Wie sich Digitalisierung in der Chemie wirtschaftlich skalieren lässt
Die Chemieindustrie braucht Infrastrukturen, die sich im Bestand umsetzen und anschließend wirtschaftlich skalieren lassen. Der Engpass liegt dabei weniger in fehlenden Ideen, sondern in der praktischen Verbindung von Anlagenwelt und IT.
Christoph MüllerChristophMüllerIIOT-Senior Partnermanager bei in.hub
Borries von MüllerBorriesvon MüllerEdelstahlbau Tannroda
4 min
Das standardisierte Gateway ist ein leistungsstarkes Dual-Core-System mit erweiterten Ein- und Ausgängen für komplexe Aufgaben wie die simultane Berechnung von Hochleistungsprozessen mit kurzen Taktzeiten oder anspruchsvollen Algorithmen.in.hub
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Die Chemieindustrie zählt zu den datenintensivsten Branchen
überhaupt. In Anlagen, Apparaten und Infrastrukturen entstehen kontinuierlich
Informationen zu Temperatur, Druck, Durchfluss, Füllstand, Energieeinsatz oder
Medienverbräuchen. Trotzdem bleibt der praktische Nutzen dieser Daten in vielen
Unternehmen hinter den Erwartungen zurück. Nicht weil es an Sensorik oder
Messwerten fehlt, sondern weil der Schritt von der punktuellen Datenerfassung
zur skalierbaren Nutzung oft nicht gelingt.
Hier setzt das Chemnitzer Unternehmen In.hub an und entwickelt
modulare IIoT-Komponenten, mit denen sich Produktionsdaten in industriellen Umgebungen
erfassen, lokal verarbeiten und an übergeordnete Systeme anbinden lassen. Im
Mittelpunkt steht dabei nicht die Ablösung bestehender Automatisierungstechnik,
sondern die Frage, wie sich gewachsene Anlagenstrukturen wirtschaftlich digital
erschließen lassen. Gerade für die Chemieindustrie mit ihrem hohen Brownfield-Anteil
ist das ein zentraler Punkt.
Integration oft problematisch
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In der Diskussion über stockende Digitalisierungsprojekte
werden häufig fehlende Ressourcen, hohe Softwarekosten oder mangelnde
Veränderungsbereitschaft genannt. In der Praxis liegt der eigentliche Engpass
jedoch oft an anderer Stelle: in der Verbindung zwischen OT und IT. Gerade in der Chemie sind Anlagenstrukturen über viele Jahre
gewachsen. Unterschiedliche Hersteller, verschiedene Steuerungsgenerationen und
ein Nebeneinander aus älteren und neueren Protokollen prägen den Alltag.
Feldseitig treffen etwa Modbus, Profibus, Hart oder Bacnet auf neuere
Kommunikationsstandards. Darüberliegende Systeme wie Scada, MES oder ERP sind
häufig nur begrenzt miteinander verknüpft. Daten sind damit zwar vorhanden,
lassen sich aber nicht ohne Weiteres in einen durchgängigen Informationsfluss
überführen. Die Folge ist ein bekanntes Bild: Informationen verbleiben
in Einzelsystemen, werden manuell übertragen oder nur zeitweise gespeichert.
Für belastbare Auswertungen, automatisierte Berichte oder standortübergreifende
Optimierungen fehlt damit oft genau die Grundlage, auf der digitale Anwendungen
eigentlich aufbauen müssten.
Anschlussfähigkeit im Bestand
Aufgrund des zweiten Prozessors sind mit dem HUB-GM200 auch komplexere Datenbankverwaltungen parallel zur echtzeitnahen Maschinenüberwachungen durchführbar.in.hub
Wer Digitalisierung in Brownfield-Umgebungen wirtschaftlich
umsetzen will, braucht deshalb vor allem eines: eine Infrastruktur, die
bestehende Anlagen anschlussfähig macht, ohne jedes Mal ein eigenes
Integrationsprojekt auszulösen. Standardisierte IIoT-Gateways können diese
Rolle übernehmen. Sie verbinden Maschinen, Sensoren und Steuerungen mit
übergeordneten IT-Strukturen und schaffen damit eine technische Brücke zwischen
Feldebene und Datenwelt.
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Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das IIoT-Gateway GM200
von In.hub. Es ist darauf ausgelegt, Daten aus unterschiedlichen OT-Quellen
strukturiert aufzunehmen, lokal zu verarbeiten und für weiterführende IT- oder
Analyseanwendungen bereitzustellen. Für Chemiebetriebe ist das vor allem
deshalb relevant, weil sich vorhandene Anlagen damit schrittweise digital
anbinden lassen, ohne tief in laufende Prozesse oder bestehende Steuerungsstrukturen
eingreifen zu müssen.
Damit wird zugleich deutlich, worin die Rolle des Software-Lösungsentwicklers
in solchen Projekten liegt: nicht in einer isolierten Einzelanwendung, sondern
im Aufbau einer belastbaren Verbindungsschicht zwischen Bestandsanlage,
Datenverarbeitung und übergeordneter Nutzung. Dort entscheidet sich in vielen
Fällen, ob aus einem technischen Pilotprojekt ein tragfähiger Roll-out werden
kann.
Edge-Computing bringt Auswertung näher
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Mit der reinen Datenanbindung ist es allerdings nicht getan.
Ebenso entscheidend ist die Frage, wo Daten verarbeitet werden. In vielen
Anwendungen der Chemie ist es weder notwendig noch sinnvoll, sämtliche Rohdaten
ungefiltert in zentrale Systeme oder Cloud-Strukturen zu übertragen. Gründe
dafür sind Reaktionszeiten, Netzwerkauslastung, Sicherheitsaspekte und der
Wunsch, sensible Prozessdaten möglichst nah an der Anlage zu halten.
