Konsortium mit zehn Partnern mit Pilotanlagen in Gent und Leverkusen

Covestro arbeitet an Konti-Prozess für biobasiertes Anilin

Covestro plant, den nach eigenen Angaben weltweit ersten kontinuierlichen Produktionsprozess für biobasiertes Anilin zu entwickeln. Dafür hat der Konzern sich zehn Partner gesucht, mit denen er den Fermentationsprozess in Pilotanlagen in Gent und Leverkusen erproben will.

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Forscher im Labor neben Glasreaktoren und technischen Leitungen in einer Biotechnologie-Anlage.
Das Projekt mit dem Namen Bio-Based Continuous Production for Sustainable Polyurethane Industry (Bio4PurConti) wird von der EU gefördert.

Covestro hat vor, anstelle der bisher eingesetzten Fed-Batch-Methode, bei der Rohstoffe schrittweise zugegeben und das Produkt stufenweise entnommen wird, erstmals auf eine kontinuierliche Fermentationstechnologie für Anilin zu setzen. Dafür will der Chemiekonzern erneuerbare Rohstoffe wie pflanzenbasierte Zucker beispielsweise aus holzbasierten Rohstoffen nutzen. Das resultierende bio-basierte Anilin ist vollständig Drop-in-kompatibel mit bestehenden Polyurethan-Wertschöpfungsketten und erfüllt die MDI-Spezifikationen (Methylendiphenyldiisocyanat), ohne dass Änderungen an nachgelagerten Prozessen erforderlich sind. Damit ist es ein wirksamer Hebel zur Defossilisierung, auch über die Chemieindustrie hinaus.

Das Projekt skaliert vom Labor bis zur halbindustriellen Demonstration im 1,5-m3-Maßstab bei Bio Base Europe Pilot Plant in Gent und beim Chemiekonzern in Leverkusen, wobei Zellrecycling, Echtzeit-Analytik und Downstream-Processing integriert werden. Zu den wichtigsten Zielen zählen höhere Raum-Zeit-Ausbeuten und eine deutliche Verbesserung des produktbezogenen CO2-Fußabdrucks.

Das Konsortium besteht neben dem Chemiekonzern aus folgenden Partnern, die über ein Gesamtbudget von 8,4 Mio. Euro, davon 7 Mio. Euro EU-Förderung über die Projektlaufzeit von 42 Monaten verfügen:

  • Fibenol Imavere OÜ (Estland)
  • Universität Stuttgart (Deutschland)
  • Bio Base Europe Pilot Plant VZW (Belgien)
  • Zentrum für Beratungssysteme in der Technik Dortmund e.V. – ZEDO (Deutschland)
  • Norwegische Universität für Naturwissenschaften und Technik – NTNU (Norwegen)
  • Axel'One (Frankreich)
  • VTT Technical Research Centre of Finland Ltd (Finnland)
  • Cluster Industrielle Biotechnologie e.V. – CLIB (Deutschland)
  • Asociación Española de la Innovación en el Marketing y la Inversión Sostenible – AEIMIS (Spanien)

Die Anilinproduktion auf Basis fossiler Rohstoffe verursacht weltweit etwa 20 Mio. t/a CO2-Emissionen. Um den CO2-Fußabdruck der Anilinproduktion gezielt zu reduzieren, nutzt der Chemiekonzern im biobasierten Prozess einen maßgeschneiderten Mikroorganismus, der industrielle Zucker aus pflanzlicher Biomasse durch Fermentation in ein Zwischenprodukt umwandelt. In einem zweiten Schritt wird dieses Zwischenprodukt durch chemische Katalyse zu Anilin aus 100 % pflanzenbasiertem Kohlenstoff umgewandelt. Im Projekt sollen diese beiden Schritte in einen kontinuierlichen Prozess überführt werden.