meist auch die aktuellen Preissteigerungen problemlos an ihre Kunden weiterreichen können“, berichtet der stellvertretende IGBCE-Vorsitzende Ralf Sikorski. Ihre Beschäftigten dagegen hätten diese Option nicht, sie seien der aktuellen Teuerungswelle ungeschützt ausgeliefert. „Wir wollen für unsere Mitglieder ein Bollwerk gegen die Inflation errichten“, so der IGBCE-Verhandlungsführer. „Deshalb steht außer Frage, dass am Ende dieser Tarifrunde bei Entgelten und Ausbildungsvergütungen ein Plus oberhalb der Teuerungsrate stehen muss.“ Die Inflationsrate lag laut dem Statistischen Bundesamt zuletzt im Februar bei 5,1 % im Vergleich zum Vorjahr.

Sikorski machte deutlich, dass zusätzliche Investitionen ins Personal im ureigenen Interesse der Branche seien. In einer aktuellen Umfrage berichten zwei von drei IGBCE-Betriebsräten, dass für ihre Unternehmen der Fachkräftemangel bereits zu den drängendsten Problemen zähle. „Das sollte den Betrieben ein Weckruf sein“, sagte der stellvertretende IGBCE-Vorsitzende. „Sie brauchen dringend eine Investitionsoffensive – mit Blick auf ihre Attraktivität als Arbeitgeber, die Wertschätzung ihrer Beschäftigten, die Nachwuchsarbeit.“

Forderung 2: Höhere Nachtzuschläge

Auch deshalb sieht der Forderungsbeschluss eine Erhöhung der Schichtzuschläge für die Beschäftigten in Nachtschichten auf einheitlich 25 % vor. „Es waren die Schichtarbeiter, die in der Pandemie 24/7 den Laden am Laufen gehalten haben, während ihre Vorstände im Homeoffice arbeiten konnten“, so Sikorski. Heute sei Schichtarbeit für junge Menschen unattraktiver denn je. „Wir müssen und werden das ändern.“

Forderung 3: Wieder mehr Ausbildung

In der Corona-Krise hatten zudem viele Unternehmen ihre Ausbildungsanstrengungen zurückgefahren. Das sei nicht nur ein falsches Signal an die junge Generation, sondern auch betriebswirtschaftlicher Unsinn, machte Sikorski deutlich. Die IGBCE will deshalb den Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg" weiterentwickeln und im Rahmen des Unterstützungsvereins der chemischen Industrie (UCI) neue Fördermöglichkeiten zur Ausbildung Jugendlicher schaffen.

Forderung 4: Mobile Arbeit

Zudem will die IGBCE in der industriellen Transformation Sicherheit und Schutz für ihre Mitglieder gewährleisten und gute mobile Arbeit für die Zukunft gestalten. „Die Transformation wird in den kommenden Jahren die Arbeitswelt massiv verändern“, so Sikorski. Das Thema mobile Arbeit sei ein erster sichtbarer Beleg dafür. „Wer die Menschen im Veränderungsprozess mitnehmen will, muss soziale Sicherheit und gute Arbeit verbindlich mitdenken.“ So bedürfe es klarer tariflicher Leitplanken für betriebliche Vereinbarungen, „damit wir für die gesamte Branche zu einheitlichen Qualitätsanforderungen an gute mobile Arbeit kommen“.

Der Forderungsbeschluss, der eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten vorsieht, bildet die Grundlage für die Tarifverhandlungen, die am 21. März in Hannover erstmals auf Bundesebene stattfinden. Zuvor waren bereits mehrere regionale Runden ergebnislos verlaufen. Den aktuellen Stand zu Verhandlungsbeginn sowie die Positionen der Arbeitgeber finden Sie hier:

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