Wie es nach dem Dow-Cracker weitergeht: Drei Wege für den Mitteldeutschen Stoffverbund
Der Mitteldeutsche Stoffverbund zählt mit Standorten wie Leuna, Schkopau oder Bitterfeld zu den bedeutendsten Chemieclustern Deutschlands. Nach Stilllegungen stellt eine aktuelle Fraunhofer-Studie stellt die Frage nach der Zukunft des Standorts.
Jona GöbelbeckerJonaGöbelbeckerJona GöbelbeckerChefredakteur CHEMIE TECHNIK
1 min
Stilllegung 2027 geplant: Der Steamcracker des Dow-Standorts in Böhlen gilt als "Herzstück" für viele weitere Produktionsketten in der Region.Dow
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Das mitteldeutsche Chemiedreieck ist geprägt von verbundenen
Stoffströmen zwischen den dazugehörigen Standorten. Ein zentrales Element des
Clusters ist der bisher vom US-Chemiekonzern Dow betriebene Steamcracker in
Böhlen. Dieser stellt große Mengen petrochemischer Basischemikalien wie
Ethylen, Propylen und Aromaten bereit. Die geplante Stilllegung des
Steamcrackers bis Ende 2027 stellt den Stoffverbund vor einen tiefgreifenden
Strukturbruch.
Eine aktuelle Studie bildet nun erstmals die Stoffströme des
gesamten Verbunds quantitativ und standortübergreifend ab und verknüpft sie mit
technoökonomischen Modellen. Auf dieser Grundlage werden in der Studie Transformationspfade
systematisch analysiert und hinsichtlich Energie-, Rohstoff- und
Infrastrukturbedarfen vergleichend bewertet.
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Diskussionsbedarf? Der Engineering Summit Salon in Leipzig
Aufbruch oder Abwicklung? Auf dem Engineering Summit Salon am 5. Mai 2026 in Leipzig sprechen wir über die Zukunft des Chemiestandorts Ost (Start der Veranstaltung: 18.00 Uhr). In einem Impulsvortrag wird Lisa Plümer, Gruppenleiterin Technologie- und Prozessmanagement beim Fraunhofer IKTS, die neue Studie zur Zukunft des Mitteldeutschen Stoffverbundes exklusiv vorstellen. Anschließend diskutieren wir die Perspektiven auf einem hochkarätig besetzen Panel.
Der Engineering Summit Salon im Überblick:
Wann: 5. Mai 2026, 18:00 Uhr
Wo: Leipzig
Format: Exklusive Paneldiskussion und Networking in einem Kreis von maximal 50 Entscheidern aus Anlagenbau, Prozesstechnik und Industrie.
Organisatoren: CHEMIE TECHNIK, Pharma+Food und der VDMA
Auf dem Podium:
Patrice Heine, Geschäftsführer des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen und Vorstand des Forum Rathenau
Dr. Joachim Schulze, Vorstandsvorsitzender BioEconomy e.V.
Wie geht es im industriellen Osten weiter? Drei Pfade zur
Transformation
Basierend auf technologischer Reife, Skalierbarkeit und
regionaler Anschlussfähigkeit identifiziert die Studie drei grundlegende
Transformationspfade bis 2035:
die Weiterentwicklung bestehender Cracker-Strukturen über alternative, nicht-fossile Naphtha-Äquivalente,
die Umstellung auf methanolbasierte Prozessrouten sowie
die gezielte Substitution petrochemischer Zwischenprodukte durch biotechnologische Verfahren.
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Alle drei Pfade stellen unterschiedliche Anforderungen an
Rohstoffbasis, Energieeinsatz und Infrastruktur und weisen jeweils spezifische
Vor- und Nachteile hinsichtlich Systemintegration, Skalierbarkeit und
Produktportfolio auf.
Drei wesentliche Erkenntnisse
Aus der Analyse der Transformationspfade ergeben sich drei
wesentliche Erkenntnisse:
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Der Mitteldeutsche Stoffverbund kann nach der Stilllegung des Steamcrackers nur dann wettbewerbsfähig bleiben, wenn er seine Standortvorteile gezielt nutzt. Eine vollständige Umstellung auf nachhaltige Rohstoffe bei Beibehaltung der heutigen Strukturen gilt als unrealistisch. Stattdessen braucht es neue, regionale Rohstoff- und Energiequellen, die mit der Anpassung der Produktionstechnologien einhergehen.
Alle untersuchten Transformationspfade erfordern massive Investitionen in Infrastruktur. Besonders für Biomasse, CO₂, Wasserstoff und erneuerbare Energien müssen neue Versorgungsnetze aufgebaut werden, die künftig entscheidend über die Wettbewerbsfähigkeit des MDSV mitbestimmen.
Die Zukunft der Chemie in Mitteldeutschland hängt von einem engen Verbund mit anderen Sektoren ab. Energie-, Agrar-, Forst- und Abfallwirtschaft müssen stärker mit der Chemie vernetzt werden, damit Rohstoffe und Koppelprodukte effizient genutzt und neue, integrierte Wertschöpfungsketten geschaffen werden können.
Es wird deutlich, dass die Transformation des Reviers
weniger durch technologische Machbarkeit begrenzt ist als durch passende
marktliche und industriepolitische Gestaltung. Die Politik kann
Rahmenbedingungen setzen, Investitionsrisiken mindern und die Koordination
gemeinschaftlicher Infrastrukturen ermöglichen. Für Akteure der Industrie und
Politik liefert die Studie einen analytischen Entscheidungsrahmen, mit dessen
Hilfe Investitionsoptionen hinsichtlich ihrer technoökonomischen Auswirkungen
bewertet und Strategien abgeleitet werden können.
Die Studie wurde im Rahmen des Verbundvorhabens „House of Transfer“
durch das Center for Economics and Management of Technologies (CEM) des
Fraunhofer IKTS in Kooperation mit dem Bioeconomy e.V. und dem
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES erarbeitet.