Gefahrstoffe lagern: Der Mensch im Fokus der Sicherheitskonzepte
Gefahrstoffe gehören in der Chemieindustrie zum Alltag, bergen aber Risiken. Durch dezentrale Lagerung, klare Gefährdungsbeurteilungen und technische Schutzmaßnahmen vermeiden Mitarbeitende zusätzliche Wege und schaffen sichere Abläufe im Betrieb.
Dipl.-Ing. Sven Sievers, Bereichsleiter Produktmanagement & -entwicklung, Asecos Dipl.-Ing. Sven Sievers, Bereichsleiter Produktmanagement & -entwicklung, Asecos
4 min
Dezentrales Lagern am Arbeitsplatz unterstützt ergonomische Arbeitsabläufe und entlastet Mitarbeitende im täglichen Umgang mit Gefahrstoffen.
Bilder: AsecosAsecos
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Gefährdungsbeurteilungen bilden die Basis für Schutzmaßnahmen.
Eine dezentrale Lagerung erhöht Sicherheit und Effizienz im Arbeitsalltag.
Technische Lösungen wie Umluftfilteraufsätze reduzieren Brand- und Explosionsrisiken.
Mit Gefahrstoffen umzugehen, gehört in chemischen Betrieben zum Arbeitsalltag und verlangt von Beschäftigten ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein. Arbeitgeber sind verpflichtet, potenzielle Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeitenden umzusetzen. Grundlage dafür sind die gesetzlichen Vorgaben, die eine Gefährdungsbeurteilung systematisch zusammenführt. Auf dieser Basis werden technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen festgelegt. Dazu zählen auch Sicherheitsschränke nach europäischer Norm EN 14470-1 und -2, die es ermöglichen, Gefahrstoffe direkt am Arbeitsplatz sicher und regelkonform zu lagern.
Entzündbare, explosive oder toxische Stoffe können sowohl die Gesundheit der Beschäftigten als auch die Stabilität betrieblicher Abläufe beinträchtigen. Neben der Gefährdungsbeurteilung, die die Basis für alle weiteren Schutzmaßnahmen bildet, spielen technische Lösungen, um Gefahrstoffe sicher zu lagern, eine wichtige Rolle. Dazu gehören feuerwiderstandsfähige Typ-90-Sicherheitsschränke, deren Konstruktion auf einem fundierten Verständnis der Stoffmerkmale basiert.
Gefährdungsbeurteilung: Grundlage für sicheres Arbeiten
Ein zentrales Element des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie dient dazu, systematisch alle relevanten Gefährdungen zu ermitteln und zu bewerten, denen Beschäftigte im Arbeitsalltag ausgesetzt sein können. Dazu zählen inhalative Gefährdungen durch Einatmen von Dämpfen, dermale Risiken durch Hautkontakt sowie physikalisch-chemische Gefahren, etwa durch Brand oder Explosion.
Die im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren und regelmäßig zu überprüfen. Tätigkeiten mit Gefahrstoffen dürfen erst aufgenommen werden, wenn die Beurteilung abgeschlossen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen umgesetzt sind. Ändern sich Arbeitsabläufe oder Rahmenbedingungen, ist die Gefährdungsbeurteilung entsprechend anzupassen.
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Neben dem ArbSchG sind weitere gesetzliche Vorgaben relevant, darunter die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), das Chemikaliengesetz (ChemG) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Konkretisiert werden die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung und der Gefährdungsbeurteilung in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) und den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS). Auf dieser Grundlage werden die eingesetzten Stoffe und deren Gefährdungspotenzial erfasst und geeignete Schutzmaßnahmen abgeleitet – von organisatorischen Regelungen bis hin zur Auswahl passender technischer Lösungen wie Sicherheitsschränken. Gestaltungsspielräume bestehen dabei im Rahmen des Stop-Prinzips.
Je nach betrieblichem Bedarf erfolgt die Gefahrstofflagerung zentral oder dezentral.Asecos
Das Stop-Prinzip: Sicherheit systematisch priorisieren
In allen Bereichen, in denen mit Gefahrstoffen gearbeitet wird, gelten neben den gesetzlichen Vorschriften auch die Maßnahmen des sogenannten Stop-Prinzips. Dieses beschreibt eine abgestufte Hierarchie von Schutzmaßnahmen. An erster Stelle steht die Substitution (S). Wo möglich, sollten gefährliche Stoffe durch weniger gefährliche Alternativen ersetzt werden. Ist dies nicht umsetzbar, folgen technische Maßnahmen (T), etwa das sichere und vorschriftsmäßige Lagern in speziellen Sicherheitsschränken. Daran schließen sich organisatorische Maßnahmen (O) an, beispielsweise das Begrenzen der Expositionsdauer durch Arbeitsplatzrotation. Den Abschluss bilden personenbezogene Schutzvorkehrungen (P), wie das Tragen der passenden Schutzausrüstung. Ziel ist es, Risiken systematisch, konsequent und möglichst direkt an der Entstehungsquelle zu reduzieren.
