Hilfe in Corona-Krise

Richard Geiss stellt Produktion auf Desinfektionsmittel um

03.04.2020 Der Lösemittel-Spezialist Richard Geiss GmbH hat seine Produktion umgestellt, um kritische Einrichtungen im Landkreis Günzburg, Bayern, mit Händedesinfektionsmittel zu versorgen.

Rund 40.000 Liter pro Woche wird das Familienunternehmen in der ersten Ausbaustufe an öffentliche Einrichtungen in Schwaben liefern. Diese wiederum verteilen das Desinfektionsmittel dann weiter dorthin, wo es am nötigsten gebraucht wird: in Krankenhäusern, Kliniken, Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen sowie sämtlichen öffentlichen Einrichtungen.

Ausnahmezulassung ermöglicht Hilfestellung

Der Lösemittel-Spezialist Richard Geiss GmbH hat seine Produktion umgestellt und liefert jetzt auch Desinfektionsmittel. Bild: Richard Geiss

Der Lösemittel-Spezialist Richard Geiss GmbH hat seine Produktion umgestellt und liefert jetzt auch Desinfektionsmittel. Bild: Richard Geiss

„Dass Ärzten, Kliniken und Krankenhäusern die Desinfektionsmittel ausgehen, das darf einfach nicht sein. Für mich war deshalb sofort klar, dass wir hier aufgrund der aktuellen verschärften Corona-Lage etwas tun müssen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Bastian Geiss. „Die ersten knapp 15.000 Liter Desinfektionsmittel gingen bereits vereinzelt an Krankenhäuser und Apotheken sowie das Landratsamt Günzburg“, so Geiss weiter. „Nächste Woche werden wir unsere Produktionskapazitäten auf 40.000 Liter wöchentlich erhöhen, um Bayern und Schwaben mit Desinfektionsmittel versorgen zu können.“

Die Richard Geiss GmbH liefert ein komplett fertiges Mittel aus Ethanol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und gereinigtem Wasser zur hygienischen Händedesinfektion. Apotheken und Krankenhäuser müssen also nichts mehr anmischen oder verdünnen. Möglich macht das die Ausnahmezulassung für Händedesinfektionsmittel der Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Seit Mitte März dürfen demnach neben Apotheken und der pharmazeutischen Industrie auch Unternehmen der chemischen Industrie Händedesinfektionsmittel herstellen.

Das gebrauchsfertige Desinfektionsmittel wird für den Transport in der Regel in 20-Liter-Kanister abgefüllt. Hierfür hat sich das Familienunternehmen eine extra Abfüllanlage zugelegt. Über den firmeneigenen Fuhrpark kommen die vollen Kanister zum Landratsamt Günzburg, das das Händedesinfektionsmittel dann an die entsprechenden Stellen weiterverteilt. Neben Krankenhäusern und Kliniken sind hierbei auch Seniorenheime und anderweitige Pflegeeinrichtungen des Landkreises im Fokus. „Wir beliefern natürlich auch andere Landkreise in Schwaben und Bayern. Je nachdem, wo eben dringender Bedarf ist“, so Bastian Geiss.

Ethanol aus eigener Produktion

Ethanol, als wichtiger und mittlerweile knapper Rohstoff am Desinfektionsmittelmarkt, stellt das Familienunternehmen am Standort Offingen selbst her. In speziellen Destillationskolonnen wird das Ethanol zu hochreinen Destillaten aufgearbeitet. „2017/18 haben wir in zwei neue Destillationskolonnen zur Aufarbeitung halogenfreier Lösemittel wie Ethanol investiert. Das kommt uns in der aktuellen Situation zugute und ermöglicht uns erst diese hohen Produktkapazitäten für Desinfektionsmittel von 40.000 Litern die Woche“, betont Bastian Geiss.

Mit den neuen Kolonnen lässt sich Ethanol in sehr hoher Qualität aufarbeiten. Die Ethanol-Destillate erreichen 99,9 % der Qualität von Frischware und dürfen deshalb auch in hygienisch sensiblen Bereichen wie der Pharmaindustrie verwendet werden. Im Vergleich zum Einsatz von Ethanol-Frischware sind Ethanol-Destillate besonders nachhaltig. Die Richard Geiss GmbH hat sich auf die Aufbereitung von Lösemittel-Destillaten und deren Rückführung in ein funktionierendes Kreislaufsystem spezialisiert. (ak)

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