Hier gewinnt Edge-Computing an Bedeutung. Daten werden
direkt dort gefiltert, verdichtet oder kontextualisiert, wo sie entstehen.
Grenzwerte lassen sich lokal überwachen, Ereignisse unmittelbar erkennen und
Informationen bei Verbindungsunterbrechungen zwischenspeichern. Das entlastet
nicht nur zentrale Systeme, sondern erhöht auch die Robustheit der Architektur.
Im standardisierten, modularen Ansatz sollen Daten darum
nicht erst in einem entfernten System nutzbar werden, sondern bereits nah am
Prozess so aufbereitet werden, dass sie für Monitoring, Bewertung und
Optimierung verwendet werden können. Für Chemieunternehmen ist das praxisnah,
weil kritische Produktionsdaten im geschützten Netz verbleiben können, während
ausgewählte Informationen gezielt an übergeordnete Systeme für Analyse,
Dokumentation oder Energiemanagement übergeben werden.
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Namur-Open-Architecture wird greifbar
Für die Prozessindustrie ist diese Trennung besonders
interessant, weil sie dem Gedanken der Namur-Open-Architecture entgegenkommt.
Gemeint ist ein zusätzlicher, rückwirkungsfreier Kommunikationskanal parallel
zur eigentlichen Prozessführung. Daten für Monitoring, Optimierung oder
vorausschauende Instandhaltung lassen sich so aus dem laufenden Betrieb
gewinnen, ohne direkt in die Leitebene oder Steuerungslogik einzugreifen.
In der Praxis braucht es dafür keine komplett neue
Automatisierungswelt, sondern vor allem saubere Übergänge. Standardisierte
IIoT-Gateways schaffen diese Übergänge. Sie ermöglichen es,
Informationen aus bestehenden Anlagen parallel nutzbar zu machen und schrittweise
in digitale Anwendungen zu überführen.
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Skalierung beginnt mit Wiederverwendbarkeit
Anwendungen profitieren von derselben Voraussetzung: einer stabilen, skalierbaren Verbindung zwischen OT und IT.in.hub
Ein Pilotprojekt ist nur dann strategisch wertvoll, wenn es
sich als Vorlage für weitere Anwendungen nutzen lässt. Genau hier zeigt sich
der Unterschied zwischen einem interessanten Einzelprojekt und einer
wirtschaftlich tragfähigen Digitalisierungsstrategie. Skalierung gelingt vor allem dann, wenn Schnittstellen,
Datenmodelle und Konfigurationen wiederverwendbar sind. Wo Anbindungslogiken
einmal sauber definiert wurden, lässt sich der nächste Anwendungsfall deutlich
schneller umsetzen. Aus einem Pilotprojekt wird dann kein Sonderfall, sondern
eine Blaupause. Auch hier liegt ein wesentlicher Vorteil standardisierter
Infrastrukturen. Wenn Gateways zentral verwaltet, Konfigurationen
reproduzierbar ausgerollt und Funktionen modular erweitert werden können,
sinken Aufwand und Komplexität mit jedem weiteren Schritt. Digitalisierung wird
damit nicht einfacher, aber beherrschbarer.
Nutzen zeigt sich im laufenden Betrieb
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Ob eine IIoT-Infrastruktur wirtschaftlich trägt, entscheidet
sich nicht an der Zahl angebundener Datenpunkte, sondern an ihrem Nutzen im
Alltag. Typische Anwendungsfelder liegen in der vorausschauenden
Instandhaltung, im Energiemanagement und in der Prozessoptimierung. Zustandsdaten helfen dabei, Abweichungen frühzeitig zu
erkennen und ungeplante Stillstände zu vermeiden. Energiedaten schaffen
Transparenz über Lastspitzen, Grundlasten und ineffiziente Betriebszustände.
Prozessdaten wiederum bilden die Grundlage für stabilere Abläufe, bessere
Qualität und belastbarere Entscheidungen im Produktionsumfeld. Entscheidend ist dabei, dass diese Anwendungen nicht
isoliert nebeneinander entstehen. Sie profitieren alle von derselben
Voraussetzung: einer stabilen, skalierbaren Verbindung zwischen OT und IT. Erst
wenn diese Basis vorhanden ist, lässt sich aus digitaler Transparenz
tatsächlich betrieblicher Mehrwert ableiten.
Blick über die Chemie hinaus
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick in
regulierte Produktionsumfelder wie die Pharmaindustrie. Dort müssen digitale Architekturen
unter deutlich strengeren Anforderungen an Nachvollziehbarkeit, Dokumentation
und Systembeherrschung funktionieren. Wenn modulare und standardisierte Ansätze
auch unter diesen Bedingungen tragfähig sind, spricht das für ihre strukturelle
Belastbarkeit.
Für die Chemie bedeutet das vor allem: Viele Konzepte sind
heute technisch und organisatorisch realistisch umsetzbar, wenn die Architektur
von Beginn an auf Anschlussfähigkeit und Wiederverwendbarkeit ausgelegt wird.
Entscheider-Facts
Mit modularen IIoT-Komponenten lässt sich die Lücke zwischen
Bestandsanlage, lokaler Datenverarbeitung und weiterführender Datennutzung
schließen.
Für Chemiebetriebe entsteht daraus ein pragmatischer Weg,
Digitalisierung aus dem Pilotstatus herauszuführen und schrittweise in den Regelbetrieb
zu überführen.