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Nähe zum Menschen als Sicherheitsfaktor
Gefahrstoffe lassen sich entweder zentral in einem separaten Lagerbereich oder dezentral in Sicherheitsschränken direkt am Arbeitsplatz aufbewahren. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt unter anderem von den betrieblichen Anforderungen, räumlichen Gegebenheiten sowie der Menge und Größe der Gebinde ab. Ebenso spielt die praktische Umsetzbarkeit im Arbeitsalltag eine entscheidende Rolle: Müssen Beschäftigte die benötigten Stoffe regelmäßig aus einem entfernten Lager holen und nach Gebrauch wieder zurückstellen, erhöht dies den Zeitaufwand und kann zusätzliche Risiken mit sich bringen, etwa durch Transportwege oder das Verschütten von Substanzen. Die Nähe der Lagerlösung zum Arbeitsplatz kann somit ein entscheidender Faktor für Sicherheit und Effizienz sein.
Vor diesem Hintergrund hat sich in vielen Betrieben das dezentrale Lagern direkt am Arbeitsplatz etabliert, etwa in Typ-90-Sicherheitsschränken des Herstellers Asecos. Das ermöglicht nicht nur ein regelkonformes Aufbewahren, sondern unterstützt ergonomische Arbeitsabläufe und entlastet Mitarbeitende im täglichen Umgang mit Gefahrstoffen.
Umluftfilteraufsätze sorgen für das technische Entlüften von Sicherheitsschränken und verhindern, dass eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht.Asecos
Typ-90-Sicherheitsschränke, geprüft nach EN 14470-1 beziehungsweise -2, erfüllen die Normen für die baulichen Anforderungen und die Prüfbedingungen zum Lagern brennbarer Flüssigkeiten und Gase in Arbeitsräumen. Die Kennzeichnung „Typ 90“ steht für eine Feuerwiderstandsfähigkeit von 90 Minuten. Das bedeutet: Im Brandfall bleibt der Inhalt für eineinhalb Stunden zuverlässig vor Flammen geschützt und trägt nicht zum unkontrollierten Ausbreiten des Feuers bei. Das verschafft wertvolle Zeit – für das Evakuieren von Menschen und für Löschmaßnahmen.
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Sicherheitsrisiko Routine: Wenn Erfahrung zur Gefahr wird
Routine kann im Arbeitsalltag zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl und zu Betriebsblindheit führen. Risiken werden möglicherweise unterschätzt. Auch etablierte Sicherheitskonzepte können dann an Wirkung verlieren. Regelmäßige Schulungen wirken diesem Effekt entgegen. Sie schärfen das Bewusstsein für potenzielle Gefahren, sensibilisieren für sicherheitsrelevante Details und helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen. Einen wichtigen Beitrag zur systematischen Wissensvermittlung leisten Schulungsangebote wie die Online- und Präsenzveranstaltungen der 2019 gegründeten Academy des Herstellers. Sie vermitteln praxisnahes Fachwissen rund um das sichere Lagern und Handhaben von Gefahrstoffen und tragen dazu bei, das Know-how über Gefährdungspotenziale und Sicherheitsanforderungen nachhaltig zu verankern.
Lagern, entlüften und Explosionsschutz
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Sind Gefahrstoffbehälter nicht vollständig dicht oder weisen eine äußerliche Benetzung auf, können Stoffe verdampfen und in die Umgebungsluft gelangen. In Verbindung mit Sauerstoff kann so unbemerkt eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen. Um dies zu vermeiden, ist das technische Entlüften von Sicherheitsschränken eine gängige Maßnahme. Dies kann über den Anschluss an eine feste Abluftanlage ins Freie oder über Umluftfilteraufsätze erfolgen. Letztere sind eine gute Lösung, wenn aufwendige Wanddurchbrüche und Fortluftanlagen keine Option darstellen, weil sie zu kostspielig oder baulich gar nicht realisierbar sind.
Die TRGS 510 3 2.2 erlaubt in Deutschland zwar auch den Betrieb von Sicherheitsschränken ohne technisches Entlüften, allerdings müssen in diesem Fall geeignete Ersatzmaßnahmen getroffen werden, um einen vergleichbaren Explosionsschutz sicherzustellen.
Arbeitsbedingungen und Anforderungen verändern sich kontinuierlich. Schutzmaßnahmen müssen daher regelmäßig überprüft und angepasst werden. Technische Schutzmaßnahmen wie die Sicherheitsschränke des Herstellers mit unterschiedlichen Ausstattungsoptionen ermöglichen es, auf neue Gegebenheiten zu reagieren und ein gleichbleibend hohes und lückenloses Sicherheitsniveau zu halten.