Integrierte Anlage in bestehender thermischer Abfallbehandlung

MVV nimmt Phosphorrecyclinganlage in Mannheim in Betrieb

Die in eine thermische Abfallbehandlungsanlage (TAB) integrierte Phosphorrecyclinganlage des Energieunternehmens MVV Energie verbindet ökologische Klärschlammentsorgung mit Ressourcenschonung und Klimaschutz.

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V.l.n.r.: Staatssekretär Dr. Andre Baumann, MVV-Vorstandsvorsitzender Dr. Gabriël Clemens, Oberbürgermeister Christian Specht und MVV-Technikvorstand Dr. Hansjörg Roll.
V.l.n.r.: Staatssekretär Dr. Andre Baumann, MVV-Vorstandsvorsitzender Dr. Gabriël Clemens, Oberbürgermeister Christian Specht und MVV-Technikvorstand Dr. Hansjörg Roll.

Phosphor ist als Dünger unverzichtbar für Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Auch bei Akkus und in der Chemieindustrie wird Phosphor immer wichtiger. Während die globalen Vorkommen schwinden und der Bedarf steigt, steckt ein großer Teil dieses wertvollen Rohstoffs in Deutschland in kommunalen Klärschlämmen. Diese werden aufgrund der enthaltenen Schadstoffe inzwischen nahezu vollständig verbrannt – mit einem erheblichen Nachteil: Der enthaltene Phosphor geht verloren. Das Land Baden-Württemberg unterstützt daher gezielt den Aufbau einer Infrastruktur zur Phosphorrückgewinnung, um  Phosphor effizienter in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen.

Die neu eröffnete Anlage von MVV auf der Friesenheimer Insel im Mannheimer Norden nutzt bis zu 1.000 Grad Celsius heißes Rauchgas aus den Abfallkesseln der TAB, um die Drehrohröfen zu erhitzen. In einem geschlossenen Prozess werden die entstehenden Verbrennungsgase zurückgeführt, Schadstoffe sicher abgeschieden und der Phosphor im Klärschlamm effizient zurückgewonnen. Dr. Hansjörg Roll, Technikvorstand der MVV, erläuterte: „Unsere Anlage setzt neue Maßstäbe im Phosphorrecycling und ist die erste kommerzielle ihrer Art in Deutschland, die Phosphor direkt aus Klärschlamm zurückgewinnt. Dabei erzeugen wir gleichzeitig regenerative Energie für Strom und Fernwärme – ganz ohne aufwendige nachgelagerte Verfahren." Er betonte darüber hinaus den wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und ergänzte: "Durch die thermische Verwertung von Klärschlamm erweitern wir unser Portfolio um einen zentralen Baustein, der die Friesenheimer Insel zum Schlüsselstandort für die Wärmeversorgung in der Region macht.“

Die Anlage wurde mit rund 6,4 Mio. Euro vom Land und der Europäischen Union gefördert. Dr. Gabriël Clemens, Vorstandsvorsitzender von MVV Energie, betonte: „Die heutige Inbetriebnahme unserer Phosphorrecyclinganlage zeigt, wie wichtig und innovativ das Phosphorrecycling für die Kreislaufwirtschaft ist. Mein Dank gilt dem Land Baden-Württemberg und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für die Förderung dieses Projekts." Klare und verlässliche Rahmenbedingungen seien wichtig für den wirtschaftlichen Betrieb. Investitionen und Entwicklungen seien auf ein zügiges Umsetzen der Klärschlammverordnung angewiesen.

Weniger Abhängigkeit von globalen Lieferketten

„In einem ‚Urban Mining‘ gewinnen wir aus Abwasser zuerst klimaneutrale Energie und dann wertvollen Phosphor", erklärte Christian Specht, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim. "Die dafür benötigte Prozesswärme erzeugen wir durch die Verbrennung von Abfällen, die Abwärme nutzen wir als Fernwärme für die klimafreundliche Beheizung von Wohnungen." Die Anlage zeige damit als zentraler Baustein für die Umwelt- und Klimaschutzstrategie der Stadt Mannheim, wie städtische Betrieben und kommunale Unternehmen dahingehend kooperieren können.

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, unterstrich die Bedeutung von Abfall als Rohstoff: "Phosphorrecycling erreicht mehrere Ziele gleichzeitig: Wir können es uns nicht länger leisten, bei kritischen und lebenswichtigen Ressourcen wie Phosphor weiterhin vollständig von globalen Lieferketten abhängig und dadurch auch erpressbar zu sein. Indem wir Phosphor konsequent im Kreislauf halten, nehmen wir unsere Rohstoffversorgung selbst in die Hand.“