VCI legt Zahlen der chemisch-pharmazeutischen Industrie vor
Forschungsstandort Deutschland unter Druck
Deutsche Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche investieren zwar rund 7 % ihrer Umsätze wieder in Forschung & Entwicklung, zukünftig aber wohl vermehrt im Ausland. Um dem entgegenzuwirken, sieht der VCI Reformbedarf in der Innovationspolitik.
Forschung, Entwicklung, Produktion und Standort müssen als Einheit gedacht werden.
VCI / Thomas Lohnes
Die Investitionsbereitschaft für Forschung und Entwicklung (F&E) bei den vom VCI befragten Mitgliedsunternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie sind hoch: 2025 lagen die F&E-Budgets der Branche bei knapp 16 Mrd. Euro. Gleichzeitig ist die Zahl der Patente im Bereich Chemie und Pharma seit Jahren rückläufig. Der Anteil der Branche an den weltweiten Patenten hat sich von 14 % 2010 auf 7,6 % im Jahr 2024 fast halbiert. Auch die Investitionsdynamik schwächt sich ab, denn 2024 und 2025 wurde das Plus nur noch von Pharma getragen. Die Chemie dagegen hat ihre Forschungsaufwendungen zurückgefahren.
In der Pharmaindustrie kam das Wachstum vor allem von Forschungsaufträgen, die fremdvergeben wurden. Ein Großteil dieser externen Auftragnehmer hat ihren Sitz im Ausland. Insgesamt geht inzwischen ein Fünftel der F&E-Pharma-Aufwendungen über die Grenze.
Laut einer VCI-Mitgliederumfrage von Juni 2026 planen jeweils 7 % der KMU und großen Unternehmen ihre F&E-Aktivitäten ins Ausland zu verlagern, 21 % der KMU und 68 % der großen Unternehmen haben das zumindest teilweise vor. Pläne die Forschung ins Ausland zu verlagern, verneinten 24 % der großen Unternehmen und 72 % der KMU.
Diese Aussagen spiegeln sich auch in der Frage nach den Plänen für F&E-Ausgaben wider: 29 % der Unternehmen wollen ihre Ausgaben für F&E in Deutschland zurückfahren, gegenüber 11 % die ihre Ausgaben im Ausland verringern wollen. 19 % der befragten Unternehmen wollen mehr in F&E an ihren deutschen Standorten investieren, 41 % plant mit größeren Budgets im Ausland.
Andere Länder denken laut dem Verband Forschung, Entwicklung, Produktion und Standort längst als Einheit. Damit wird der globale Wettbewerb nicht nur härter, er stellt sich auch strategischer auf. Der Verband fordert daher, dass strategisches Denken in das politische Denken und Handeln integriert wird und das Tempo deutlich anziehen muss, um Forschungsideen zu kommerzialisieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen.
Das Reformpaket der Bundesregierung bezeichnet Thomas Wessel, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung beim Verband, als ersten Anfang. Er drängt jedoch darauf, widersprüchliche Politik, beispielsweise durch das Gesundheits-Sparpaket, das den Pharmastandort massiv schwächt, zu korrigieren. Außerdem sind die Chemie- und Hightech-Agenda, die nationale Plattform Biotechnologie sowie die künftige Pharma- und Medizintechnikstrategie aufeinander abzustimmen und zu einer schlüssigen Innovationsstrategie zu verzahnen. „Es braucht eine ressortübergreifende Steuerung, eine verlässliche Finanzierung, die Einbettung in Sozial- und Wirtschaftsreformen sowie eine berechenbare Politik“, unterstreicht Wessel.