Wirtschaftsminister Habeck (links), Bundeskanzler Scholz (Mitte) und Finanzminister Lindner (rechts) bei der Eröffnung der FSRU „Höegh Esperanza“ (Hintergrund).

Wirtschaftsminister Habeck (links), Bundeskanzler Scholz (Mitte) und Finanzminister Lindner (rechts) bei der Eröffnung der FSRU „Höegh Esperanza“ (Hintergrund). (Bild: Bundesregierung/Bergmann)

Update vom 04.01.2023: Am 03.01.2023 legte das erste LNG-Schiff – mit dem Namen Maria Energy – mit einer vollständigen Ladung verflüssigtem Erdgas in Wilhelmshaven an. Das Schiff des Energiekonzerns Tsakos Energy Navigation startete am 19. Dezember 2022 in Calcasieu Pass, USA, und wurde in der Verflüssigungsanlage des LNG-Anbieters Venture Global Calcasieu Pass beladen. Die Maria Energy hat ein Volumen von etwa 170.000 m3 LNG getankt, was 97.147.000 m3 Erdgas entspricht – genug, um rund 50.000 deutsche Haushalte ein Jahr lang mit Energie zu versorgen. Diese Lieferung ist Teil des Inbetriebnahme-Prozesses des Terminals in Wilhelmshaven. Der kommerzielle Betrieb soll Mitte Januar 2023 beginnen.

 


Verflüssigtes Erdgas (Liquid Natural Gas, LNG) LNG ist Kern der deutschen Strategie, die weggebrochene Gasversorgung über Pipelines aus Russland zu ersetzen. Bei dem LNG-Terminal in Wilhelmshaven handelt es sich um eine sogenannte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU), also ein Spezialschiff, welches Flüssiggas von Tankschiffen aufnehmen, wieder in den Gaszustand versetzen und ins Gasnetz einspeisen kann. Die nun eröffnete FSRU "Höegh Esperanza“ soll dies laut Vertrag mit einer Kapazität von 5 Mrd. m3/a leisten und damit 6 % des deutschen Gasbedarfs decken. Die Höegh Esperanza ist die erste von zwei FSRU, die die Bundesregierung von der norwegischen Reederei Hoegh gechartert hat. (Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema LNG-Terminals.)

LNG-Ausbau im "Deutschland-Tempo"

Bundeskanzler Olaf Scholz hob bei der Eröffnung des Terminals die rasche Bauzeit und Inbetriebnahme hervor, die auch Vorbild für den Ausbau weiterer Infrastruktur in Deutschland sein soll: "Das ist jetzt das neue Deutschland-Tempo, mit dem wir Infrastruktur voranbringen", so Scholz. Bis Ende 2023 solle die Kapazität für Gasimporte mehr als 30 Mrd. m3/a betragen. Langfristige Lieferverträge mit mehreren Anbietern sollen diese Versorgung sicherstellen und gleichzeitig keine neuen Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten verursachen. Deutschland soll in Zukunft vor allem Gas aus Norwegen, den USA und Golfstaaten wie Katar beziehen.

Bundeswirtschafts- und Klima-Minister Robert Habeck betonte in der Nachrichtensendung Tagesthemen, die Regierung habe „etwas hinbekommen, was man Mitte des Jahres zu Recht noch für unmöglich gehalten hatte." Angesichts der noch fehlenden Infrastruktur sei es „absolute politische Priorität“, einen möglichen Gasmangel zu vermeiden und die Gasversorgung sicherzustellen. Habeck wies in diesem Zusammenhang auch die Vorwürfe einer möglichen Überversorgung zurück. Das eröffnete LNG-Terminal in Wilhelmshaven sowie die geplanten Terminals in Stade, Brunsbüttel und Lubmin deckten zusammen rund ein Drittel des Bedarfs, und "von einer Überkapazität kann gar keine Rede sein", so der Wirtschaftsminister.

Solche Überkapazitäten, also den Aufbau von weitaus mehr LNG-Infrastruktur als nötig, hatten Klimaschutz-Organisationen anlässlich der Weltklimakonferenz Anfang November in Ägypten zur Sprache gebracht. Einer Studie des Climate Action Tracker zufolge überstiegen die weltweit geplanten Erdgas-Projekte deutlich den Bedarf, bereits 2030 könne die Überversorgung mehr als 500 Mio. t betragen. Der Fokus darauf, wegfallende Gasimporte aus Russland lediglich mit Gas aus anderen Quellen zu ersetzen, schieße über das Ziel hinaus und gefährde die vereinbarten Klimaschutzziele zur Senkung von CO2- und Methan-Emissionen.

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