Mol hat am Standort Zala in Ungarn eine Anlage zur Produktion von chemisch stabilisiertem Bitumen aus Altreifen in Betrieb genommen. (Bild: Mol Group)

Mol hat am Standort Zala in Ungarn eine Anlage zur Produktion von chemisch stabilisiertem Bitumen aus Altreifen in Betrieb genommen. (Bild: Mol Group)

| von Ansgar Kretschmer

Die in einem Jahr errichtete Anlage ist in der Lage, 20.000 t/a Kautschukbitumen zu produzieren. Sie soll  8 bis 10 % der ungarischen Haushaltsabfälle von Reifen recyceln sowie zum effizienten Betrieb des Standorts Zala und der Erhaltung von über 100 Arbeitsplätzen beitragen. Die Anlage nutzt 3.000 t/a Altgummi zur Herstellung von Gummibitumen durch das Recycling von etwa einer halben Million Altreifen. Die Kapazität beträgt etwa 96 t/d an Gummibitumen, was jährlich 20.000 t Rohmaterial für den Straßenbau ergibt. Das entspricht einer neue 200 km lange Autobahn mit 2×1 Fahrspur, oder der Sanierung der oberen Schicht von 600 km einer Autobahn mit 2×1 Fahrspur.

Mol hat bereits 2012 am Standort Zala eine Pilotanlage für Kautschukbitumen mit einer Kapazität von 5.000 t/a eröffnet und erfolgreich betrieben. Als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage begann der Konzern im Frühjahr 2019 mit dem Bau einer neuen Anlage. Die Anlage wurde in etwas mehr als einem Jahr fertiggestellt und trotz der Covid-Pandemie mit den entsprechenden Vorkehrungen weiter gebaut, ohne dass während der Projektdurchführung Arbeitstage verloren gingen.

Stabilisiert für späteren Einsatz

Die Produktionstechnologie für Gummigranulat aus Bitumen und Altreifen hat Mol zusammen mit der Pannon Universität entwickelt. Das chemisch stabilisierte Kautschukbitumen wurde 2009 patentiert und erhielt 2014 das Warenzeichen für umweltfreundliche Produkte. Mol begann in den 2000er Jahren mit der Arbeit an der inländischen Produktion von Gummibitumen, das damals bereits im Ausland verwendet wurde. Nach der in den USA verwendeten Definition wird das Gummibitumen auf der Straßenbaustelle hergestellt, da es aufgrund ausfallender Gummipartikel innerhalb weniger Stunden verbraucht werden muss. Außerdem sind zur Herstellung des Asphalts spezielle Geräte erforderlich. Um ein neues Produkt zu schaffen, das wie normales Straßenbaubitumen verwendet werden kann, entwickelte Mol zusammen mit der Pannon Universität das chemisch stabilisierte Gummibitumen. Die Technologie ermöglicht es, das Gummibitumen zu einem späteren Zeitpunkt zu transportieren, zu lagern und einzusetzen. Damit ist auch die Produktion in großem Maßstab wirtschaftlich.

„Die Kapazität von 96 Tonnen pro Tag reicht aus, um die Nachfrage nach Bitumen für größere Mengen von Straßenbauarbeiten zu decken. Darüber hinaus bietet diese Menge auch die Möglichkeit, neue Geschäftsmöglichkeiten in den umliegenden Ländern zu nutzen. Da es sich bei chemisch stabilisiertem Gummibitumen um ein Mol-Patent handelt, könnte der Verkauf der Lizenz eine zusätzliche Verwertungsmöglichkeit darstellen, wofür die neue Anlage ein hervorragendes Beispiel ist. In den letzten acht Jahren wurden in Ungarn etwa 150 km Straßenabschnitte unter Verwendung von Gummibitumen gebaut oder saniert, deren Volumen aufgrund der neu hinzugekommenen Produktionskapazität nun steigen kann. Die Produktion von 20.000 Tonnen deckt etwa 10 bis 15 Prozent des inländischen Bitumenbedarfs. Der Mol-Konzern strebt an, sich als Marktführer für Recycling in Mittel- und Osteuropa zu etablieren. Auf dem Weg, die „Enter Tomorrow 2030″-Strategie des Unternehmens umzusetzen, ist die Fertigstellung dieser neuen Anlage ist ein weiterer Baustein“, sagte Tibor Zsinkó, Vizepräsident, Mol Ungarn Downstream.

Hoffen auf bessere Straßenverhältnisse

Die Mol-Gruppe sieht alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen, damit sich Gummibitumen-Straßen weiter verbreiten können, und hofft, dass sich die Straßenverhältnisse dadurch langfristig spürbar verbessern werden. Die Haftung des Kautschukbitumens an Mineralien senkt das Risiko der Entstehung von Schlaglöchern, und seine höhere Belastbarkeit führt zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit, dass Spurrinnen auftreten. In der Nähe von Wohngebieten kann es für Bauunternehmen ein wichtiger Gesichtspunkt sein, damit deutlich weniger Verkehrslärm zu verursachen und damit die Lärmbelastung der Umwelt zu verringern. 75 % der etwa 10 Millionen USD-Investitionen stellte MOL aus eigenen Mitteln bereit, 25 % stammten aus staatlichen Beihilfen im Rahmen des Investitionsförderprogramms für Großunternehmen.

Der Standort Zala befindet sich etwa 200 km südwestlich von Budapest, der Hauptstadt Ungarns. Mol fördert seit über 80 Jahren Kohlenwasserstoffe in der Region. Seit über 50 Jahren betreibt der Konzern auch Raffinerieaktivitäten in der Region, die 2001 wieder aufgenommen wurden. Die ehemalige Zala-Raffinerie wurde in ein Bitumenzentrum umgewandelt und dient als Produktionseinheit für reguläres, polymermodifiziertes und Gummibitumen. (ak)

Neue Anlagenbauprojekte im September 2020

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