Strategische Neuausrichtung im deutschen Energiemarkt
Klesch Group übernimmt Raffinerie Gelsenkirchen von BP
Die Klesch Group übernimmt den Raffinerie-Standort Gelsenkirchen von BP. Klesch stärkt damit seine Präsenz im deutschen Markt, während BP sein globales Portfolio strafft und strukturelle Kosten senkt.
Die Raffinerie Gelsenkirchen wechselt den Besitzer und Betreiber: BP verkauft den gesamten Raffinerie- und Petrochemiekomplex an die Klesch Group.
BP
Eine entsprechende Vereinbarung zum Erwerb des
Raffineriegeschäfts in Gelsenkirchen haben der unabhängige Raffineriebetreiber Klesch
Group und BP am 19. März 2026 bekanntgegeben. Die Transaktion umfasst den
gesamten integrierten Raffinerie- und Petrochemiekomplex, bestehend aus den
Standorten Horst und Scholven sowie dem Tanklager in Bottrop. Auch die
Tochtergesellschaft DHC Solvent Chemie sowie diverse Logistik-Anteile sind Teil
des Deals. Der Abschluss der Transaktion wird, vorbehaltlich der
regulatorischen Genehmigungen, für das zweite oder dritte Quartal 2026
erwartet. Finanzielle Details gaben die Unternehmen nicht bekannt.
Regionale Versorgung bleibt gesichert
Die Raffinerie Gelsenkirchen zählt mit einer
Rohölverarbeitungskapazität von 265.000 Barrel pro Tag (ca. 12 Mio. t/a) zu den
bedeutendsten Industrieanlagen Deutschlands. Der Standort ist zudem der zweitgrößte
Ethylenproduzent des Landes und sichert die Versorgung der regionalen
Chemieindustrie mit über 50 verschiedenen Produkten. BP hatte seit 2017 rund 2 Mrd.
US-Dollar in die Modernisierung der Infrastruktur investiert, was die
Zuverlässigkeit und Sicherheit der Anlagen erheblich steigerte. Um die
regionale Versorgung mit Kraftstoffen für den Straßen- und Luftverkehr
weiterhin sicherzustellen, hat BP Abnahmevereinbarungen für die in
Gelsenkirchen produzierten Produkte geschlossen.
Für die Klesch Group stellt die Akquisition eine bedeutende
Erweiterung ihrer Kapazitäten dar. Das Unternehmen, das bereits die Raffinerien
in Heide, Deutschland, und Kalundborg, Dänemark, betreibt, setzt auf den
langfristigen Betrieb hochwertiger Anlagen. Laut dem Vorsitzenden A. Gary
Klesch soll das Fachwissen der rund 1.800 bis 2.200 Mitarbeitenden zentral für
den künftigen Erfolg bleiben.
Auf der anderen Seite beschleunigt BP mit diesem Verkauf
seine Strategie zur Portfolio-Vereinfachung. Durch die Veräußerung und die
damit verbundenen Einsparungen von rund 1 Mrd. USD erhöht BP sein Ziel für
strukturelle Kostensenkungen bis 2027 auf insgesamt 6,5 bis 7,5 Mrd. USD.
Interim-CEO Carol Howle betonte, dass die Transaktion die Bilanz stärke und die
Resilienz des verbleibenden Raffinerieportfolios erhöhe.