LNG-Import per Schiff

LNG-Importe per Schiff könnten die europäische Energieversorgung unabhängiger von Russland machen. (Bild: Wojciech Wrzesień – stock.adobe.com)

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine drohen sowohl Europa als auch Russland mit gegenseitigen Sanktionen. Deutschland hat bereits die Aussetzung des Pipeline-Projektes Nord Stream 2 angekündigt, im Gegenzug Russlands ehemaliger Präsident Dimitri Medwedew an, die Europäer müssten sich auf massiv höhere Gaspreise einstellen.

Der Konflikt stellt die europäische Wirtschaft vor große Herausforderungen. Insbesondere Deutschland ist von russischem Gas abhängig: Mehr als die Hälfte des Erdgases in Deutschland stammt aus russischen Quellen.

Wo stehen die Importterminals in Europa?

Durch eine Verteuerung oder gar einen Lieferstopp von russischem Gas könnte Flüssiggas zu einer entscheidenden Alternative für die Erdgasversorgung in Europa werden. Große Lieferländer sind hier vor allem die USA aber auch Australien und Katar. Für den Import wird LNG auf speziellen Schiffen angeliefert und dann auf Onshore- oder Offshore-Terminals entnommen sowie regasifiziert, also von der flüssigen Form wieder in Gas umgewandelt. Neben einer Reihe von kleinen Anlagen, gibt es in Europa derzeit 29 Anlagen mit für die Energieversorgung relevanten Kapazitäten:

Im Gegensatz zu den anderen großen Ländern Europas wie Großbritannien, Frankreich, Italien oder Spanien hat Deutschland noch kein eigenes LNG-Terminal. Laut der Wirtschaftsinitiative Zukunft Gas liegt dies auch an besonderen regulatorischen Hürden in Deutschland. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass LNG ein gutes Stück teurer war als Pipeline-Gas. Insgesamt waren die Bedingungen für private Investoren in Deutschland offensichtlich unattraktiv.

Die Ampelkoalition hat den Mangel an LNG-Terminals erkannt. Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte am 27. Februar an, den Bau zweier LNG-Terminals nun schnell vorantreiben zu wollen. Als Standorte sind Brunsbüttel und Wilhelmshaven im Gespräch. Die Terminals sollen dazu beitragen, die sichere Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte zuvor angekündigt, die finanzielle Unterstützung durch den Staat prüfen zu wollen. Die Terminals sollen dabei auch für den Import von grünem Wasserstoff ausgerüstet sein.

Vor Deutschland haben bereits viele weitere Länder in Europa große Flüssiggas-Importkapazitäten aufgebaut:

Selbst kleinere Staaten wie die Niederlande oder Belgien liegen beim Thema LNG also bereits ein gutes Stück vor Deutschland.

Wo sind neue LNG-Terminals geplant?

Die neuen Bedingungen rund um den Konflikt mit Russland könnten die Attraktivität von LNG-Projekten in Europa weiter begünstigen. Viele Flüssiggas-Importterminals sind derzeit in ganz Europa in Planung oder bereits im Bau:

Auch die deutschen Projekte könnten unter den jetzigen Umständen neuen Schwung erhalten, wie die Äußerung von Bundeskanzler Scholz zeigt.. Zwei Projekte sind seit längerem in Planung: In Stade könnte ab 2026 ein Onshore-Terminal mit einer Jahreskapazität von 12 Mrd. m³ an den Start gehen. Als Standortpartner ist der Chemiekonzern Dow mit im Boot. Auch in Brunsbüttel plant ein Konsortium um den niederländischen Staatskonzern Gasunie den Bau eines LNG-Terminals – mögliches Betriebsdatum: ungewiss. Wie nun bekannt wurde, soll auf Bitten der Bundesregierung auch das LNG-Terminal-Projekt von Uniper in Wilhelmshaven, das zwischenzeitlich auf Eis lag, reaktiviert werden.

Die neuen Aktivitäten, sind Teil der neu angekündigten Strategie der Bundesregierung, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern verringern zu wollen. Alle aktuellen Entwicklungen zu den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf die Industrie lesen Sie in unserem Newsticker zum Thema.

Engineering Summit 2022 - Folgen des Russland-Konflikts für den Anlagenbau

Logo Engineering Summit

Wie sich der Russland-Konflikt kurz- und langfristig auf den europäischen Anlagenbau auswirken wird, ist auch Thema des kommenden Engineering Summit, der vom 20. bis 21. Juli 2022 in Darmstadt stattfinden wird. Unter dem Motto „Welcome to the new realities in plant engineering“ werden Führungskräfte aus dem europäischen Anlagenbau die aktuellen Entwicklungen der Branche diskutieren.

Russland war in den vergangenen Jahren einer der Haupt-Auftraggeber des deutschen Großanlagenbaus. Dieses Geschäft wird sich aufgrund der Sanktionen infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine verändern. Gleichzeitig wird die beschleunigte Transformation des Energiesektors in Europa zu neuen Chancen und Projekten führen. Im Summit Talk am 21. Juli werden wir das Thema mit führenden Köpfen des Anlagenbaus ausloten. Mehr Informationen unter www.engineering-summit.de

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