Grund ist Verzögerung bei der Wiederinbetriebnahme der Phenolanlage in Antwerpen
Ineos Phenol will Standort Gladbeck über 2027 hinaus betreiben
Vor ziemlich genau einem Jahr kündigte Ineos Phenol an, die Produktion am Standort Gladbeck zu einem noch zu bestätigenden Zeitpunkt endgültig einstellen zu wollen. Da das Unternehmen seine Phenol-Produktionsanlage in Antwerpen nicht wie geplant wieder in Betrieb nehmen kann, will es die Anlage in Gladbeck als Ersatz über 2027 hinaus betreiben.
Der Standort Gladbeck im nördlichen Ruhrgebiet.
Ineos
Update vom 19. Juni 2026: Ineos Phenol hat die Belegschaft der Anlage in Doel bei Antwerpen in Belgien informiert, dass sich die Wiederinbetriebnahme der Phenolproduktion verzögert und nicht, wie Mitte 2025 angekündigt, Ende 2027 wieder anläuft. Als Folge dieser Entscheidung soll der andere Betriebsstandort des Unternehmens in Gladbeck die Produktion über das Jahr 2027 hinaus fortsetzen. Die Ankündigung erfolgte bereits jetzt, da die Wiederaufnahme der Produktion in Antwerpen im nächsten Jahr sofortige Vorbereitungen erfordern würde.
In der Zwischenzeit erbringt der Standort in Antwerpen weiterhin Logistik-Dienstleistungen, um lokale Kunden zu versorgen. Das Unternehmen will zudem alle notwendigen Investitionen tätigen, um das Werk in Doel instand zu halten und die Option für eine Wiederaufnahme der Produktion offen zu halten, sobald sich die Marktbedingungen nachhaltig erholt haben.
Als Begründung für die verschobene Wiederinbetriebnahme des Standorts Antwerpen, gibt das Unternehmen folgendes an: "Aufgrund der anhaltend volatilen Marktbedingungen auf den europäischen und globalen Märkten, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite, sind die für eine Wiederinbetriebnahme erforderlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen noch nicht nachhaltig erreicht worden, weshalb eine Verzögerung notwendig ist. Ein Beispiel für die volatilen Marktbedingungen ist die europäische Automobilindustrie, ein wichtiger Abnehmer der Produkte des Standorts. Dort steht die Nachfrage nach in Europa hergestellten Fahrzeugen aufgrund deutlich gestiegener Importe chinesischer Autos unter starkem Druck, was sich direkt auf die Nachfrage nach Phenol und Aceton in Europa auswirkt. Zusätzlich zum Druck auf die Nachfrage nach europäischer petrochemischer Produktion haben hohe Energiekosten in Europa und die CO2-Steuer – Kosten, die unseren Wettbewerbern nicht entstehen – die Wirtschaftlichkeit der europäischen petrochemischen Produktion extrem erschwert."
Ursprüngliche Meldung vom 17. Juni 2025: Nach einer eingehenden strategischen Überprüfung plant Ineos Phenol, den Standort Gladbeck zu einem noch zu bestätigenden Zeitpunkt endgültig aufzugeben. Laut Unternehmensaussage habe die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Europas bereits zum Rückzug mehrerer nachgelagerter Verbraucher von Phenol und Aceton geführt, sodass die lokale Nachfrage den Betrieb in Gladbeck nicht mehr rechtfertigt. Der Standort besteht seit 1954 und würde erhebliche zukünftige Investitionen erfordert. Darum will das Unternehmen nun Gespräche mit dem Betriebsrat, den Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten aufnehmen, um den Standort zu verlassen.
Sir Jim Ratcliffe, Vorsitzender des Unternehmens, kommentierte, dass das Vorhaben die Folge der völlig mangelnden Wettbewerbsfähigkeit Europas im Energiebereich und der blinden Hingabe an die CO2-Besteuerung sei, die zu einer massiven Deindustrialisierung auf dem gesamten Kontinent führe. Gladbeck sei nicht der erste und definitiv nicht der letzte Standort der geschlossen würde, wenn die Regulierungsbehörden nicht aufwachen und Maßnahmen ergriffen.